Eishockey

Powerbreaks in der DEL2 – nervig, aber notwendig?

Im Prinzip hat er drei Auszeiten mehr pro Spiel: Trainer Tim Kehler nimmt Einfluss auf die Huskies.
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Seit einem Monat gibt es im Eishockey pro Drittel eine Werbepause. Doch die "Powerbreaks" sind von den Fans verpönt. Eine Zwischenbilanz zwischen nervig und notwendig. 

Die meisten Fans sind genervt, etliche reagieren mit Pfiffen. Die Trainer nehmen sie an als Neuerung, mit der sie angesichts der Ursprünge im Eishockey-Mutterland leben können (müssen). Tatsächlich aber beeinflussen die als „Powerbreaks“ bezeichneten zusätzlichen Werbepausen in jedem Drittel den Sport mitunter doch deutlich. Ja, sie können sogar Spiele mit entscheiden. Die Stimmungslage:

Der Ligenleiter

„Auch wenn in allen Hallen zu spüren ist, dass diese Neuerung bei den Fans nicht auf Begeisterung stößt, so werden wir uns alle doch daran gewöhnen müssen“, sagt René Rudorisch. Der DEL2-Geschäftsführer betont, dass die von den Zeitnehmern vor Ort geschalteten Powerbreaks „mit deutlicher Mehrheit von den Klubs gewünscht und eingeführt wurden, um weitere Einnahmequellen zu erschließen“. Von den Erlösen profitiere die DEL2 primär nicht. „Wir werden das nicht ausbauen, eine Pause pro Drittel reicht. Mehr geht nicht.“

Fakt ist, dass die Werbepausen für alle Klubs Pflicht sind, um einheitliche Spielabläufe zu gewährleisten. „Auch wenn bisher noch nicht alle Klubs die 90 Sekunden für Werbung oder Aktionen nutzen.“ Bei Sprade-TV allerdings gebe es erste gute Ansätze.

Der Huskies-Chef

In einem ähnlichen Stadium sind auch die Kassel Huskies noch. „Einige Sponsoren sind interessiert“, sagt Geschäftsführer Joe Gibbs. Grundsätzlich sei es mit den Pausen wie immer, wenn etwas Neues auf Traditionelles stößt: „So etwas braucht Zeit, wird sich aber einspielen.“ Und: „Die Powerbreaks haben Vor- und Nachteile, sportlich können sie als zusätzliche Auszeit eine Hilfe sein.“

Die Spieler

„Für die Fans sind die Pausen blöd, für die Klubs sind sie wichtig, um noch professioneller werden zu können“, sagt Michi Christ. Und für ihn als Spieler? „Mich stören sie nicht, sie bringen mich auch nicht aus dem Rhythmus. Manchmal ist es ganz gut, einmal mehr durchatmen zu können.“ Grundsätzlich, da ist Kassels Allrounder sicher, „beeinflussen diese Pausen unseren Sport nicht.“

Die Fans

„Wir müssen die Powerbreaks hinnehmen, weil die DEL2 immer mehr der DEL angeglichen wird. Aber das steckt noch sehr in den Kinderschuhen“, erklärt Knut „Shorty“ Emde. Denn, so der zweite Vorsitzende des Fanclubs Dedelpower, „in der Kasseler Halle ist die Infrastruktur für besondere Werbung wie eine Videofläche oder ein Würfel nicht vorhanden.“ Emde empfindet die Pausen als weitere, zusätzliche Unterbrechung. „Und manchmal können sie echte Stimmungstöter sein.“

Als „nervig“ beschreibt Sven Breiter, Fanbeautragter der Huskies, die Neuerung. „Aber wir müssen in den sauren Apfel beißen, wenn wir nach Wegen suchen, den immer teurer werdenden Sport zu finanzieren.“

BEISPIEL: Pausen nach jedem Tor

Als Beispiel für den Einfluss der Werbepausen dient am 10. Januar das Heimspiel der Kasseler gegen Bayreuth, das 4:0 endet. Nach 8:17 Minuten trifft Justin Kirsch zum 1:0 der Huskies, die viel Druck machen. Doch der wird nur 43 Sekunden später jäh unterbrochen durch eine 90 Sekunden dauernde Werbepause. Auf dem Eis, in der Halle geschieht – nichts! Keine Reklame, keine Pausengaudi – nichts! Im zweiten Drittel sind 8:58 Minuten gespielt. Wieder treffen die Kasseler durch Richie Mueller. 2:0. Und was passiert 32 Sekunden später? Richtig: Powerbreak! Durchgang drei: Austin Carroll ist nach 7:05 Minuten zum 4:0 erfolgreich. Und 95 Sekunden später leuchtet wieder die rote Lampe auf. Werbepause, die dritte. „Heute war es ganz schwer, einen Spielrhythmus zu finden und zu halten“, sagte später Tim Kehler. Zumal in der ersten Pause ja auch noch eine (Bayreuther) Wasserflasche, die in die Technik der Maschine geraten war, die Eisbereitung um gut zehn Minuten verzögert hatte. Der Kasseler Trainer konstatierte daher damals: „Drei Spiele haben wir 2020 bestritten, dreimal hat der Gegner von den Pausen mehr profitiert als wir.“ Denn immer stoppten Powerbreaks die Kasseler Angriffswellen, das fremdbestimmte Ende einer Drangphase. Petri Kujala, Bayreuths Trainer, bestätigte den Vorteil für seine Mannschaft. „Grundsätzlich sind diese Unterbrechungen gut für alle Teams, die weniger Personal haben und so mehr Pausen zum Durchatmen bekommen. Auch für uns waren sie gut heute. Aber leider konnten wir auch das nicht nutzen.“

REAKTIONEN: "Für mich als Trainer sind Pausen perfekt"

Rico Rossi (Trainer Dresden): „Für mich als Trainer sind die Powerbreaks perfekt. Sie geben mir die Möglichkeit, den Topspielern mehr Pausen und dadurch mehr Eiszeit zu geben. So wird das Spiel noch attraktiver. Allerdings nützen sie den Mannschaften mit kleinem Kader mehr.“ Daniel Naud (Trainer Crimmitschau): „Es geht ums Geld, und das können alle Klubs gut gebrauchen. Für mich ist das okay, und was in NHL und DEL längst üblich ist, das wird auch bei uns zur Normalität. Ich als Trainer habe praktisch drei Auszeiten zusätzlich und so drei Möglichkeiten mehr, Einfluss zu nehmen auf die Spieler. Sie werden schnell lernen, fokussiert zu bleiben oder aber sich neu zu konzentrieren.“ Derek Dinger (Huskies--Verteidiger): „Ich sehe diese Pausen mit gemischten Gefühlen, denn es geht nicht um uns Sportler. Ich verstehe die Beweggründe der Klubs, sie einzuführen, aber ich brauche sie im ersten und zweiten Drittel nicht, um Luft zu holen. Allenfalls im dritten“. sam

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