Eishockey

Huskies-Stürmer Ryan Olsen: Oma Ilse backte ihm Streuselkuchen

Eishockey, DEL2, Kassel Huskies - Bayreuth Tigers 6:2. Stürmer Ryan Olsen (rechts) blickt gemeinsam mit Bayreuths Moritz Schug dem Puck hinterher.
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Ist in Kassel angekommen: Huskies-Stürmer Ryan Olsen (rechts) blickt gemeinsam mit Bayreuths Moritz Schug dem Puck hinterher. Die Huskies sind heute beim Tabellendritten Bietigheim zu Gast.

Jetzt ist er so richtig angekommen. Ryan Olsen hat sich nach Startschwierigkeiten bei den Huskies reingebissen. Auch heute, wenn der Kasseler Eishockey-Zweitligist in Bietigheim antritt, gehört er wieder zum Team, wartet aber weiterhin auf seinen deutschen Pass.

Beim 5:0-Erfolg gegen Kaufbeuren vor zehn Tagen traf der Kanadier zum 1:0, bereitete ein Tor vor und wirkte spielfreudig wie selten zuvor. Darauf hofft das Team auch an diesem Wochenende, wenn die beiden nächsten Eishockey-Spitzenspiele anstehen: heute ab 20 Uhr gastieren die Kasseler als Tabellenführer Kassel beim Dritten, den Bietigheim Steelers; am Sonntag dann kommt um 17 Uhr der Vierte in die Eissporthalle, die Tölzer Löwen.

Anfangs war Olsen anzumerken, dass die im Vergleich zu Nordamerika größere Eisfläche eine ziemliche Umstellung ist. Und im Dezember bremste ihn dann auch noch eine Kopfverletzung aus. Nun ist er zurück – und wie. „Ich habe zehn Spiele gebraucht, um mich an die Eisfläche zu gewöhnen. Das denkt man erst einmal gar nicht, aber man hat doch deutlich mehr Raum auf dem Eis, den man decken muss“, erzählt Olsen. Zuletzt lief es besser, vor allem an der Seite von Nathan Burns und Lois Spitzner zeigte er sein Können. „Zwischen uns stimmt die Chemie“, sagt Olsen.

Der gebürtige Kanadier ist momentan neben Corey Trivino, Philippe Cornet, Troy Rutkowski und Brett Cameron noch einer von fünf Ausländern im Kader der Huskies. Noch? Ja, denn Olsen wartet auf seinen deutschen Pass. Die Großeltern, Werner und Ilse Schmidt, zogen einst nach Vancouver, seine Oma hat noch immer die deutsche Staatsangehörigkeit. „Sie sprechen zuhause mehr Deutsch als Englisch und haben der Familie viel von der deutschen Kultur mitgegeben“, erzählt Olsen. Er kenne beispielsweise deutsches Essen schon seit Kindheitstagen – „Schnitzel und auch Streuselkuchen“. Olsen selbst hat mit der deutschen Sprache noch Probleme: „Aber ich möchte mehr lernen, sobald Corona es zulässt.“ Sein Vater habe ihn auch schon gefragt, ob er deutsche Tugenden bei sich selbst entdeckt habe – „ja, da gibt es schon sehr viele Ähnlichkeiten. Ich möchte auch herausfinden, wo meine Familie herkommt“, erzählt der 26-Jährige.

Bei der Eingewöhnung im neuen Zuhause hat er viel Hilfe von seinen Mitspielern bekommen. „Es ist total familiär hier, alle waren für mich da. Denis Shevyrin hat mir viel geholfen. Und Lukas Laub, den ich kenne, weil er mit meinem Freund Jaedon Descheneau in Düsseldorf gespielt hat. Die Familie von Jerry Kuhn hatte mich an Weihnachten eingeladen.“

Weil in der DEL2 nur vier Ausländer pro Spiel mitwirken dürfen, muss einer der fünf Kanadier momentan immer mal pausieren. „Wenn es einen gesunden Konkurrenzkampf gibt, ist das okay. Wer gut spielt und trainiert, ist auch in den Partien dabei“, so Olsen. Das sieht auch Trainer Tim Kehler so: „Der Konkurrenzkampf unter den Ausländern tut der gesamten Mannschaft gut.“ In den vergangenen Partien musste Cameron nach einer Verletzung von der Tribüne aus zuschauen – die anderen vier gehörten zu den besten Kasselern.

Jedoch könnte sich das schon bald ändern – wenn Olsen seinen deutschen Pass bekommt. „Die Unterlagen sind alle beisammen, es ist nur eine Frage der Zeit. Die Behörden sind aber verständlicherweise momentan auch mit anderen Themen belastet“, sagt Kehler.

Und Olsen hat noch einiges vor mit seinen Huskies: „Ich möchte ein Top-Torjäger werden und mit Kassel in die DEL aufsteigen. Ich habe 2018 mit den Colorado Eagles in der ECHL den Titel gewonnen – es wäre etwas Besonderes, auch hier Meister zu werden.“ Er hofft, dass bald auch wieder Zuschauer dabei sein können: „Ich habe wirklich gute Sachen über die Fans hier gehört. Ich denke, sie würden meine Art mögen, mit viel Energie zu spielen.“

Genau diese Energie wird heute wieder gebraucht – wenn die Huskies ihre Siegesserie in Bietigheim auf elf ausbauen möchten. (Björn Friedrichs)

ZUM SPIEL:
Heute Breitkreuz-Bruderduell im Kräftemessen der beiden Aufstiegsaspiranten

Die Statistik: Zum dritten Mal in dieser Saison kreuzen die DEL-Aspiranten Huskies und Steelers schon die Klingen - erstmals in Bietigheim. 2:4 verloren die Kasseler das erste Testspiel, 3:1 gewannen sie nach Toren von Joel Keussen (2) und Ex-Steeler Lukas Laub den Punktekampf.

Das Bruderduell: Rechtsaußen Clarke Breitkreuz (29) fordert seinen älteren Bruder Brett (31, Linksaußen) zum direkten Duell heraus. Der rangiert mit acht Toren und fünf Vorlagen mit 13 Scorerpunkten an sechster Stelle der Steelers-Rangliste. Der Kasseler Clarke hat elf Scorerpunkte gesammelt (4+7), steht aber in der Plusminus-Wertung mit +11 gegenüber -3 als offenkundig deutlicher besserer Teamplayer da.

Die Unterschied-Spieler: Inzwischen 36 Jahre alt, ist Matt McKnight (12+12) nicht nur Topscorer der Steelers, sondern seit 2013 insbesondere auch Kopf und Seele des Bietigheimer Spiels – insbesondere im sensationellen Powerplay mit 32,8 Prozent Erfolgsquote. Ihm folgen mit C. J. Stretch (7+15) ein weiterer Routinier und mit Riley Sheen (8+11) ein starker Allrounder. „Er hat im letzten Duell gefehlt und wird nun wie seine Kollegen hungrig darauf sein, uns zu besiegen“, weiß Huskies-Trainer Tim Kehler.

Das Personal: Kehler erwartet die Steelers mit voller Kapelle, „viel Tempo und viel Talent in der Offensive“. Neun Tore zuletzt gegen Landshut beim 9:4 seien deutliches Zeugnis dieser Klasse. Aber auch er hat personell einige Möglichkeiten und will daher erst kurz vor dem Spiel über die genau Besetzung entscheiden. Nur soviel verrät er: „Im Tor wird heute Leon Hungerecker beginnen, und Ryan Olsen steht erneut im Team.“ (sam)

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