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Erst Nauheim, dann Kassel: Eishockey-Spieler begeisterten in Nordhessen

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Von: Gerald Schaumburg

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Eddy Michel

Kassel. Wenn’s um Hessenderbys geht, sprechen die Kasseler Eishockey-Fans zumeist über legendäre Duelle mit den Frankfurter Löwen zu DEL-Zeiten. Tatsächlich aber sind die Nord-Süd-Vergleiche zwischen den Huskies und den Roten Teufeln aus Bad Nauheim weitaus traditionsreicher.

Eines von ihnen steht am Sonntag um 18.30 Uhr in der Eissporthalle an.

Weil aber früher viel weniger Material archiviert wurde, gibt es aus eben diesen Achtziger- und Neunzigerjahren heute auch weniger zu berichten. Dabei ist die Geschichte des Kasseler Eishockeys in seinen Ursprüngen sehr eng mit der Wetterau verknüpft. Denn die ersten echten Puckjäger-Helden der einstigen ESG Kassel kamen vom ruhmreichen Bundesligisten aus der von US-Army-Angehörigen bevölkerten Südhessen-Region.

Als erste Entwicklungshelfer kamen die so genannten Nachtjäger aus der Kurstadt nach Nordhessen. Zu Zeiten von Gary Hoag, dem Maler aus Kanada, und später Dany Coutu, war Jürgen „Eddy“ Michel das erste Idol dieses neuen Sports in Kassel. Von 1978 bis 1980 trug der hünenhafte Mann vom Bau nach 498 Bundesliga-Spielen zum Hobby noch das Kasseler Trikot mit der Nummer 2 und begeisterte die Fans mit bis heute kaum übertroffenen Checks und krachenden Schlagschüssen.

„An die Zeit in Kassel habe ich die schönsten Erinnerungen, die Kameradschaft war super. Wir waren Amateure, da ging’s nicht ums Geld, sondern um den Spaß. Vieles wurde improvisiert. Geschlafen und gefeiert wurde nicht im Hotel, sondern bei einem Kumpel“, sagt „Eddy“, heute 67, rückblickend. Weggefährten damals waren Freddy Daubertshäuser, Hermann Langsdorff und Ronald Hennecke.

Weitere Nauheimer in Kasseler Diensten waren später Thomas Fauerbach, der Rotschopf in der Abwehr; Peter Olejnik, ein Sohn von Ex-Bundestrainer Ladislav Olejnik; Peter Gehrmann, der Bäcker; Norbert Scholz, ein vorzüglicher Torwart; „Ritchie“ Jarocki, der Blueliner; Arthur Berwald, der Mann von der Post; und Michael Major mit der Nummer 18, der zwischen 1983 und ’93 sogar mehrmals zwischen beiden Klubs wechselte. Bis heute legendär ist eine Geschichte, wo ein Doppelgänger sich als Michael Major ausgab und die weiblichen Fans aufs Glatteis führte.

Noch engere Verbindungen zwischen beiden Klubs hatte Greg Evtushevski. „Shevi“, der Kanadier, kam 1987 aus Kelowna nach Nauheim, lernte dort seine heutige Ehefrau Beate kennen, spielte 1995 bis 2000 in Kassel, danach u. a. in Frankfurt und betreibt nun schon seit Jahren ein Sportgeschäft in Kelowna.

Viele Geschichten gibt es auch über Rickie Alexander. Der listige Trainer der Roten Teufel von 1986 bis ’89 hebelte schon mal die Bandentür aus oder warf Kleingeld aufs Eis, wenn seine Jungs mal eine Verschnaufpause benötigten.

Legende Lochead

Und dann ist da noch Bill Lochead, eine echte Legende: Der Kanadier war 1981/82 in der Bundesliga zugleich Torschützenkönig und Strafbankkönig. Seine Topzahlen: 42 Spiele - 66 Tore + 34 Vorlagen = 100 Punkte bei 195 Strafminuten. Später war er kurzzeitig Trainer in Kassel – ohne echten Erfolg.

Einziger aktueller Spieler mit engem Bezug zwischen Bad Nauheim und Kassel ist Tobi Schwab, der Kasseler, der die Roten Teufel in die zweite Liga schießen soll.

Von Gerald Schaumburg

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