Dieses Silber schmeckt wie Gold

Warum ein zweiter Platz der deutschen Eishockeyspieler die olympischen Spiele überstrahlt

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Auch Platz zwei ist richtig lecker: Der deutsche Torhüter Danny aus den Birken (links) beißt herzhaft zu. Rechts schaut Yannic Seidenberg stolz auf das, was er da in den Händen hält.

Natürlich können wir ganz am Ende dieses unglaublichen olympischen Eishockeyturniers sogar noch hadern. Über diesen Fluch der letzten Sekunden.

Russlands Führungstor im ersten Drittel, als die Uhr unglaubliche 0,5 Sekunden Restspielzeit anzeigt. Und dann über diesen Ausgleich, als die deutsche Mannschaft das Gold fast schon in den Händen hält. Eine eigene Überzahl, ein Puckverlust an der Blauen Linie, der Ausgleich 55 Sekunden vor dem Ende.

Ja, Gold war möglich. Die größte Sensation des olympischen Eishockeys war keine Utopie. Am Ende aber bleibt: Dieses Silber schmeckt wie Gold. Weil es eine Medaille war, mit der niemand rechnen konnte. Und weil wir Zeuge wurden, wie eine Mannschaft zusammenwuchs. Wie sie sich stetig steigerte. Wie sie Großes vollbrachte.

Die Faszination der Spiele, sie liegt ja vor allem auch im Unerwarteten. Natürlich freuen wir uns über die Dominanz der Kombinierer. Wir erliegen der Faszination eines Eiskunstlauf-Paares. Wir strahlen mit Andreas Wellinger über ein Gold, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war. Die Spiele in Südkorea sind mit den Leistungen der deutschen Sportler Tag für Tag gewachsen, haben Tag für Tag mehr Platz eingenommen in unserem Alltag, der in seinem Rhythmus eigentlich nicht passte zum Zeitplan der Wettkämpfe. Doch trotz dieser Flut an großartigen Leistungen, trotz der unfassbaren Zahl an goldenen Medaillen ist es am Ende ein zweiter Platz der Eishockeyspieler, der diese Spiele überstrahlt.

Die Faszination der Spiele liegt vor allem im Unerwarteten.

Warum das so ist? Weil uns diese Mannschaft Stück für Stück, Spiel für Spiel mehr in ihren Bann zog. Bundestrainer Marco Sturm und seine Spieler haben gezeigt, was möglich ist, wenn der Zusammenhalt, wenn die Gemeinschaft stimmt. Das Team nahm den Geist auf, den sein Trainer vorlebte. Ruhe bewahren. Entschlossenheit zeigen. Konzentration hochhalten. Und immer wieder: füreinander da sein. Das Eishockey ist wie geschaffen für solche Geschichten. Weil es von ungeheurer Intensität lebt. Von einer faszinierenden Mischung aus Tempo und Härte, aus Spielwitz und Disziplin. Jeder, der einmal eine Playoff-Serie gesehen hat, kennt das.

Natürlich, sie haben auch die Gunst der Stunde genutzt, weil Amerikaner, Kanadier, Russen auf ihre NHL-Stars verzichten mussten. Aber auch das ist ja eine Kunst: Da zu sein, wenn die Chance da ist. Sie entschlossen zu nutzen. Das Turnier begann mit zwei Niederlagen. Finnland und Schweden. Das war erwartbar. Dann nahm das Unerwartbare seinen Lauf. Ein Sieg im Penaltyschießen gegen Norwegen. Ein Sieg in der Verlängerung gegen die Schweiz. Die nächste Verlängerung gegen Schweden, der nächste Erfolg.

Dann das Halbfinale gegen Kanada, das Deutschland endgültig in die Eishockey-Begeisterung stürzte. Dieses 4:3 für die Geschichtsbücher, das doch noch fast getoppt wurde. Auch gegen die übermächtig erscheinenden Russen trat die Mannschaft als kampfstarke Gemeinschaft auf, die Defensive lebte ohne die Offensive zu vernachlässigen. Die auch spielerisch überzeugte. Die zweimal hinten lag und zurückkam. Die tatsächlich den Sieg fast schon ins Ziel gebracht hatte.

Das Happy End fehlte. Doch keine Frage: Dieses Silber schmeckt wie Gold!

In unserem Ticker können Sie das Spiel noch einmal nachlesen.

Der Medaillenspiele: Deutscher Gold-Rekord in Pyeongchang

Bei Olympia 2018 in Pyeongchang sind alle Wettbewerbe entschieden. Für Deutschland gab es einen Gold-Rekord in Pyeongchang. Hier finden Sie denfinalen Medaillenspiegel zu den olympischen Winterspielen in Südkorea.

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