Mannschaft wurde gefeiert

Der Schulterschluss am Ende: Fans trösten Huskies über Aus hinweg 

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Ein Bild, das für sich steht: Nach dem Spiel verabschieden sich die Fans mit langanhaltendem Applaus von ihrer Mannschaft.

Kassel. Die Kassel Huskies, das ist seit Freitagabend klar, werden ihren Meistertitel in der DEL 2 nicht erfolgreich verteidigen.

Mit dem zweifelsohne verrücktesten und aufregendsten Spiel der kompletten Eishockey-Saison haben sie sich aus der Serie gegen die Löwen Frankfurt verabschiedet, die in diesen Playoffs in allen vier Spielen eine Nummer zu groß für die Kasseler waren und das Playoff-Halbfinale klar mit 4:0-Siegen für sich entschieden.

Doch nach 13 Toren und drei Dritteln war der Abend noch lange nicht beendet. So ging es weiter.

Der Abgang

Die Huskies verschwinden zunächst einmal ganz schnell in der Kabine. Die Schultern hängend, die Blicke leer, kurzum: die personifizierte Enttäuschung. Klar, sie hatten noch einmal alles versucht in diesem zweiten Heimspiel der Serie. Sie hatten geführt, sie hatten zweimal einen Rückstand von zwei Toren wettgemacht. Sie hatten unglaubliche Fans in ihrem Rücken. Das Momentum sprach zeitweise für sie. Aber die Qualität der Frankfurter letztlich gegen sie.

Die Kabinentür, die schließt sich zunächst einmal. Die Löwen bejubeln währenddessen mit den eigenen Anhängern den Finaleinzug.

Vor gut einem Jahr hatten die Huskies nach dem Sensations-Sweep im Viertelfinale, dem 8:1 in Frankfurt, mit ihren Anhängern am Ratsweg in Derbysieger-Shirts getanzt und gesungen. Nun kosten die Frankfurter in T-Shirts mit Aufdruck „Finale“ den Moment voll aus.

Die Rückkehr

Das Eis mag in diesen Momenten den Gästen gehören. Die Hoheit über die Geräuschkulisse aber, die gehört den Huskies-Fans. Sie singen in einer Tour weiter. Eine gute halbe, dreiviertel Stunde lang. Die Botschaft ist eindeutig: „Wir wollen die Huskies sehen“. So wie es ja liebe Tradition am Ende einer Saison ist. Und dann kommen die Huskies zurück.

Ihre Blicke immer noch leer, die Schultern immer noch hängend laufen sie aufs Eis. Manche in voller Montur, andere wie Michi Christ in Flipflops und kurzer Hose. Sie bauen sich in einer langen Reihe auf und entrollen in Richtung des Heubodens ein Plakat: Fuldastadt steht darauf in großen Buchstaben geschrieben. Und Kassel. Ihr Dank an die Fans. Dann greift Kapitän Manuel Klinge zum Mikrofon. Die Huskies stehen links und rechts Spalier. Seine Botschaft an die Fans: „Ihr habt uns richtig nach vorn gepeitscht. Leider mit dem nicht ganz so guten Ende für uns. Aber so ist das manchmal im Leben. Auf nächste Saison. Wir sehen uns dann in alter Frische alle wieder.“

Und wieder klatschen die Fans. Und dann geschieht etwas Bemerkenswertes: In die Gesichter der Spieler schleicht sich ein Lächeln. Verhalten erst, dann aber immer lauter fallen sie ein ins Klatschen. Die Fans applaudieren der Mannschaft, die Mannschaft applaudiert den Fans. Ein Schulterschluss der besonderen Art. Minutenlang geht das so.

Sportliche Gesten nach dem Ende: Die Huskies gratulieren den Frankfurtern – im Bild: Löwe Pawel Dronia (links) schlägt sich mit Kassels Toni Ritter ab.

Die Reaktionen

Dann drehen die Spieler ab. Zur Ehrenrunde. Immer noch unter dem Applaus der Fans. Und so langsam kehrt auch die Sprache wieder. Der Kapitän stellt sich als einer der Ersten den Fragen: „Es ist natürlich sehr dunkel in diesem Moment“, sagt Klinge. „Wir haben heute noch einmal versucht, alles rauszuhauen. Wir haben alle an einem Strang gezogen, in jedem Moment. Jetzt müssen wir erst einmal durchschnaufen.“

Thomas Merl sieht das ähnlich: „Diese Serie 0:4 zu verlieren, das ist natürlich ziemlich hart. Wenn man sechs Tore zuhause erzielt, sollte man eigentlich gewinnen. Frankfurt hat im entscheidenden Moment die Tore gemacht. Deswegen haben wir das Spiel verloren.“ Und Torhüter Markus Keller erklärt: „Frankfurt hat einfach immer zum richtigen Zeitpunkt das Tor geschossen. Wenn du das kannst – wir haben das letztes Jahr gekonnt – dann bist du auch verdient weitergekommen.“ Eins aber, das eint alle Huskies an diesem Abend: der Dank an die Zuschauer. „Unsere Fans sind die besten Fans der Liga. Das ist nicht so dahergesagt, wie es viele Sportler machen. Das ist einfach ein Fakt. Unsere Fans sind meisterlich“, sagt Markus Keller.

Und das tröstet an diesem Abend, der für die Huskies eigentlich ein gebrauchter ist.

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