Kasseler Eishockey-Talent Louis Trattner verletzt sich kurz vor den Playoffs schwer

Not-OP nach tiefem Schnitt

Hier noch auf dem Eis: Das Bild von Louis Trattner im Spiel gegen Chemnitz stammt aus dem Dezember 2016. Foto:  Fischer/nh

Kassel. Durchsucht man die gängigen Datenbanken nach einem Eishockey-Zitat, stößt man immer wieder auch auf einen Ausspruch von NHL-Spieler Bernie Johnston: „Wenn es keine Toten und Verletzten gibt, dann sind es auch keine Playoffs“, wird die kanadische Eishockey-Legende zitiert. Verletzte hatte die Eishockeyjugend Kassel (EJK) beim Endturnier um die Deutsche Meisterschaft in Bietigheim am vergangenen Wochenende leider einige zu verzeichnen.

Während die drei anderen Teams mit vier kompletten Sturmreihen auflaufen konnten, war die Mannschaft von Jürgen Trattner und Milan Mokros mit nur vierzehn zum Teil angeschlagenen Spielern - angetreten. Im Halbfinale unterlagen die Young Huskies mit 2:6 gegen Füssen, im Spiel um Platz drei gegen Weißwasser zogen sie mit 1:7 den Kürzeren. Dabei war Trattners Sohn der größte Pechvögel.

Rückschau: Es ist Mitte Februar. Louis Trattner spielt mit den Hannover Scorpions, für die er mit einer Förderlizenz ausgestattet ist, im Stadt-Derby gegen die Indians. Einen Tag vorher hat er neue Schlittschuhe bekommen. Die Zunge ist zwei Zentimeter kürzer als bei den alten Schuhen und soll ihm zum Verhängnis werden. Zweikampf. Ein Gegenspieler rutscht ihm mit der Kufe über den Fuß. Ein tiefer Schnitt. Blut. Schmerzen. Bänder, Sehnen und eine Vene sind durch. Not-Operation noch in der Nacht. Einen Tag vor seinem 19. Geburtstag.

Louis ist frustriert. Die Saison ist für ihn gelaufen – und das kurz vor den Playoffs mit der Kasseler DNLII-Mannschaft. Wieder einmal: Schon im vergangenen Jahr fiel er in den Playoffs aus, weil sein Schlüsselbein gebrochen war. Sechs Wochen vor der neuen Verletzung musste sein Ohr nach einem Puck-Treffer mit 22 Stichen genäht werden. „Meine Laune war am Tiefpunkt“, sagt der Stürmer. „Ich wusste gar nicht, ob ich wütend, sauer oder traurig sein sollte.“ An seinem Geburtstag holte Vater Jürgen ihn in Hannover im Krankenhaus ab, brachte ihn nach Witzenhausen in die Heimat. Sechs Wochen darf Trattner den Fuß nun gar nicht belasten, ab kommender Woche beginnt die Reha. „Ich hoffe, dass ich dann im Sommer eine ganz normale Saison-Vorbereitung machen kann“, sagt er.

Mit drei Jahren stand er in Hamburg zum ersten Mal auf dem Eis. Vater Jürgen war dort als Stürmer aktiv. Später spielte Louis dann für die Wedemark Scorpions, bevor er mit neun Jahren zur EJK wechselte. Vater Jürgen beschreibt ihn als „ehrgeizigen, absolut disziplinierten Spieler“. Bevor er einen eigenen Führerschein hatte, fuhr er sechs Jahre lang mit Zug und Fahrrad mehrfach in der Woche nach Kassel zum Training. Das Endturnier in Bietigheim verfolgte Louis, der momentan eine Ausbildung zum Papiertechnologen absolviert, am Live-Ticker. „Beim Viertelfinale war ich noch bei den Jungs in der Kabine, aber diesmal brauchte ich dann doch ein bisschen Abstand.“ Foto:  privat

Von Carina Wagener

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