Vier kanadische Angreifer, drei mit DEL-Erfahrung, junge Adler aus Mannheim und eine alte neue Identifikationsfigur

Die neuen Hoffnungsträger der Kassel Huskies

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Die vier nordamerikanischen Hoffnungsträger: (von links) Jamie MacQueen, Braden Pimm, Jean-Michel Daoust und Taylor Carnevale.

Kassel. Neue Spielzeit, neue Gesichter: So lautet vor dem ersten Bully in der Deutschen Eishockey-Liga 2 am Freitag die Devise bei den Kassel Huskies.

Beim ersten Heimspiel ab 19.30 Uhr gegen die Löwen Frankfurt sind zwei Publikumslieblinge der vergangenen Saison nicht mehr dabei.

Topscorer Mike Collins, der nun bei den Krefelder Pinguinen in der DEL spielt, und Torhüter Mika Järvinen, der nun beim finnischen Erstligisten Vasa zwischen den Pfosten steht, haben Kassel verlassen. Doch es gibt neue Huskies, die in ihre Fußstapfen treten sollen.

Die vier Ausländerplätze haben Manager Joe Gibbs und Trainer Rico Rossi anders als im Vorjahr nun ausschließlich mit Stürmern besetzt: Neu im Team sind Jamie MacQueen, Braden Pimm, Jean-Michel Daoust und Taylor Carnevale. Bei den deutschen Neuzugängen stößt viel DEL-Erfahrung zum Team. Erste Wahl im Tor ist Markus Keller, der zuletzt in Augsburg spielte. Aus München kommt Stürmer Thomas Merl, aus Straubing Verteidiger Sören Sturm. Der Deutsche Meister und Kooperationspartner Mannheim schickt vier Talente, die dem Huskies-Kader Tiefe verleihen. Und mit dem neuen Co-Trainer Hugo Boisvert ist eine Identifikationsfigur zurück in Kassel. Hier stellen wir die neuen Hoffnungsträger der Huskies vor.

Sie betreten Neuland

Sie betreten Neuland: Braden Pimm und Jean-Michel Daoust gehen erstmals in der DEL2 aufs Eis. Ahle Wurscht ist ihnen noch kein Begriff, aber den Weg zur Eissporthalle finden sie schon ohne die Hilfe des Navigationssystems.

Braden Pimm 

Wer als guter Freund des letztjährigen DEL2-Topscorers und auf dessen Empfehlung hin nach Kassel kommt, wer noch dazu ähnliche Statistiken aufzuweisen hat wie Mike Collins, der wird zwangsläufig mit ihm verglichen. „Für mich ist es eine Herausforderung, diesen Vergleich anzunehmen. Wir haben, als wir gemeinsam im Junior-Team gespielt haben, einen Wettstreit ausgetragen, wer mehr Punkte erzielt“, sagt Braden Pimm und lacht. „Mike hat zum einen nur Gutes über Kassel erzählt. Deshalb war es ein Kinderspiel, hier zuzusagen. Und ich hatte mir immer vorgenommen, den Schritt zu gehen, sollte sich die Gelegenheit ergeben, übers Eishockey die Welt kennenzulernen.“ Kassel ist die erste Europa-Station des Kanadiers. Er ist 25 Jahre alt, Single, hat einen Universitätsabschluss in Kriminalistik, Berufserfahrung in der Öl- und Gas-Industrie und ist gespannt auf Deutschland. „Viel auf Deutsch sagen kann ich leider noch nicht, aber ich will die Sprache lernen“, erklärt er. „Bis dahin schaue ich Kinofilme lieber noch auf Englisch.“

Eine besondere Herausforderung sei das Autofahren, verrät er. Nicht etwa, weil er eine schlechte Orientierung habe. „In meiner Heimat fährt jeder einen dicken Pickup. Ein BMW wäre dort ein kleines Auto, hier ist es großer Wagen. Das Fahren ist eine Umstellung.“

Jean-Michel Daoust

Auch beim Franko-Kanadier Jean-Michel Daoust halfen Tipps ehemaliger Kasseler bei der Entscheidung. „Ich kenne nicht nur Coach Rico Rossi von früher, sondern habe im vergangenen Jahr auch mit Josh Soares in Stavanger zusammengespielt“, sagt er. Soares war in der DEL-Saison 2009/10 Kasseler Publikumsliebling. „Aus meiner Zeit in Straubing weiß ich auch, wie familienfreundlich Deutschland ist. Kassel ist ein guter Ort, um unser zweites Baby zu bekommen, das im April geboren wird.“

Die Familie ist der Lebensinhalt des 31-Jährigen. „Ich habe parallel zum Eishockey über Online-Kurse meine Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer gemacht. Deshalb genieße ich jetzt jede Minute mit Frau und Kind“ , sagt Daoust, den alle nur „JM“ nennen.

Wohl auf keinen anderen Husky trifft das Prädikat Weltenbummler so gut zu. Mit 28 Jahren erst kam er nach Europa. „Ich habe den Sprung in die NHL nicht geschafft und mich für Europa entschieden. Ich habe es nicht bereut.“ Er spielte in Straubing, Graz, Stavanger (Norwegen) und nun in Kassel. „Ich mag den Lebensstil hier. Es ist ruhiger als in den USA.“

Mit Braden Pimm verbindet ihn nicht nur das Ziel, die Huskies nach vorn bringen zu wollen. „Ich will meine Erfahrung einbringen und dem Team als Führungspieler helfen.“

Sie kennen die Liga

Wieder DEL2, doch in dieser Saison ist der Arbeitgeber ein Neuer: Jamie MacQueen und Taylor Carnevale kennen die Liga, haben die deutsche Küche schon schätzen gelernt und wollen natürlich am Ende der Saison mit den Huskies ganz oben stehen.

Jamie MacQueen

Der 27. September könnte für den 27-Jährigen gleich ein doppelter Feiertag werden. Dann nämlich, wenn der Sohn von Jamie MacQueen und Ehefrau Melissa an jenem angestrebten Geburtstermin zur Welt kommt und die Huskies am Abend noch im Hessenderby gegen Bad Nauheim gewinnen. „Wenn unser Baby dann wirklich geboren werden sollte, wird es mit dem Spiel aber schwierig“, sagt der Kanadier.

Jamie MacQueen hat eine überragende vergangene Saison in Crimmitschau gespielt, schoss in 48 Spielen 33 Tore und gab 39 Vorlagen. Beim 7:5 gegen Kassel traf er allein dreimal. „Da habe ich gesehen, dass die Huskies ein starkes Team haben. Die Entscheidung für einen Wechsel ist dann im Juli gefallen“, sagt MacQueen, der nicht selten Scherze über sich ergehen lassen muss. „Ja, den Schauspieler Steve McQueen kenne ich natürlich. Unser Nachname wurde übrigens vor langer Zeit auch mal genau so geschrieben“, erinnert er sich.

Der College-Absolvent aus der Nähe von London in Ontario liebt das Fischen und Golfen. Die Entscheidung, nach Europa zu gehen, hat er gemeinsam mit seiner Frau getroffen. „Wir waren noch nie hier, aber es gefällt uns richtig gut. Auch wenn es gerade beim Autofahren so viel enger ist“, sagt Jamie MacQueen, der sich an Schnitzel und Currywurst schon bestens gewöhnt hat. „Kassel ist eine schöne Stadt – und sehr viel größer als Crimmitschau. Da kann man auch mal was unternehmen und braucht nicht die ganze Zeit in der Wohnung zu bleiben“, erklärt der Kanadier, dessen Vorbilder die NHL-Größen Steve Yzerman, Joe Sakic, Pavel Datsyuk und Sidney Crosby sind.

Taylor Carnevale

Auch er ist kein Unbekannter. Zusammen mit Vater und Trainer Frank stand Taylor Carnevale in der Saison 2013/2014 beim EC Bad Nauheim unter Vertrag. In 45 Spielen brachte es der Italo-Kanadier auf 51 Punkte. Ein Jahr später hatte er schon bei den Löwen Frankfurt unterschrieben, doch daraus wurde am Ende nichts. Zuletzt war Carnevale beim HC Bozen aktiv. „Und jetzt bin ich in Kassel. Ich weiß also, was es bedeutet, Hessenderbys zu spielen. Diese Spiele, wo die Fans komplett ausrasten, werden mich am meisten motivieren.“

Der 24-Jährige stammt aus der Nähe von Toronto, liebt aber den europäischen Lebensstil. „Vor allem wollte ich zurück in die DEL2. Und Kassel ist ein Top-Team, das hohe Ziele verfolgt. Dazu will ich meinen Teil beitragen“, sagt Carnevale, der sich viele Eishockeyspiele im Fernsehen zwecks Videostudium anschaut. Und einen Tipp in eigener Sache hat er dann auch noch: „Ich bin Single. Wer mich kennenlernen will, findet mich bei Instagram.“

Beim Saisonauftakt am Freitag gegen Frankfurt sind wir live dabei: Wir übertragen die Partie ab 19.30 Uhr in voller Länge bei Radio HNA, außerdem gibt es einen Liveticker.

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