Spannender als der Tatort

Reportage: So erlebten Fans und Maskottchen das Huskiesspiel

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Kassel. Es ist vielleicht ganz gut, dass vor diesem Spiel, in dem es um viel oder nichts geht, zumindest das Maskottchen locker bleibt.

Nervös? „Eigentlich nicht“, sagt Timo Weber, der in den Katakomben der Eissporthalle steht und bis zum Kopf im Kostüm eines Huskies steckt. Weber freut sich vielmehr auf seinen Einsatz gleich auf der Eisfläche, wenn er umherkurvt und gute Laune verbreitet: „Es ist ein tolles Gefühl, vor so vielen Leuten zu stehen.“ Zumal: Kassel Huskies gegen Landshut, Teil fünf - das ist ein emotionaler Selbstläufer.

Die Masse, sie ist schon da. Auf dem Heuboden verdichtet sich die Anspannung. Von der Unaufgeregtheit des Maskottchens können Walter Hellbach (57) und Sven Albert (39) nur träumen. „Vor der Serie gegen Landshut habe ich gedacht, das werden die entspanntesten Playoffs, die ich je erlebt habe. Aber jetzt ist es der Wahnsinn“, sagt Albert. Wie er ist auch Walter Hellbach schon den ganzen Tag mit den Gedanken bei dem Spiel, das noch nicht einmal angefangen hat. „Selbst beim Mittagessen hat sich alles darum gedreht“, sagt Hellbach.

Das Maskottchen ist mittlerweile auf dem Eis, auch Hallensprecher Sven Breiter ist zu sehen und zu hören. Er sagt in Anspielung auf das Torhüter-Hickhack der Landshuter: „Ich bin der Original-Sven, und ich darf aufs Eis.“ Die Masse feixt. Playoff-Stimmung. Auf einer Leinwand wird noch einmal das Tor von Drew Bannister gezeigt, das 2008 den Aufstieg in die DEL gebracht hat - gegen Landshut. Das trägt zur Gänsehautentzündung einer ganzen Halle bei.

Nach dem ersten Drittel steht es 0:1. „Aber wir haben es selbst noch in der Hand“, sagt Sven Albert. Als ob ihn die Spieler gehört hätten: Kurz nach Beginn des zweiten Drittels steht es 1:1, dann 2:1. Endlich. Der Jubel der Fans hat den Klang einer Befreiung. Doch das Zittern beginnt erst so richtig. Kurz vor Schluss der regulären Spielzeit schafft Landshut doch noch das 2:2, und Sven Albert verzweifelt. „Jetzt glaube ich nicht mehr dran“, sagt er in der Pause vor der ersten Verlängerung und ist wütend auf Adriano Carciola, der mit einer Strafe den Ausgleich begünstigte.

Ende der Playoffs: Huskies verlieren gegen Landshut

Jetzt ist nur noch Spannung - so viel, dass wahrscheinlich auch das Maskottchen bibbert. Die Masse steht, die Halle bebt. Der Tatort in der ARD fängt gleich an, aber den wahren Krimi gibt es hier. Das nächste Tor entscheidet. Aber es will nicht fallen. Nicht in der ersten Verlängerung. Ein Getränkestand in der Halle hat schon dicht. Die Fans halten durch. Sven Albert hat recht: Es ist Wahnsinn, ein ewiges Spiel für die Ewigkeit.

Das Tor fällt auch nicht in der zweiten Verlängerung. „So was habe ich in Kassel noch nicht erlebt“, sagt Sven Albert in der insgesamt fünften Pause und gut vier Stunden nach dem ersten Bully. Seine Stimme ist heiser, aber: „Wir holen alles aus uns heraus, bis es nicht mehr geht.“

Um 21.24 Uhr ist das Aus der Huskies besiegelt, weil Landshut trifft. Die Kasseler Fans aber verstummen nicht. Sie klatschen, sie feiern ihr Team. Sie zeigen eine große Reaktion. Gleich ist der Tatort in der ARD zu Ende.

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