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Von Kaufbeuren 7:1 vorgeführt: Offenbarungseid der Huskies

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Von: Björn Friedrichs

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Fanden nicht ins Spiel: die Kassel Huskies mit (rechts) Troy Rutkowski beim ESV Kaufbeuren mit Fabian Voit.
Fanden nicht ins Spiel: die Kassel Huskies mit (rechts) Troy Rutkowski beim ESV Kaufbeuren mit Fabian Voit. © Fischer, Andreas

Es fehlen Spieler, die Belastung ist hoch - trotz alledem ist die Leistung der Kassel Huskies bei der 1:7 (0:3, 0:1, 1:3)-Niederlage in Kaufbeuren am Samstag ein peinlicher Offenbarungseid.

Torhüter Jerry Kuhn ist wieder dabei, ersetzt den angeschlagenen Jonas Neffin. Jan-Ole Thomsen ist als Back-up mit dabei. Von den anderen angeschlagenen Spielern - Fabian Ribnitzky, Tim Lucca Krüger und Lukas Laub - ist keiner rechtzeitig fit, auch Jake Weidner und Corey Trivino fehlen noch im Aufgebot.

Was den Huskies aber bleibt, ist die schwer zu erklärende Schwäche zu Spielbeginn. Fehlpässe, leichte Puckverluste, konteranfällig: Die Huskies haben aktuell allerhand Baustellen - auch, aber sicher nicht nur wegen des eigentlich nicht zu bewältigenden Spielplans. Kassel hat zwar den ersten Abschluss durch Lois Spitzner, dann brennt es aber beinahe im Sekundentakt lichterloh. John Lammers läuft allein auf das Tor zu (1.), auch Philipp Krauß (2.). Beide Male rettet Kuhn, auch im Gewühl vor seinem Kasten kurz darauf verhindert er den Einschlag (3.).

Wieder hoher Rückstand nach erstem Drittel

Der verdiente frühe Rückstand folgt Kuhns Glanztaten zum Trotz. Den ersten Schuss von Alexander Thiel wehrt der Goalie noch ab, dann staubt aber Florian Thomas zur Kaufbeurer Führung ab (3.). Kurz darauf verhindert er bei einer Zwei-auf-Eins-Situation mit dem Schoner gegen Simon Schütz das frühe 0:2 (6.).

Und die Huskies? Finden selten nach vorne, strahlen wenig Gefahr aus. Mitch Wahl bedient Jamie MacQueen vor dem Tor, der scheitert an ESVK-Torwart Thomas Höneckl (12.). Für den neu verpflichteten Torhüter ist es der erste Einsatz für Kaufbeuren - von den Huskies wird er lange nicht geprüft.

Die Hausherren hingegen haben leichtes Spiel, nutzen ihre Chancen im Verlauf entschlossen aus. Markus Lillich per Schlagschuss (15.) und Mikko Lehtonen mit einem Schlenzer in Überzahl erhöhen auf 3:0 (19.). Das erinnert arg an die Niederlage der Huskies am Donnerstag, als sie gegen Heilbronn ebenfalls deutlich zurücklagen - da aber ein Comeback starteten.

Das wäre anfangs auch in Kaufbeuren drin gewesen. Brett Cameron scheitert noch am stark reagierenden Höneckl, kurz darauf liegt die Scheibe aber im Tor. Paul Kranz hatte abgestaubt, einzig: Die Schiedsrichter geben das Tor nach Videobeweis nicht. Ein Vergehen war da eigentlich nicht zu sehen.

Viele Frustfouls, viele Strafen

Gegen Heilbronn folgte die sportliche Reaktion, in Kaufbeuren lediglich eine körperliche, teils unsportliche. Kapitän Denis Shevyrin lässt sich nach zweieinhalb Minuten im zweiten Drittel zu einem Stockcheck ins Gesicht von Max Oswald hinreißen, nachdem dieser ihm einen Check mit dem Knie verpasst hatte. Shevyrin wird von den Schiedsrichtern daraufhin in die Kabine geschickt. Fünf Minuten Powerplay gibt es für die Hausherren, lange passiert nichts. Dann kontern die Huskies, Cameron legt quer, aber Hans Detsch scheitert an Höneckl. Und es kommt, wie es kommen muss: Gegenangriff, vier Kaufbeurer gegen zwei Kasseler, trockener Schlenzer von Tyler Spurgeon - 4:0 (27.).

Dass die Huskies das Spiel noch drehen, ist spätestens jetzt kein Thema mehr. Konnte man sich in den letzten zwei Spielen noch auf das eigene Powerplay verlassen, ist auch da der Wurm drin. Zweimal sind die Huskies im zweiten Drittel in Überzahl, keine einzige gefährliche Chance springt dabei heraus.

Auch gleich zu Beginn des Schlussdrittels sind die Huskies im Powerplay. Tim Kehler holt Kuhn aus dem Tor, will die letzte Chance nutzen. Das Vorhaben hält 30 Sekunden, da kassiert MacQueen eine Strafe. So verpufft auch diese Möglichkeit. Oder doch nicht? Bei Vier-gegen-Vier nimmt sich Verteidiger Stephan Tramm ein Herz, tanzt sich links durch und trifft aus ganz spitzem Winkel zum 1:4.

Am Ende wird es deutlich

Es bleibt ein Strohfeuer. Die Huskies bringen sich mit Frust- und Revanchefouls selbst in Not. Detsch sitzt schon auf der Strafbank, da kommt Oli Granz mit 2+2+2 (!) Strafminuten für Stockcheck und unnötige Härte dazu. Kaufbeuren spielt geduldig, sucht die Lücke - und findet sie. Spurgeon drückt den Puck zum 5:1 über die Linie (51.). Damit nicht genug: Spurgeon legt vor dem Tor quer, Daniel Diebolder trifft heranrutschend mit dem Schlittschuh zum 6:1 (56.).

Dann hat auch Joel Broda genug, checkt Oswald um, muss auf die Strafbank. Provokateur Oswald revanchiert sich mit dem 7:1 (58.). Als Broda zurückkommt von der Strafbank, geht er direkt wieder auf Oswald los, dann ist das Spiel vorbei. Das Ende eines furchtbaren Auftritts.

Klar, es fehlen verletzte Spieler, die Belastung ist hoch. Für diesen Offenbarungseid kann das aber keine Entschuldigung sein. So werden es harte zweieinhalb Wochen bis zum Ende der Hauptrunde. Dieser Auftritt lässt alle, die es mit den Kassel Huskies halten, ratlos zurück.

Die Statistik:

Tore: 1:0 (2:54) Thomas (Lewis), 2:0 (14:08) Lillich (Thomas, van der Linde), 3:0 (18:04) Lehtonen (Lammers - 5:4), 4:0 (26:48) Spurgeon (Lammers, Höneckl - 5:4), 4:1 (43:09) Tramm (/ - 4:4), 5:1 (50:33) Spurgeon (Lammers, Lehtonen - 5:3), 6:1 (55:32) Diebolder (Spurgeon), 7:1 (57:39) Oswald (Diebolder, Schütz - 5:4)

Schiedsrichter: Haupt/Kapzan - Z: 1330

Strafminuten: Kaufbeuren 12 - Kassel 25 + Spieldauer Shevyrin

Von Björn Friedrichs

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