Deutsche Eishockey-Liga

Ex-Husky Leo Conti erwartet heute grünes Licht von 14 Teams

08.12.2019, Bayern, München: Eishockey: DEL, EHC Red Bull München - Adler Mannheim, Hauptrunde, 25. Spieltag im Olympia-Eisstadion München. Spieler beider Teams kämpfen um den Puck. (Zu dpa „"Eine gewisse Normalität"? - Das Erstliga-Eishockey will zurückkehren“) +++
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Der Kampf um den Puck: Heute entscheidet die DEL über ihre Zukunft.

Sie werden es also versuchen, Deutschlands Eishockey-Topteams. Schon vor der finalen Videokonferenz heute scheint klar: Die DEL wird am 18. Dezember doch ihren Spielbetrieb aufnehmen.

Kassel/Augsburg - Auch Straubing, Iserlohn und Augsburg hatten kurzfristig zugesagt, die Saison in Angriff zu nehmen und auch dann wirtschaftlich überleben zu können, wenn es komplett ohne Zuschauer gehen müsste. Da lohnt ein Gespräch mit Leonardo Conti, Prokurist und Marketingleiter der Augsburger Panther. Das sagt der frühere Torwart der Kassel Huskies über:

Die DEL-Entscheidung: „Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass die Tendenz der letzten Tage heute bestätigt wird und wir in voller Stärke mit 14 Teams diese ’Coronasaison’ in Angriff nehmen werden.“

Die Wackelkandidaten: „Wir zählten ja auch dazu und sind stolz, die Kurve genommen zu haben. Auch die Kölner werden es schaffen, da bin ich sehr optimistisch. Und für Krefeld drücke ich alle Daumen. Schwenningen ist definitiv dabei, nach der Renovierung des Stadions sind sie im Schwarzwald heiß auf Eishockey. Für sie ist es besonders bitter, dass zunächst keine Fans zugelassen werden.“

Den Modus: „Mein Favorit ist eine Aufteilung in zwei Gruppen, Nord und Süd mit jeweils sieben Teams in einer Doppelrunde und somit 24 Spieltagen, plus eine Einfachrunde zur Verzahnung von Nord und Süd mit weiteren 14 Spieltagen. Wir müssen nicht 52 Spieltage durchprügeln, sondern haben interessante 38, haben Luft für Verlegungen und sparen Reisekosten.“

Die Playoffs: „Natürlich hoffe ich auch auf Playoffs. Aber ob sie nach der Hauptrunde möglich sein werden, können wir auch später entscheiden, wenn wir sehen, wie gut es läuft. Das ist beispielsweise auch abhängig davon, was mit der WM passieren wird.“

Leonardo Conti

Den Kraftakt: „Ja, es war und bleibt ein Kraftakt, diese Saison zu stemmen. Über allem steht der Wille: Wir müssen dabei sein. Ihn umzusetzen geht nur über Emotionen und Solidarität. Wie bei den Huskies in Kassel damals gibt es in Augsburg die Panther-Familie. Und die steht jetzt wirklich noch enger zusammen. Diese Nähe wird gelebt und macht unsere Teilnahme an der DEL möglich.

Wir wollten nicht um Hilfe schreien, solange es geht, sondern es als Profiklub aus eigener Kraft schaffen. Im Gegensatz zu den Kölner Haien haben wir keine spezielle Aktion ausgerufen. Die Fans sind sogar auf uns zugekommen, haben gefragt, wie sie helfen können. Am Ende verschieben mehr als 90 Prozent ihre gekauften Dauerkarten auf die Saison 2021/22 und gehen den Weg mit, nur eine Handvoll wollte Geld zurück. Die Sponsoren sind teilweise selbst gebeutelt, dennoch stehen sie zum AEV, und einige haben noch etwas draufgelegt, damit wir durchkommen. Und auch die Spieler sind uns finanziell noch einmal entgegengekommen.“

Das Risiko: „Natürlich bleiben auch noch einige Fragezeichen. Doch unsere Gesellschafter tragen das Restrisiko. Aber: Ich sehe auch jetzt gute Chancen, dass wir in den Medien neue Präsenz gewinnen können. In den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern mit Zusammenfassungen und Hintergrundberichten. Auch in den Livestreams kann es gelingen, neue Fans zu begeistern. Da könnte eine Kampagne der Telekom mit MagentaSport ansetzen, aber auch jeder Klub und die DEL als Liga kann sich fragen, was uns selbst Neues einfällt.“

Die Zahlen: „In einer normalen Saison liegt unser Budget bei rund sieben Millionen Euro. Jetzt fallen die Erlöse aus dem Kartenverkauf weg. Wir werden wohl insgesamt mit weniger als der Hälfte klarkommen müssen.“

Die Folgen: „Auch perspektivisch werden im Eishockey, das ohnehin gegenüber Fußball und Handball einen Nachteil hat wegen der hohen Betriebskosten, die Erlöse sinken – die Kosten aber auch. Das könnte eine interessante Perspektive ergeben für die Topklubs der DEL2 wie Kassel und Frankfurt. Deren Abstand zur DEL wird kleiner, sie nähern sich mit ihren Budgets der DEL ohnehin schon seit einigen Jahren an.
(Gerald Schaumburg)

Zur Person

Leonardo Conti (42) stammt aus Garmisch-Partenkirchen, begann bei den Schülern des Augsburger EV. Bei den Panthern debütierte der Torwart 1996/97 in der DEL, spielte danach in Kassel (1999/2000) als zweiter Mann neben Chris Rogles, in Frankfurt, Bad Nauheim, Ingolstadt, Straubing, Iserlohn, Ravensburg, Kaufbeuren und von 2009 bis 2013 wieder in Augsburg. Dort ist der Sportwissenschaftler nun Prokurist und Marketingleiter. Conti war verheiratet, hat zwei Kinder. (sam) 

Hintergrund: Zahlreiche Ex-Kasseler in der DEL: Von Berlin bis Straubing

In Augsburg ist „Leo“ Conti nicht der einstige Ex-Husky: Markus Keller (31 Jahre; in Kassel 2015 - 18) steht im Tor, John Rogl (24; 2017/18) verteidigt, Jamie Bartman (58; 1994/95, 2011/12) ist Co-Trainer und Ex-Stürmer Duanne Moeser (57; 1992/93) Sportmanager.

Weitere frühere Kasseler in der DEL:

Berlin: Stéphane Richer (54; 2006 - 10) Sportmanager; Sebastian Elwing (40; 2006 - 09) Torwart-Trainer

Düsseldorf: Niki Mondt (42; 1998 - 2000) Sportmanager; Thomas Dolak (41; 1998 - 2000) Co-Trainer; Daniel Kreutzer (41; 1998 - 2002) Leiter Spielerbeobachtung

Iserlohn: Christian Hommel (39; 2004/05) Sportmanager

Mannheim: Mike Pellegrims (52; 2006 - 09); Co-Trainer; Sven Valenti (45; 2001 - 07, 11 -18) Trainer U20

Köln: Ron Pasco (48; 1999/2000) Co-Trainer; Torsten Pfennig (37) Finanzen/Organisation

Schwenningen: Gunnar Leidborg (65; 2002/03) Co-Trainer

Straubing: Rob Leask (49; 14/15) Co-Trainer. (sam)

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