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Nach schwerer Verletzung in Selb: Darum konnte das Spiel nicht abgebrochen werden

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Von: Björn Friedrichs

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Die Spieler der Selber Wölfe saßen nach der schweren Verletzung ihres Mitspielers Max Gimmel im letzten Drittel geschockt auf den Knien. Ein Spielabbruch kam nicht in Frage, die Zeit lief deshalb runter.
Die Spieler der Selber Wölfe saßen nach der schweren Verletzung ihres Mitspielers Max Gimmel im letzten Drittel geschockt auf den Knien. Ein Spielabbruch kam nicht in Frage, die Zeit lief deshalb runter. © Mario Wiedel

Die schwere Verletzung von Selbs Eishockeyprofi Max Gimmel hat die DEL2 in Atem gehalten. Was war passiert – und warum konnte das Spiel gegen Ravensburg nicht abgebrochen werden?

Selb – Das Spiel in der zweiten Deutschen Eishockey-Liga (DEL 2) zwischen den Selber Wölfen und den Ravensburg Towerstars war entschieden. 7:0 führten die Gäste, alles lief auf einen lockeren Erfolg hinaus. Ein, zwei Chancen herausspielen, noch ein wenig Kräfte schonen, und dann ab in die neuntägige Deutschland-Cup-Pause. Auch die Selber Spieler wussten, dass nichts mehr zu holen sein würde. Doch aus dem ruhigen Restabend wurde nichts. Es wurde dramatisch – und sogar lebensbedrohlich.

18 Minuten vor Spielende griffen die Towerstars nochmal an. Fabian Dietz zog ab, Selbs Max Gimmel blockte den Schuss, bekam ihn in die Lungengegend. Den Nachschuss hielt Wölfe-Torwart Michel Weidekamp fest. So weit, so normal. Dann aber fuhr Gimmel, der sich schon nach dem Block vor Schmerzen gekrümmt hatte, Richtung Wechselbank – und brach zusammen. „Er kam vor dem Block leicht ins Straucheln und hat den Schuss knapp unterhalb des Brustschutzes abbekommen. Auf dem Weg zur Bank fing er an zu wanken, ging zu Boden und spuckte nicht wenig Blut“, erinnert sich Selbs Pressesprecher Oliver Opel.

Ligaleiter René Rudorisch klärt auf

Schnell eilten Teamärzte und Sanitäter herbei. Gimmel wurde behandelt und dann in eine Klinik transportiert. Es bestand Lebensgefahr. In der Netzsch-Arena herrschte lange Ungewissheit über den Zustand des 21-Jährigen. Die Frage, die außerdem geklärt werden musste: Wie geht’s weiter? Einen Spielabbruch sieht das Regelwerk in einem solchen Fall nicht vor. „Die Schiedsrichter haben vorgeschlagen, den Puck einzuwerfen und die Zeit herunterlaufen zu lassen“, sagt Opel und ergänzt: „Der Schock stand den Spielern und Trainern ins Gesicht geschrieben. An Weiterspielen war nicht zu denken.“

Erinnerungen wurden wach an die Fußball-EM im vergangenen Jahr, als der Däne Christian Eriksen mit einem Herzstillstand zusammenbrach, die Partie nach langer Unterbrechung dennoch beendet wurde. In Selb knieten beide Teams die verbleibende Spielzeit auf dem Eis, unter dem Applaus der Zuschauer liefen die Minuten ab.

Warum aber gibt es keine Regel, die einen Spielabbruch in solch einer Situation erlaubt? „Diese Problematik betrifft nicht nur das Eishockey, sondern viele Sportarten“, sagt René Rudorisch, Geschäftsführer der DEL 2.

Er war am Sonntag beim Spiel zwischen den Kassel Huskies und den Krefeld Pinguinen, als er den Anruf mit der schlimmen Nachricht erhielt. „Das ist eine schwierige Situation. Der Verletzungsfall für einen Abbruch ist nicht definierbar. Bei welcher Schwere breche ich ein Spiel ab? Wer soll das entscheiden, Schiedsrichter oder medizinisches Personal? Ich kenne kein Regelwerk, welches so etwas definiert. Im Sport geht man davon aus, dass der verletzte Spieler das Feld verlässt und die Partie weiter geht“, sagt Rudorisch.

Gute Nachrichten am Montag

Er habe die ganze Nacht darüber nachgedacht, ob – und wenn ja, wie – sich eine Regel ändern ließe: „Es lässt sich allein aufgrund einer Spielerverletzung nicht verbindlich anders regeln. Das Problem ist: Breche ich das Spiel als Liga ab, muss es bei 0:0 neu angesetzt werden. Wenn dann eine Partie betroffen ist, bei der es nicht 7:0 steht und die über Auf- oder Abstieg entscheidet, kann so etwas durchaus auch missbraucht und damit der Wettbewerb in Frage gestellt werden.“

Im Fall von Selb habe es ein gutes und menschliches Zusammenspiel von Schiedsrichtern und den beiden Teams gegeben. Für einen Wiederholungsfall sei das aber schwer reproduzierbar. Am Montag gab es immerhin noch gute Nachrichten aus Selb: Max Gimmel sei stabil, ansprechbar und nicht mehr in Lebensgefahr.

Von Björn Friedrichs

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