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Er sagt Tschüss: Shane Tarves spielt zum letzten Mal für die Huskies

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Will sein letztes Spiel für die Huskies genießen: Shane Tarves Foto: Schachtschneider

Kassel. Abschied vom Eishockey? Nein, damit könne nicht er gemeint sein. Schließlich liege ihm doch ein Angebot des ERC Pohlheim vor. Hätte man Shane Tarves bei dieser Antwort gegenüber gestanden, so hätte ihn das Grinsen wohl sofort verraten.

Am Telefon aber gelingt es ihm kurzzeitig, Verwirrung zu stiften. Obwohl bei genauerem Nachdenken eigentlich klar ist, dass es nicht zum Kasseler Eishockey-Idol gepasst hätte, wenn er seine wiederbelebte Karriere außerhalb Nordhessens fortgesetzt hätte. Aber das Nachdenken erübrigt sich. Denn Tarves hat kein Angebot aus Pohlheim. Und auch wenn er die Schlittschuhe nicht auf den Dachboden verbannen wird: Er wird sie am Samstagnachmittag zum letzten Mal als ein Kassel Husky schnüren. Und damit endet gegen die Roten Teufel Bad Nauheim 1b (16 Uhr, Kasseler Eissporthalle) eines der ungewöhnlichsten Comebacks der Kasseler Sportgeschichte. Eines, das wie aus heiterem Himmel zu Stande kam, aber nicht nur deshalb außergewöhnlich ist.

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„Es ist für mich ein Deja-Vu-Erlebnis. Ich hätte nie damit gerechnet, nochmal zu spielen und nochmal abzutreten. Bevor ich mich allerdings noch einmal zu einem solchen Schritt entschließen würde, würde ich meinen Arzt zu den Risiken befragen. Denn es in dieser Saison ist einfach alles dabei: Euphorie und Stress, Freude und Leid“, fasst Tarves die vergangenen Monate zusammen. Der Hilferuf von Milan Mokros hatte den gebürtigen Kanadier im September erreicht. Im nicht mehr ganz jugendlichen Alter von 56 Jahren und fünf Monaten bat der Huskies-Trainer Tarves um Ungewöhnliches: Der Star von einst sollte zurück aufs Eis, mit seiner Erfahrung im jungen Hessenliga-Team der Huskies aushelfen, das nach dem DEL-Lizenzentzug der Huskies über Nacht zur ersten Mannschaft aufgestiegen war.

Tarves willigte ein. Kehrte zurück ins Training und in eine deutsche Liga. Trug seine Nummer drei, die seit seinem ersten Abschied aus Kassel 1992 nicht mehr vergeben worden war. Spielte, schoss Tore (acht bislang), war ruhender Pol und Publikumsliebling. Tausende kamen Woche für Woche in die Eissporthalle, viele nur, um ihr Idol noch einmal zu sehen. Damit ist nun Schluss. Diesmal endgültig. Ein wenig Wehmut ist ihm anzumerken, wenn er in der ihm so typischen bescheidenen Art sagt: „Es ehrt mich, mit dieser Mannschaft zusammengespielt zu haben. Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein.“

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Angst, die Aufmerksamkeit des Publikums zu vermissen oder gar an Eishockey-Entzug zu leiden, hat er nicht. „Für mich gibt es keinen Grund, weiterzumachen. Ich bin Realist genug“, sagt er. „Wir haben all das erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Toppen können wir diese einmalige Saison nicht. Ich freue mich auf die Zeit danach.“ Und die wird vor allem Ehefrau Christiane, Tochter Sina und Sohn Nick gehören. „Meiner Familie muss ich Danke sagen, sie hat mich zuletzt selten gesehen, aber immer unterstützt.“

Beim ersten Kassel-Abschied bekam Tarves ein Rasiergerät. Vielleicht gibt’s nun ja eine Dauerkarte für die Regionalliga-Saison. „Das wäre was“, sagt er und grinst. Der Oldie würde sich gern mit einem Tor verabschieden. 1992 erzielte er in seinem letzten Spiel sein 600. Tor für Kassel. Ein ebenso seltenes könnte ihm auch am Samstag gelingen: Die Huskies wollen die 250-Tore-Grenze knacken. Und vielleicht legen seine Mitspieler ja genau dieses Tor für ihn auf.

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