US-Amerikaner in Südkorea dabei

Sein Kindheitstraum erfüllt sich: Husky Wisniewski fliegt heute zu den Winterspielen

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Extra für Olympia: Huskies-Verteidiger James Wisniewski hat für die Winterspiele eigene Schlittschuhe vom US-Verband bekommen – mit seinem Spitznamen „Wiz“ und seiner Rückennummer 21. Während der Trainingseinheiten in Kassel hat er sie eingelaufen.

Kassel. Für James Wisniewski ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Am heutigen Mittwoch fliegt er zu den Olympischen Winterspielen nach Südkorea. Hinter ihm liegen alles andere als einfache Monate.

In diesem einen Augenblick wird er wieder zum Schuljungen und grinst mit dem Honigkuchenpferd um die Wette. Es ist eine Verwandlung, die bemerkenswert ist. Schließlich ist James Wisniewski ein gestandener Eishockey-Profi. Hat fast 600-mal in der NHL gespielt, der besten Liga der Welt. Ist mit dem US-Nationalteam U18- und U20-Weltmeister geworden. Kurzum: Der US-Amerikaner in Diensten der Kassel Huskies hat sportlich vieles erreicht, was für andere Eishockeyspieler nicht mehr als ein Traum bleiben wird. Und doch erfüllt sich in diesen Tagen ein Traum, der im erfahrenen Verteidiger wieder den Schuljungen hervorbringt: Wisniewski fliegt am Mittwoch von Frankfurt aus nach Pyeongchang.

Er ist Teil des US-Teams, das bei den Olympischen Spielen um Gold spielen will. „Ja, ich muss mich immer wieder kneifen und mir sagen: Ja, du bist tatsächlich ein Olympionike. Schon als kleiner Junge habe ich bei den Olympischen Spielen vor dem Fernseher gesessen. Jetzt bin ich selbst dabei. Das ist surreal“, sagt der 33-Jährige. „Es ist etwas, von dem du nicht gedacht hättest, dass es passiert. Jetzt passiert es tatsächlich.“ Und daran haben die Huskies keinen unerheblichen Anteil. „Ohne sie hätte ich es nicht geschafft.“

Sprungbrett Kassel

Hinter Wisniewski liegen keine einfachen Monate. Vier Kreuzbandrisse haben ihn immer wieder zurückgeworfen. Im Sommer stand er ohne Klub da, überlegte sogar, die Karriere ganz zu beenden. „Doch dann hieß es plötzlich: Die NHL gibt ihre Profis nicht für Olympia frei.“ Und plötzlich war dieser Traum aus Kindertagen wieder da. Wisniewski sprach mit seinem mittlerweile verstorbenen Ziehvater Jim Johannson (JJ), Manager des US-Nationalteams und wiederum befreundet mit Joe Gibbs, dem Manager der Huskies. Kassel kannte Wisniewski nicht.

Aber im Oktober war er dann da mit dem Plan im Gepäck, sich fürs US-Team beim Deutschlandcup zu empfehlen, von dem jeder dachte, es würde auch das Olympia-Team sein. Als er nicht nominiert wurde, flog er in der Spielpause zurück in die USA. Der Traum schien geplatzt. „Aber JJ hat gesagt, geh zurück und spiele. Meine Frau hat mich bestärkt, versuche es noch einmal. Dann brauchst du dir später nicht vorwerfen, du hättest nicht alles versucht.“

Und tatsächlich: Am 28. Dezember hatte Wisniewski einen Anruf in Abwesenheit auf dem Handy und eine Nachricht von Johannson: Ruf zurück. Es gibt Neuigkeiten, die dich vom Hocker hauen werden. „Ab da war ich aufgeregt. Mein Herz hat schneller geschlagen, ich hatte Gänsehaut. Das war total emotional.“

Pyeongchang im Blick

Am 1. Januar machte das US-Team die Nominierung öffentlich, seitdem ging es Schlag auf Schlag. Die Spieler bekamen Trainings- und Ernährungspläne, Zimmerlisten, Flugtickets. Eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe hilft beim Kennenlernen. Das Team trifft in Pyeongchang erstmals zusammen. Sechs Trainingseinheiten bleiben bis zum ersten Spiel gegen die Slowakei am 14. Februar.

Wisniewskis Familie - Ehefrau Nicole, die Töchter Jamie und Sadie, die Eltern Jim und Sharon und Brianna (19), die jüngste seiner drei Schwestern - wird die maximal sechs Spiele bis zum möglichen Finale am 25. Februar live verfolgen. Und sie bringt einen extra Koffer mit, wie vom US-Verband empfohlen. Warum? „Damit wir all die Kleidung und Dinge, die wir als US-Team bekommen, mit nach Hause nehmen können“, erklärt Wisniewski.

Für die Familie hat er eine Unterkunft eine halbe Stunde außerhalb von Pyeongchang gefunden. Er selbst wohnt mit der US-Mannschaft im Olympischen Dorf, teilt sich ein Appartment mit Jon Blum, Ryan Donato, Chad Billins und Jordan Greenway.

Erster Olympia-Höhepunkt: die Teilnahme an der Eröffnungsfeier am Freitag. „Du bist mit deinen Landsleuten unterwegs, repräsentierst dein Land und die ganze Welt schaut zu. Das wird unvergesslich.“ Auch andere Wettkämpfe will er besuchen: Snowboarding, die Ski-Abfahrt. „Ich möchte diese Zeit voll auskosten. Es ist schließlich einmalig: Ich werde nie wieder ein Olympionike sein.“

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