Nicht mehr an der Bande

Vom Trainer zum Sportlichen Leiter: Rico Rossis neue Aufgabe

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Bisherige Rolle: An der Bande hatte Rico Rossi (links) seit 2014 das Sagen. Hier im Gespräch mit Jens Meilleur.

Rico Rossi war Huskies-Trainer mit Leib und Seele. Nun wird er Sportdirektor. Wir schauen auf die neuen Aufgaben des 53-Jährigen. Und auch Rossi selbst äußert sich.

Sein zweites Zuhause? Ein paar Quadratmeter groß. Fernseher gibt’s hier, Magnettafeln, Laptops, klar. Außerdem Stühle, Schreibtische, einen Schrank. Seit Sommer 2014 hat Rico Rossi im Trainerraum neben der Kabine der Kassel Huskies viele Tage und auch so manche Nacht verbracht, Gegner studiert, seine Mannschaft vorbereitet. Hier sind die Ideen entstanden, mit denen er die Huskies zur DEL2-Meisterschaft 2016 geführt hat, sein Meisterstück, mit dem er sogar die Kasseler selbst überraschte. Die Meisterschaft ist aber auch die hohe Messlatte geworden für die Spielzeiten, die folgten.

Fehler, die er machte, Leistungsschwankungen des Teams – ihren Unmut projezierten die Fans vor allem auf ihn. Sein Stand, gerade zuletzt, war bei vielen kein einfacher. Mit dem Cheftrainer Rossi haben die Huskies immer die Playoffs erreicht, zweimal war im Viertelfinale Endstation (2015 gegen Landshut, 2018 gegen Frankfurt), einmal im Halbfinale (2017 gegen Frankfurt). Nun hat der 53-Jährige sein zweites Zuhause geräumt. Die persönlichen Dinge wandern in ein neues Büro in der Eissporthalle, das des Sportlichen Leiters. Die Schaltzentrale des Teams hat bereits sein Trainer-Nachfolger Bobby Carpenter bezogen.

Für Rossi beginnt so mitten in der Eishockeysaison irgendwie ein neues Leben. Eines, das zwar geplant war, aber nun doch früher kommt als vorgesehen.

Sein Alltag wird sich damit ändern. Wie? Er erwähnt zunächst einmal alles, was er nicht mehr machen wird: „Ich werde nicht mehr auf dem Eis, in der Kabine und auf der Spielerbank während der Partien sein. Die Huskies sind jetzt Bobbys Team. Ich werde ihn bei allem unterstützen, bei dem er meine Hilfe benötigt und sie sich wünscht.“ Beim Training und bei Spielen wird er nur noch Zuschauer sein.

Rossi zieht eine strikte Trennlinie. Für ihn rücken andere Aufgaben in den Fokus. Dass er einen Riecher für gute Jungs hat, hat er oft bewiesen. Bei Mike Collins etwa, Stammspieler in Ingolstadt. Bei Jamie MacQueen, der Glücksgriff des Meisterjahres, längst eine feste Größe bei den Eisbären in Berlin. Bei Phil Hungerecker, der sich in seinem einen Jahr in Kassel so überragend entwickelte, dass er in Mannheim auf dem Sprung zum Nationalspieler steht. Rossi hat auch der nächsten Generation Kasseler Jungs eine Chance gegeben: Tim Lucca Krüger, Bastian Schirmacher und zuletzt Lasse Bödefeld spielen jetzt auch für die Huskies in der DEL2. Rossi umreißt seine neuen Aufgaben so: „Den Kader mit Personal verbessern, zuschlagen, wenn jemand Gutes auf dem Markt ist, Talente sichten. Und langfristig den sportlichen Bereich auf die nächste Stufe heben.“ Damit 2021 alles bereit ist, wenn der Aufstieg in die DEL möglich wird.

„Es ist eine neue Herausforderung für Rico. Ich bin überzeugt, dass er es gut machen wird“, sagt Joe Gibbs. Und Rossi? Erleichtert angesichts der vergangenen schweren Wochen? „Nein. Ich kann mich im Spiegel anschauen. Es war geplant, dass ich in diese Aufgabe wechsele. Joe hat die Halle übernommen, wir werden professioneller. Die Aufgaben verändern sich. So ist unser Geschäft. Ich freue mich auf das Neue.“

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Die Trainer der Huskies

Danny Coutu war 1977 - 79 bei der ESG Kassel in der Regionalliga der erste (Spieler-) Trainer. Der Kanadier lebt in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen. Uli Egen, Hans Zach, Milan Mokros und Danny Coutu waren jeweils zweimal Huskies-Trainer. Egen für vier Spiele 1995 und 2012 - 2014; Zach von 11/1995 bis 4/1996 und 1998 - 2002; Mokros in drei Spielen 3/1998 und 11/2004 bis 4/2005; Coutu sprang ab Januar 1981 noch einmal als Spielertrainer in die Bresche, nachdem Jaromir Hudec gehen musste. Rico Rossi hat das Team seit 2014 in 263 Spielen betreut. Länger dabei waren lediglich Rekordhalter Hans Zach (290) und Stéphane Richer (263), der von 1/2006 bis 4/2010 Trainer war. Nummer vier ist der Schwede Tore Hedwall mit 228 Spielen von 10/1998 bis 4/1988. Dean Fedorchuksorgte unfreiwillig für eine Besonderheit. Der Kanadier betreute die Huskies 2010 nur in der Vorbereitung. Noch vor dem ersten Spieltag wurde den Huskies dann die DEL-Lizenz entzogen und das Team trat mit heimischen Amateuren in der Hessenliga an. Bobby Carpenter ist die Nummer 32 in der 41-jährigen Trainerhistorie. (sam/huskywiki)

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