Matthias Kolodziejczak im Interview

Neuer Chef der Eishockey-Jugend Kassel: „Wir wollen zusammenwachsen“

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Stabwechsel bei der Eishockey-Jugend Kassel: Der neue Vorsitzende Matthias Kolodziejczak mit seinem Vorgänger Franz X. Spachtholz und seinem Stellvertreter Manuel Klinge (von links).

Zum ersten Mal führt ein Ex-Profisportler die Eishockey-Jugend Kassel: Matthias Kolodziejczak, der sechs Jahre lang das blau-weiße Trikot getragen hat und  noch einmal mit 48 Jahren in zwölf Spielen. Kurz vor dem Beginn der nächsten Eiszeit sprachen wir mit ihm. 

Sein Vorgänger dem Nachfolger von Franz X. Spachtholz hatte den Amateurverein mit heute fast 400 Mitgliedern vor vier Jahren in wirtschaftlichen schweren Zeiten übernommen und konsolidiert, geht nun aber aus beruflichen Gründen nach Kanada.

Herr Kolodziejczak, Sie kamen als Spieler, packten in der Talentförderung an, sind bis heute Trainer. Und nun auch noch Vorsitzender. Wie kam’s?

Matthias Kolodziejczak: Ich bin von mehreren Seiten angesprochen worden. Nach einer Bedenkzeit und vielen Gesprächen mit den Entscheidungsträgern bei den Huskies, der Stadt Kassel und Sponsoren, sowie dem Rückhalt meiner Familie habe ich gemerkt, es geht in die richtige Richtung. Die Zusammenstellung des Vorstandes sowie eines guten Teams im Hintergrund haben mich dazu bewogen, zuzusagen. Allen liegt unser Verein am Herzen und ich spüre, dass sie mit uns an einem Strang ziehen wollen. Bei Gegenwind können wir nichts bewegen.

Drei Jahrzehnte ein Leben im und für das Kasseler Eishockey. Warum liegt es Ihnen so am Herzen?

Kolodziejczak: Eishockey hat mein Leben sehr geprägt, hat mir in Kassel eine zweite Heimat und eine Familie gegeben. Und mit den grauen Haaren ist die Zeit gekommen, nun in der Administration etwas an Jüngere zurückzuzahlen.

Drei Jahrzehnte auch, in denen sie Verein, Halle und Umfeld genau kennenlernten. Worauf bauen sie auf?

Kolodziejczak: Auf eine gesunde Infrastruktur, die unsere Vorgänger geschaffen haben. Auf eine wirtschaftlich und sportlich solide Basis.

Drei Jahrzehnte aber auch, nach denen Sie etwas ändern wollen?

Kolodziejczak: Wir müssen und wollen nicht viel ändern. Unser größter Wunsch ist, dass endlich die zweite Eisfläche geschaffen wird. Für mehr und bessere Eiszeiten, um noch mehr Kinder begeistern zu können. Für einen eigenen Kabinentrakt zur Lagerung der großen, sperrigen Ausrüstung. Für eine Gleichstellung in der öffentlichen Förderung mit anderen Sportarten, deren Plätze und Hallen von der Gesellschaft finanziert werden. Wir möchten die EJK wirtschaftlich breiter aufstellen. Alles zusammen würde auch die Eltern deutlich entlasten.

Die EJK hat viele tolle Talente hervorgebracht. Bei allem Engagement von Eltern, Ehrenamtlichen und Trainern setzen aber die Finanzen und die noch immer fehlende zweite Eisfläche enge Grenzen. Was tut sich auf beiden Gebieten?

Kolodziejczak: Unser Haushalt steht, und wir haben keine Schulden. Zur zweiten Eisfläche kann ich derzeit nichts sagen, Joe Gibbs, Simon Kimm und die Stadt sind nach meinem Wissen in Gesprächen.

Die Eisporthalle ist Ihr zweites Wohnzimmer. Einen Architekten muss man fragen: Wie kann sie modernisiert werden?

Kolodziejczak: Da gibt es eine Reihe guter Beispiele, die man sich ansehen kann. In Dresden beispielsweise steht neben einer großen Multifunktionshalle ein dreigeschossiges Gebäude mit Kabinen und Wirtschaftsräumen im Keller, einer Eisfläche im Erdgeschoss und einer Sporthalle darüber.

Nun ist Ihr Stellvertreter im EJK-Vorstand ein weiterer Profisportler, Manuel Klinge. Auch Chefcoach Milan Mokros, Wirtschaftsrat Paul Sinizin und EJK-Sprecher Sascha Schardt kommen vom Eis. Bringt das Verein und Huskies – also Amateure und Jugend sowie Profis – näher zusammen?

Kolodziejczak: Ja. Die Zusammenarbeit war ohnehin schon eng in den letzten Jahren. Aber wir wollen das noch ausbauen und weiter zusammenwachsen. Mit Joe Gibbs habe ich zwei Jahre lang in Braunlage zusammen gespielt früher. Das verbindet. Wir wollen das Miteinander, wir haben doch alle dasselbe Ziel: Jugendliche so gut ausbilden, dass sie es zu den Profis schaffen können. Unser Erfahrungsschatz als Sportler hilft natürlich, wenn wir den Nachwuchs in Sport und Ausbildung begleiten wollen.

Talentförderung kostet die Profis aber viel Geld. Mehr als Ihnen lieb war. Gibt es da ein Umdenken bei den Huskies?

Kolodziejczak: Ein Umdenken ist da nicht nötig. Simon Kimm hat viel für den Nachwuchs gegeben und investiert - viel mehr als Herzblut. Und mit Joe Gibbs lebt das weiter, er ist aufgeschlossen und unterstützt uns. Wir versuchen, den Profis kontinuierlich gute Talente zuzuführen. Manuel Klinge und die anderen Kasseler Jungs kommen in die Jahre. Da muss etwas nachkommen im erfolgreichen Kasseler Modell.

Zur Person: Matthias Kolodziejczak (56) ist im Harz geboren. Vom WSV Braunlage kam der Stürmer 1985 mit 23 schon als Diplom-Ingenieur Architekt nach Kassel, um Eishockey zu spielen. Bis 1991 spielte der Dauerläufer und Kämpfer bei ESG und ECK Oberliga und 2. Liga mit einer Pause von 20 Spielen in Nürnberg (1988), dann noch einmal bei den Huskies Hessenliga 2010/11 bis zu einem Mittelfußbruch. Zuletzt hat der das Amateur-Team der 89ers in der Hessenliga betreut. Sein Trikot mit der Nummer 14 wird nach 291 Spielen für die Huskies nicht mehr vergeben und hängt als Banner in der Eissporthalle. Er arbeitet im Hochbau- und Gebäudebewirtschaftungsamt der Stadt Kassel, seit 1991 ist er verheiratet mit Heike. Beide melden sich amTelefon zur Vereinfachung mit dem Rufnamen „Kollo“. Kolodziejczak stammt übrigens aus dem Polnischen und bedeutet so viel wie Radmacher. Ihr Sohn Timm (23) spielt Eishockey in Rostock und studiert dort Medizintechnik. 

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