Erinnerungen an Berlin

„Ein für die Huskies einmaliger Erfolg“: Vizemeister-Trainer Gerhard Brunner im Interview

Im vergangenen Jahr in Kassel: Gerhard Brunner.

Kassel. Er kam, sah und siegte: Der Bad Tölzer Gerhard Brunner kam im August 1996 von der Düsseldorfer EG, deren Jugendmannschaften er erfolgreich trainiert hatte, nach Kassel. Acht Monate später waren die Huskies Deutscher Vizemeister. Mit dem damaligen Trainer haben wir gesprochen.

Herr Brunner, wie oft denken Sie an die ersten April-Tage des Jahres 1997?

Gerhard Brunner: Sehr oft. Besonders im März und April, wenn im Eishockey Playoff-Zeit ist.

Welche Gefühle überwiegen. Stolz über die Vizemeisterschaft oder Wehmut wegen der gegen die Adler Mannheim verlorenen Finalserie?

Brunner: Der Stolz über das Erreichte überwiegt, denn das war für die Huskies ein einmaliger Erfolg. Und für mich hat die Vizemeisterschaft mit den Huskies einen höheren Stellenwert als spätere Erfolge mit der Düsseldorfer EG und den Kölner Haien.

War die Vizemeisterschaft ein traumhafter Erfolg oder war es ein realistisches Ziel, soweit zu kommen?

Brunner: Die Vizemeisterschaft war kein realistisches Ziel. Insgeheim hatten wir mit den Playoffs geliebäugelt, aber auch ein Platz unter den besten acht Mannschaften Deutschlands war für die Huskies kein realistisches Ziel. Aber nach einigen Wochen habe ich schon gemerkt, dass in dieser Mannschaft viel Potenzial steckte.

An was erinnern Sie sich besonders gern, wenn Sie an die Saison 1996/1997 denken?

Brunner: An erster Stelle steht das vierte Halbfinalspiel gegen die Eisbären in Berlin. In der Serie lagen wir 2:1 vorn, und 2:1 für uns war auch das Ergebnis kurz vor Schluss in diesem Spiel. Die Eisbären waren dem Ausgleich nahe, und irgendetwas musste geschehen. Dann habe ich den Schiedsrichter so lange provoziert, bis er mich auf die Tribüne geschickt hat. Das hatte eine ziemlich lange Pause zur Folge, und die Eisbären kamen aus dem Rhythmus. Dann hat Greg Johnston das Tor zum 3:1-Endstand erzielt, und wir haben den Einzug in die Finalserie gegen die Mannheimer Adler gefeiert.

Gibt es auch unschöne Erinnerungen?

Brunner: Nicht an die Saison 1996/1997. Die Zusammenarbeit mit Präsident Gerhard Swoboda und Manager Uli Egen war hervorragend. Leider änderte sich das in der folgenden Saison sehr schnell.

Darauf kommen wir gleich noch zurück, aber jetzt bleiben wir erst mal bei der Vizemeisterschaft-Saison. Hatten Sie einen Lieblingsspieler?

Brunner: Ich hatte nicht nur einen, ich hatte sehr viele Lieblingsspieler. Als Erster fällt mir Roger Öhman ein. Aber auch Greg Johnston, Greg Evtushevski, Bruce Eakin und Mike Millar waren ganz tolle Spieler und Menschen. Auch mit den deutschen Spielern Toni Krinner, Tino Boos und Falk Ozellis habe ich sehr gern gearbeitet.

Obwohl Sie mit Ihrer Mannschaft Vizemeister geworden waren, sind Sie schon nach wenigen Wochen der folgenden Saison entlassen worden. Was war passiert?

Brunner: Ich hatte leider nicht die Chance, mit den neuen Spielern etwas aufzubauen. Im Eishockey kommt es so gut wie gar nicht vor, dass ein Trainer schon nach drei Spielen entlassen wird, aber Swoboda und Egen sind schon nach zwei Niederlagen nervös geworden.

War es richtig, so viele Spieler auszutauschen?

Brunner: Nein, das war ein Fehler. Ich hätte am liebsten mit der kompletten Vizemeister-Mannschaft weitergearbeitet.

I st Ihre Entlassung damals Ihnen gegenüber begründet worden?

Brunner: Nein, aber später hat Gerhard Swoboda meine Entlassung als seinen größten Fehler bezeichnet.

Werden bei dem Gedanken an Kassel eher die positiven oder mehr die negativen Erlebnisse wach?

Brunner: Nur die Positiven. Aber lassen Sie mich zum Schluss noch eins sagen. Es stimmt, dass die Huskies-Fans die besten Fans sind. In Deutschland gibt es jedenfalls keine Besseren.

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