19.30 Uhr, EgeTrans-Arena

Spiel drei in Bietigheim: Huskies-Coach Rossi tritt auf Euphorie-Bremse

Verschafft sich klare Sicht: Husky Braden Pimm. Foto: Schachtschneider

Kassel. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Klar war ich enttäuscht, als wir den Ausgleich kassiert haben. Deshalb habe ich einfach beschlossen, das auszubügeln und zum Sieg zu treffen.“ Braden Pimm hatte aus gutem Grund gut lachen.

Vor der Szene, die am Sonntagabend zum zwischenzeitlichen 2:2 der Bietigheim Steelers führte, hatte sich der Huskies-Stürmer die Scheibe in der eigenen Zone abluchsen lassen (58).

Doch als der Krimi im zweiten Playoff-Finalspiel gerade in die zweite Verlängerung gegangen war, da machte er kurzen Prozess: Exakt 23 Sekunden waren gespielt, als Pimm den Abpraller nach einem Schuss von Jamie MacQueen zum entscheidenden 3:2 verwertete und damit für die 2:0-Führung der Kasseler in der Serie sorgte. Bereits Dienstagabend folgt in Bietigheim Spiel drei (19.30 Uhr, EgeTrans-Arena).

Der Matchwinner 

Am Sonntag wurde einer zum Matchwinner, über den Bietigheims Coach Kevin Gaudet später sagte: „Ausgerechnet Pimm schießt das Tor.“ Denn nach Meinung der Steelers hätte Pimm für das Sonntagsspiel gesperrt werden müssen. Nach einem „schmutzigen Check“, so Gaudet, im Spiel am Freitag gegen ihren Topscorer Justin Kelly falle der wegen einer Gehirnerschütterung aus - Pimm aber habe nur eine Zwei-Minuten-Strafe kassiert und sei nicht angemessen bestraft worden.

Das wiederum rief Rico Rossi auf den Plan. Mit Nachdruck widersprach Kassels Trainer der Darstellung des Bietigheimer Coaches. „Braden ist einer der fairsten Spieler der Liga. Das ist kein schmutziger Check gewesen. Es war Schulter an Schulter.“ Offenbar, so war zu hören, hatten die Bietigheimer im Nachgang des ersten Spiels versucht, Pimm nachträglich sperren zu lassen. Doch der Protest wurde von der Liga gar nicht erst angenommen.

So spielte Pimm. Und wie. Mit MacQueen versteht er sich immer besser. Ein Grund: Beide wohnen Tür an Tür. „Wir verbringen auch privat viel Zeit miteinander“, sagt Pimm. Und auf dem Eis hatten beide entscheidenden Anteil daran, dass die Huskies den am Freitag errungenen Heimvorteil verteidigten. Pimm sagt aber auch: „Je länger die Serie läuft, desto härter wird es.“

Die Trainer 

Das zweite Spiel der Playoff-Final-Serie ließ beide Trainer ins Schwärmen geraten. „Das war unglaublich. Ich war 22-mal in den Playoffs, das war eins der besten Spiele überhaupt“, sagte Gaudet. Rossi pflichtete ihm bei: „Wow, was für ein großartiges Spiel mit Spannung bis zum Ende, tollen Torhütern auf beiden Seiten. Und: Ein Lob an die Fans für ihre riesige Unterstützung.“

Reichlich anderer Meinung allerdings waren beide Coaches in der Beurteilung der Unparteiischen. Gaudet haderte unter anderem mit dem nicht gegebenen Tor seiner Mannschaft in der Verlängerung, das den Sieg für die Steelers bedeutet hätte. Bereits in Spiel eins am Freitag hatte ein Referee zunächst auf Tor für Bietigheim entschieden, war dann aber von den drei anderen Unparteiischen korrigiert worden. „Ich will die Niederlage nicht auf die Schiedsrichter schieben, aber ich bin unglaublich enttäuscht von ihrer Leistung“, so Gaudet. Rossi konterte: „Die Schiedsrichter machen einen harten Job. So lange wir nur kritisieren, werden sie nicht besser.“ Der Kasseler Coach trat mit dem gleichen Nachdruck auch auf die Euphoriebremse: „Das ist noch lange nicht vorbei. Am Dienstag wird Bietigheim hart zurückkommen. Die Serie ist weiter offen. Kassel wird jetzt nicht die Championship-Ringe bestellen. Wir sind weit weg von der Meisterschaft.“

Der Biss 

Es war das Thema, das sich durch fast jedes Statement am Sonntag zog: dieser Biss, mit dem die Huskies auch dieses Spiel bestritten. Gaudet formulierte es so: „Du siehst, sie wollen.“ Pimm sagte: „Das gesamte Team hat diesen Willen.“ Rossi erklärte: „Diese Mannschaft hat eine riesige mentale Stärke.“ Und Michi Christ schließlich brachte es so auf den Punkt: „Der letzte Wille und Biss haben das Spiel für uns entschieden. Das 2:2 war ein geschenktes Tor, aber es hat uns den Glauben nicht genommen.“ (mis)

Regelecke: Tor oder kein Tor? 

Es war einer der vielen Aufreger des Sonntags: Nach 69:04 Minuten jubelten die Bietigheimer über ihr vermeintliches Siegtor zum 3:2 durch Max Prommersberger und drehten ab. Nach kurzem Palaver aber holten die Schiedsrichter etliche Spieler aus der Kabine aufs Eis zurück zur Fortsetzung der Partie. Ihr Entscheid: kein Tor, Zweiminuten-Zeitstrafe gegen Husky Jean-Michael Daoust.

Auf dem Video ist zu sehen: Daoust checkt den auf Torwart Markus Keller zustürmenden Sommerfeld von hinten, beide stürzen in die Kiste, Keller kann nicht eingreifen, das Tor kippt nach hinten um. Nun der Knackpunkt: Kam Prommersbergers Torschuss vor dem Umstürzen, vor dem Abpfiff der Schiri oder danach? Hätte auf (technisches) Tor entschieden werden müssen?

Eine Millimeterentscheidung, die ohne Videobeweis zu fällen war. Der wird erst zur nächsten Saison eingeführt. Ein Blick in Regel 98:

Das Tor gilt, wenn der Angreifer schießt, „bevor das Tor verschoben wird“ und der Puck ins Tor gegangen wäre. Unerheblich ist, ob ein verteidigender Spieler das Tor „absichtlich oder unabsichtlich verschiebt“. Bei Absicht „steht der Schiri vor der Entscheidung Kleine Strafe oder Penaltyschuss“. Unerheblich ist, ob „der Verteidiger das Tor persönlich verschiebt“ oder „mit irgendeiner Aktion“ die Situation verursacht, „dass ein Mitspieler oder ein Gegenspieler gegen das Tor gerät und die Kollision mit dem Tor für sie nicht mehr vermeidbar war“.

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