Huskies-Idol Sven Valenti wird am Freitag beim Heimspiel gegen Freiburg besonders geehrt

Ehrung von Sven Valenti: Eishockey trennt und vereint seine Familie

Die Eishockey-Familie Valenti, von links: Sven im Trikot der Adler Mannheim von Jahr 1993, Yannik im aktuellen Jungadler-Dress, Maren in der Kluft der Eisbaren Berlin 1998 und Danilo im Trikot des EHC Freiburg von 1974. Foto:: PIX-Sportfotos

Kassel. Eine Familie, ein Zuhause, aber zwei Wohngemeinschaften, das gibt es bei den Valentis. Sven und Christine leben mit ihren Kindern Yannik (17) und Lena (11) in Kaufungen. Aber meistens sind die beiden Frauen allein in Nordhessen und die beiden Männer allein in Mannheim.

Und das alles nur, weil diese Familie vom und für das Eishockey lebt. Ohne diesen Sport wären die Valentis vermutlich nie nach Kassel und Kaufungen gekommen. Mehr noch: Dieser Sport trennt zwar derzeit „unsere“ Valentis, er vereint aber auch die Großfamilie. Denn auch Sven Valentis Vater Danilo und Schwester Maren sind von diesem Virus infiziert. Sie werden hier vorgestellt.

Der Grund: Beim Heimspiel der Huskies am Freitag um 19.30 Uhr gegen die Wölfe aus Freiburg, wo Sven und Maren geboren wurden, wird das Kasseler Eishockey-Idol Sven Valenti geehrt. Sein Trikot mit der Rückennummer 19 wird in der Eissporthalle als Banner aufgezogen. Dort, wo bereits Milan Mokros (2), Shane Tarves (3), Herbert Heinrich (5) und Matthias Kolodziejczak (14) verewigt sind.

Eishockey leben auch Christine, Svens Ehefrau seit 19 Jahren, und die Tochter Lena. Ihre eigenen Interessen stehen da oft zurück. „Ich war mal bei der DLRG im Schwimmen, bin aber die Unsportliche in der Familie“, sagt Mutter Christine lachend - „allerdings würde ich schon gern mehr Zeit für Fitness haben.“ Eine Freundin hatte sie einst aus Worms mitgenommen zum Eishockey. Aus dem Fan wurde die Ehefrau und die tragende Säule in der Eishockey-Familie.

Immer wieder pendeln Mutter und Tochter nun nach Mannheim, um bei Sven und Yannik zu sein. Nur im Sommer sind die „Männer“ öfter auch längerfristig in Kaufungen. „Dann verbringe ich auch gern viel Zeit mit meiner Schwester. Sie musste in ihrem Leben schon viel mehr Zeit in Eishallen verbringen, als ihr wohl lieb ist“, weiß Yannik. „Dann begleiten Papa und ich Lena auch zu ihrem Sport. Sie macht Gardetanz.“

Christine Valenti: „Eishockey ist für mich viel mehr Freude als Pflicht. Auch wenn Weihnachten in der Familie zum Beispiel kaum stattfinden kann.“

Ehrenrunden mit Papa Sven: Yannik (links/2004) und Lena (rechts/2012) sind in der Eisporthalle fast immer dabei. Archivfotos:  Fischer

Sven Valenti: „Die 19 hat mir Glück gebracht“

Sven Valenti kam via Ravensburg, Mannheim, Heilbronn, Nürnberg und Bad Tölz 2001 erstmals nach Kassel. Bis 2007 und nach Stationen in Essen sowie Weißwasser dann wieder von 2011 bis 2016 bestritt der einstige Junioren-Nationalspieler 602 Einsätze im Huskies-Trikot. Elf Spielzeiten, in denen der Eishockey-Publikumsliebling in Nordhessen heimisch wurde.

Abstiege hat er mitgemacht, Aufstiege auch, gegen Duisburg 2014 das wichtigste Tor seiner Laufbahn erzielt. Das verbindet. „Wir wollen aus Nordhessen nicht mehr fort, sind als Familie hier zuhause“ sagt der 42-Jährige - auch wenn er derzeit in Mannheim arbeitet. Mit einem anderen Teil seiner Familie - Vater Danilo und Schwester Maren. „Ohne Familie, hier wie dort, ginge nichts. Sie ist mein Ein und Alles“, sagt Valenti, der treue Sven. Meistens trug er die Rückennummer 19, alternativ die 91. Wie 2001 bei seinem Debüt in Kassel, als die 19 an Stephan Retzer vergeben war. „Aber die 19, die hat mir Glück gebracht.“ (sam)

Sven Valenti: „Eishockey ist immer noch das schönste Hobby. Und es ist ein Glück, dass ich es zu meinem Beruf machen konnte.“

Yannik Valenti, der Sohn: „Bin in der Halle groß geworden“

Yannik Valenti ist 17 und gab er vor wenigen Wochen genau wie einst Papa Sven in diesem Alter sein Debüt in der ersten Mannschaft. Erst im DEL-Team der Adler, dann in Kassel. „Das ging alles unheimlich schnell und kam für mich sehr überraschend“, sagt der Junioren-Nationalspieler rückblickend. „Vor allem die Premiere bei den Huskies war schon sehr speziell, denn da habe ich in der Eissporthalle ja mein erstes echtes Eishockeytraining bestritten.“

Das war nur wenige Jahre, nachdem ihn der Papa mit 20 Monaten erstmals aufs Eis gestellt hatte. Trainer Milan Mokros habe ihn als Sohn eines Mitspielers härter rangenommen als andere Jungs, „aber das war gut so, heute profitiere ich davon.“ Derzeit hat Yannik wieder den gewohnten Rhythmus mit Schule, Training und Spielen bei den Jungadlern, ist nach der Genesung der DEL-Asse nicht mehr im Profiteam dabei. „Aber die nächsten Wochen habe ich volles Programm. Am Freitag bin ich natürlich in Kassel, mit den Jungadlern haben wir dann DNL-Spiele und fahren zwei Wochen zu Spielen und einem Turnier nach Kanada“, berichtet der Jungspund. An guten Ratschlägen mangelt es nicht, von Opi Danilo, Papa Sven und Tante Maren. „Aber eigentlich komme ich auch so ganz gut allein klar“, sagt Yannik. (sam)

Yannik Valenti: „Eishockey bestimmt jeden Tag meines Lebens. Ich bin mit der Familie in der Halle und in der Kabine groß geworden.“

Danilo Valenti, der Vater: „Wir haben den Virus“

Danilo Valenti kam 1954 in Marburg zur Welt, und das ist nun wahrlich keine Eishockeystadt. Doch ein Umzug nach Ravensburg war die Initialzündung. „Wir wohnten direkt gegenüber des Eisstadions. Ich begann mit Kunstlauf, aber mit meinem älteren Bruder war ich sofort fasziniert vom rasanteren Eishockey“, berichtet Valenti senior.

Der 1,90 m lange Verteidiger - Sohn Sven ist ein Zentimeter kleiner - startete mit 20 bei Drittligist Freiburg seine Seniorenlaufbahn. Er spielte in Bremerhaven, Ravensburg, Memmingen und Bietigheim. 1991 gab er sein Trainerdebüt beim Mannheimer Frauenteam, war in Hügelsheim, Jugendchefcoach in Frankfurt und kehrte 2014 nach Mannheim zurück. Dort ist er Sportlicher Leiter beim Amateurklub MERC - und Svens Chef.

„Ich war mit 21 schon zweifacher Vater, und hatte die Kinder beim Sport oft dabei“, sagt Danilo. Mehr noch: 14 Personen der Verwandtschaft sind oder waren Puckjäger. „Alle freiwillig, niemand wurde gezwungen. Heute ist toll, wie gut Sven als Trainer arbeitet, und dass nun drei Generationen diesen Sport leben.“ (sam)

Danilo Valenti: „Eishockey ist ein wunderschönes Hobby, ist Beruf und Berufung, ein Virus, der sich wie eine Grippewelle ausgebreitet hat und keinen wieder loslässt.“

Maren Valenti, die Schwester : „Ich bin unheimlich stolz auf Sven“

Maren Valenti wurde 15 Monate nach ihrem Bruder ebenfalls in Freiburg geboren. Dort war Papa Danilo als Verteidiger aktiv. Und häufig waren natürlich auch die beiden Geschwister in der Halle, spielten schon bei den Kleinsten Eishockey - und das in einem Team. „Einmal liefen wir gemeinsam auf das Tor zu, da hat Sven mir plötzlich meinen Schläger gelupft und so die gute Schusschance vermasselt“, erinnert sich die 41-Jährige und kann heute darüber lachen.

Denn auf ihren großen Bruder lässt sie nichts kommen: „Ich bin unheimlich stolz auf ihn und freue mich für den Sven, dass sie ihn in Kassel ehren wollen“, sagt Maren und wird trotz ihrer MS-Erkrankung auf alle Fälle herkommen. Dabei ist sie die erfolgreichste Sportlerin der Familie. 168 Länderspiele, fünf Weltmeisterschaften und die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City hat sie bestritten. Und als einzige Frau war sie sogar einmal bei den Männern in einem DEL-Team aktiv. Im September 1998 war das, mit feuerroten Roten, im Trikot der Eisbären Berlin. Wer der Gegner im legendären Wellblechpalast war? Die Huskies aus Kassel. Ohne Bruder Sven, der damals eine Saison lang in Nürnberg aktiv war.

Übrigens: Ihr Trikot hängt in keiner Eishalle. Wohl aber in den Ruhmeshallen im kanadischen Toronto und in Augsburg.

Maren Valenti lebt auch in Mannheim, als gelernte Mediengestalterin arbeitet sie heute als Künstlerin, deren Malereien bekannt sind. „Egal, ob Comics, auf Leinwand, mit Pinsel und am Rechner, ich bemale alles“, sagt sie lachend, „gern verrückt und cool.“

Sechs bis sieben Stunden pro Woche steht sie bei den Jungadlern als Trainerin auf dem Eis, ist bei den Teams U 8 bis U 12 dabei. Auch mit Bruder Sven gemeinsam. (sam)

Maren Valenti: „Eishockey gehört zu meinem Leben wie die Familie und die Morgentoilette.“

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