Huskies-Stürmer ist auch Student 

Michi Christ: Zwischen Eishalle und Uni

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Er steckt die Nase nun häufig in Bücher: Husky Michi Christ.

Auf dem Eis geht er für die Kassel Huskies auf Torejagd. Abseits des Eises aber denkt  Michi Christ auch an das Leben nach der Karriere. Er studiert.

Die Fans der Kassel Huskies lieben ihn als Kämpfer auf dem Eis, der keinen Puck verloren gibt, keinem Zweikampf aus dem Weg geht. Auch abseits des Eises ist Michi Christ zielstrebig. Schon zu Oberliga-Zeiten hat er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann vorzeitig und erfolgreich abgeschlossen. Nun steckt der Eishockeyspieler die Nase wieder verstärkt in Bücher und Statistiken: Denn seit Oktober ist Christ im Leben abseits des Eises Student. An der Deutschen Berufsakademie Sport und Bewegung in Baunatal studiert er Sport- und Bewegungscoaching.

„Ich fühle mich schon eher als Profisportler“, sagt er. „Aber ich habe zuletzt bei Alex Heinrich gesehen, wie schnell es vorbei sein kann mit der Eishockeykarriere. Ich bin 31 Jahre und kein Träumer, sondern muss mich auch auf das Leben nach dem Sport vorbereiten. Und in Deutschland geht vieles nur über Abschlüsse. Ein Universitätsabschluss ist schon etwas Besonderes und öffnet mir mehr Türen.“

Auf drei Jahre ist der Studiengang angelegt. „Das wird für mich schon sehr hart“, weiß Christ. „Aber ich mache mich nicht verrückt. Gut möglich, dass ich ein Jahr länger brauche. Denn Eishockey bleibt meine Nummer eins. Und mein eigener Anspruch ist es, Sport und Studium ordentlich zu absolvieren.“

Die Kosten von knapp 500 Euro pro Monat trägt er überwiegend selbst. „Mich unterstützt Bernd Vogel von Geofennel dabei“, erklärt Christ. Nicht möglich wäre sein Studium auch ohne die Unterstützung von Sylke Klapp (VW), Uni-Geschäftsführer Claus Umbach und Studienjahrgangsleiter Matthias Obinger. Unter den mittlerweile mehr als 50 Studierenden ist Christ ein Exot, sein Studium ein Pilotprojekt. Denn er ist der erste Profisportler, der sich immatrikuliert hat. Angedacht ist, dass künftig jüngeren Eishockeyspielern am Standort Kassel mit der Möglichkeit eines Studiums eine zusätzliche Perspektive aufgezeigt werden kann. Der Studiengang ist dual angelegt: Das heißt, Christ Kommilitonen sind bei Fitnessstudios angestellt, die auch die Studienkosten tragen. Hinter ihm stehen die Kassel Huskies als Praxispartner. „Das bedeutet allerdings nicht, dass ich auch in den drei Jahren abgesichert bin mit einem Vertrag bei den Huskies“, sagt der Stürmer, der sich noch bedeckt hält, was seine sportliche Zukunft angeht.

„Das Studium ist fast wie ein Fernstudium angelegt“, erklärt Christ. Die Module umfassen das Spektrum von Marketing und Mitarbeiterführung bis hin zu Trainingslehre. „Wir können danach zum Beispiel ein komplettes Fitnessstudio leiten.“ Hinzu kommt eine viertägige Präsenzphase pro Monat im Studio in der Stettiner Straße in Baunatal – jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Besonders diese Tage hatten es für Christ in sich, dann, wenn freitags Auswärtsspiele in Bayern anstanden und das Team erst nachts zurückkehrte. „Samstags war ich um elf Uhr beim Training und um 14 Uhr in der Uni.“ Klausuren, die er wegen des Eishockeytrainings nicht mitschreiben konnte, hat er nachgeholt. Eine 1,0 hat er beispielsweise in Kontenführung und Rechnungswesen geschrieben.

Derzeit aber hängt er in der Luft. Die Uni ist geschlossen, ein Monat ist ausgefallen. Corona-Zeiten eben. Was er später mit dem Studium mal machen will? Noch unklar. „Der Michi von heute weiß noch nicht, was der Michi in drei oder vier Jahren macht.“ Fest steht nur: Auf jeden Fall erst einmal mal weiter Eishockey spielen und studieren.

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