Interview vor dem DEL2-Saisonstart

Huskies-Trainer Tim Kehler: „Unser Team wird gut genug sein“

Gut gelaunt beim Training in der Eissporthalle: Tim Kehler, Trainer der Kassel Huskies.
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Gut gelaunt beim Training in der Eissporthalle: Tim Kehler, Trainer der Kassel Huskies.

Endlich geht es wieder los: Heute steigt der Saisonauftakt in der DEL2 – und die Huskies empfangen ab 19.30 Uhr die Tölzer Löwen. Wir sprachen mit Trainer Tim Kehler.

Kassel – Die Sommerpause war nicht lang für die Kassel Huskies. Geändert hat sich dennoch einiges. Die dramatische Finalniederlage musste verdaut werden, ebenso das Verpassen der Einreichungsfrist für die Aufstiegsunterlagen. Die Eissporthalle wurde umgebaut, auch im Kader gab es Veränderungen. Heute starten die Huskies gegen Bad Tölz. Ein Gespräch mit Trainer Tim Kehler.

Herr Kehler, wie haben Sie ihren 50. Geburtstag im Juli in Kanada verbracht?
Man, ich werde wirklich alt. (lacht) Es war wegen Corona zwar keine große Party, für viele von uns war es aber das erste Mal, dass wir wieder mit mehreren Freunden und der Familie zusammen sein konnten. Allein aus diesem Grund war es ein besonderer Tag.
Sie sagten nach dem verlorenen Finale gegen Bietigheim, sie bräuchten Zeit, dieses Erlebnis zu verdauen. Ist Ihr Lächeln mittlerweile zurückgekehrt?
Ich bin glücklich, wieder das tun zu können, was ich liebe: mit den Spielern auf dem Eis zu sein. Aber klar, wenn ich die Steelers in der DEL spielen sehe, dann tut es immer noch weh. Ich weiß nicht, wann dieses Gefühl verschwinden wird – wahrscheinlich erst, wenn wir dieses Ziel irgendwann wirklich erreicht haben. Aber diese Sache wird noch lange nachwirken.
Sie wollten sich selbst kritisch hinterfragen. Was kam dabei heraus?
Ich habe sehr viel reflektiert. Vor allem in Bezug auf die Art und Weise, wie ich das Team trainiert habe und wie wir besetzt waren. Aber ich habe es auch schnell verarbeitet. Die Schlussfolgerung ist, nächstes Mal bessere Lösungen zu finden. Auch mit der Erfahrung und dem Wissen, das ich jetzt gesammelt habe.
Was haben Sie gedacht, als bekannt wurde, dass die Huskies kommende Saison nicht aufsteigen dürfen?
Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir die Probleme unserer Bewerbung mit der DEL lösen können. Deswegen war ich natürlich sehr enttäuscht. Ich war auch etwas überrascht, dass die Parteien keine Lösung finden konnten, um unsere Aufstiegsambitionen zu unterstützen. Deshalb nicht nach Kassel zurückzukehren, habe ich aber nie in Erwägung gezogen.
Ist das weiterhin Thema in der Kabine?
Als das bekannt wurde, war es wirklich nicht einfach. Wir waren mit vielen Spielern in Gesprächen, hatten noch nicht alle verpflichtet. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass wir die Spieler dennoch überzeugen konnten. Sie sehen, was hier entsteht, auch wenn sich unsere kurzfristigen Ziele verändert haben. Ich bin froh, dass es kein großes Thema in der Mannschaft ist, auch wenn ich sicher bin, dass viele Spieler genau wie ich enttäuscht sind.
Die Vorbereitung war schwierig: Sie konnten nicht in der Eissporthalle trainieren, hatten viele Verletzte. Ihr Fazit?
Physisch, aber vor allem mental war es mit den Reisestrapazen nicht einfach. Ich bin mir ziemlich sicher, dass darauf auch die große Anzahl verletzter Spieler zurückzuführen ist. Den Verantwortlichen in Lauterbach und Hannover bin ich dankbar. Sie haben uns sehr unterstützt. Doch jeder Tag hat sich für uns wie ein kleiner Roadtrip angefühlt.
Sie hatten Ihr Team sehr früh zusammen – ist es schon komplett?
Das stimmt. Der Grund ist einfach: Wir haben eine starke Saison gespielt und deshalb alles dafür gegeben, den Kern der Mannschaft zusammenzuhalten. Es ist wichtig, Konstanz reinzubekommen. Sicher, es gibt für viele Spieler nach so einer Saison auch andere Möglichkeiten. Für uns war früh klar, welche Spieler wir im Team haben möchten. Wir schauen uns auf dem Markt aber natürlich weiter um. Ich denke, wir sind weiterhin ein toller Klub, für den viele Spieler gerne spielen möchten.
Wie haben Sie die jungen Spieler Lois Spitzner, Stephan Tramm oder Eric Valentin von einem Verbleib überzeugt?
Da gab es eine Vielzahl an Gründen. Die drei sind gute Beispiele für Spieler, die wir auch mit in die DEL genommen hätten. Sie sind Jungs, die sich noch entwickeln und sich bei den Huskies für den Schritt nach oben vorbereiten können. Wir halten aber niemanden zurück, sondern sind ehrlich zueinander. Wir haben sicher Akteure, die fähig sind, DEL zu spielen.
Ryon Moser, Ryan Olsen, Phil Cornet und Clarke Breitkreuz sind weg. Wer soll jetzt die Tore für die Huskies schießen?
Da hat uns eine Menge Talent verlassen. Cornet war ein Torjäger, der für uns der Auslöser war, in der Tabelle weit vorne zu stehen. Vergleichbar mit ihm sehe ich aber Jamie MacQueen – ein echter Torjäger. Er schießt unglaublich gut, ist groß und stark. Er wird auch unser Powerplay verbessern. Auch Breitkreuz, Moser und Olsen werden schwer zu ersetzen sein, aber wir haben Leute gefunden, denen ich das zutraue. Jake Weidner wird als Center eine offensivere Rolle bekommen, als er sie zuletzt in der DEL hatte. Timo Gams hat schon gezeigt, dass er als junger Spieler einen guten Torriecher hat. Ja, wir hatten ein paar bedeutsame Abgänge – aber wir werden offensiv wieder stark sein.
Wie haben sich die Neuen bislang eingebracht?
Unsere Stärke liegt vor allem in unserem starken Teamgeist. Die Qualität unserer Spieler macht eine Eingewöhnung für neue Leute sehr einfach. Sie werden schnell aufgenommen. Wir haben ihnen auch gezeigt, dass sie und ihre Familien bei den Huskies willkommen sind. MacQueen, Dieter Orendorz und auch Hans Detsch sind schon lange Profis und wissen, wie man sich schnell einrichtet.
Wie sind Ihre Eindrücke von der modernisierten Eissporthalle?
Am beeindruckendsten – neben den offensichtlichen Dingen – finde ich, mit wie viel Engagement hier seit Juni gearbeitet wurde, damit wir heute ein Zuhause haben, in das die Huskies-Fans nach 18 Monaten kommen können. Ich möchte den Arbeitern danken. Als wir Anfang September nach Hannover aufgebrochen sind, hätte ich niemals gedacht, dass der 1. Oktober realistisch ist. Die Verwandlung ist unglaublich.
2019/20 gab es zum Ende der Hauptrunde eine Schwächephase, vergangene Saison in den Playoffs. Wie wollen sie erreichen, dass das Team sein bestes Eishockey zur entscheidenden Zeit spielt?
Ich denke, es gibt dieses Jahr mehr Möglichkeiten, die Saison bis zum Ende zu planen. 19/20 waren wir stark genug, die Liga zu gewinnen. Da wussten wir, dass wir in den Playoffs jeden schlagen können und haben fast nur noch auf diese Herausforderung geguckt. Dann wurde die Saison abgebrochen. Vergangenes Jahr wusste man nicht, ob man nächste Woche noch spielt. Wir sind mit einer Siegesserie in die Playoffs gegangen, aber dann durften wir drei Wochen wegen Corona nicht gescheit trainieren, das hat uns weh getan. Es gab keinen Weg, sich darauf vorzubereiten. Wir sind danach nicht mehr zu dem Level zurückgekehrt, auf dem wir vorher waren.
Was sind Ihre Saisonziele?
Zu gewinnen. Das ist unser absolutes Ziel. Wir haben die Messlatte und den Standard hochgesetzt. Wir gehen mit Respekt für jeden Gegner in die Saison. In jedem Spiel wird unser Team aber gut genug sein, gewinnen zu können. Es ist Aufgabe der Spieler und Trainer, bereit zu sein. Aber: Es gewinnt nicht immer das bessere Team – das ist die Natur des Sports, dafür lieben wir ihn. Unser Ziel: Wir wollen die Huskies-Fans, die in die Halle kommen, stolz machen.

Großer Umbruch in Bad Tölz

Die Tölzer Löwen erlebten einen großen Umbruch. Torjäger Max French musste die Karriere beenden, Topscorer Marco Pfleger, Verteidiger Andreas Schwarz, Toptalent Luca Tosto und Torhüter Maximilian Franzreb verließen den Klub. „Das ist ein großer Verlust. Ich habe sie aber in der Vorbereitung beobachtet, sie haben noch immer viel Talent und einen größeren Kader. Mit Ian Brady haben sie einen Top-Verteidiger verpflichtet, mit Tyler McNeely und Lubor Dibelka gefährliche Stürmer“, sagt Huskies-Trainer Tim Kehler. Er erwartet einen hart spielenden Gegner.

Kehler hofft, dass seine angeschlagenen Spieler dabei sein können: „Beim Training waren alle auf dem Eis. Entscheidungen gibt es aber erst am Freitag.“ Im Tor wird Jerry Kuhn starten. „Ich erwarte eine Partie mit viel Energie. Das wird ein gutes Eröffnungsspiel für uns“, so Kehler.

Von Pascal Spindler Und Björn Friedrichs

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