Gegen Frankfurt und Bad Nauheim

Vor Ort bei der U20 der Eishockey-Jugend Kassel: Doppelte Derbystunde

Kapitän und Mann für wichtige Tore: Lasse Bödefeld traf zum 5:4 gegen Bad Nauheim. Drei Fotos: Andreas Fischer

Knallen tut er nicht, der Startschuss. Er kommt als energische Frage von Trainer Milan Mokros daher: „Seid ihr bereit?“ Die Antwort, klar, ein noch viel energischeres „Ja“ aus 16 Kehlen. Dann öffnet der Coach die Kabinentür und eröffnet das Derbywochenende seiner Jungs, der U20-Mannschaft der Eishockey-Jugend Kassel. Eines, das sie auch nicht alle Tage haben in der DNL2, Division 3.

Wir sind vor Ort gegen Frankfurt am Samstag und am Sonntag, als Bad Nauheim da ist.

Gegen Frankfurt

„Frankfurt ist das größere Derby, das kommt von den Großen auf uns zurück“, erklärt Kapitän Lasse Bödefeld später. Die Großen – das sind die Zweitligaprofis der Huskies. Die Duelle mit dem Rivalen aus Südhessen sind die Höhepunkte im Spielplan. Und das Derby zwischen den ältesten Nachwuchsteams und dem der Großen, es gleicht sich in vielem. Nur, das alles eine Nummer kleiner ist, familiärer und manchmal doch ein bisschen anders.

Dass Kasseler und Frankfurter aus einem Kabinengang hintereinander aufs Eis gehen? In der DEL2 unvorstellbar, hier aber der Auftakt. Dass die 50, 60 Zuschauer auf den Rängen manches lautstarke Kommando des Coaches gut verstehen können, bei den Großen und tausenden Zuschauern unmöglich. Hier aber der Fall.

Auf dem Eis aber, da geht’s hoch her – wie bei den Großen. Es ist ein enges Spiel, umkämpft, mit viel Tempo, fünf Toren im ersten Drittel. Timon Langnese gibt den Doppelpacker, trifft zum 1:1 (12. Spielminute) und 2:3 (19.). Es sollen die einzigen Kasseler Tore bleiben an diesem Nachmittag.

Auch wenn Carmen Kraft, die Frau für alle Fälle, gern noch mehr Treffer für ihre EJK durchgesagt hätte. Die 52 Jahre alte Kaufungerin ist nicht nur Spielermama, Sohn Tobias stürmt mit der Nummer 27. Sie ist Hallensprecherin, Schriftführerin, Mannschaftsleiterin, Betreuerin im Training, bei Auswärtsfahrten auch schon mal Busfahrerin. Viel Herzblut und noch mehr Stunden ihrer Freizeit stecken Ehrenamtliche wie sie ins Nachwuchsteam. Sie allein sechs Stunden rund ums Derby. Neben ihr bedient John Roberge die Anzeigentafel – sein Sohn Max steht im Tor. „Das läuft alles Hand in Hand“, erklärt Kraft. „Ohne Idealismus geht’s nicht.“ Und ohne Mitfiebern auch nicht. Ulrike Langnese ist nicht da. „Ansonsten aber sind wir zwei die emotionalste Zeitnehmerbank“, gesteht Kraft. „Wir fallen uns bei jedem Tor in die Arme.“

Auf den Rängen ist Mitfiebern nicht nur Ehrensache, sondern auch eine Frage guter Stimmbänder. Ingo Schulmeier, Dauergast bei Heimspielen der U20, hat sanges- und trommelfreudige Unterstützer mitgebracht. Nicht nur Simon Apel, Spitzname Monsi, Chef vom Huskies-Fanklub Blau-Weiße Wadenbeißer ist da. Leon Euler (13) und Elias Maurice Becker (12) stimmen sämtliche Schlachtenrufe an, die es im Kasseler Eishockey so gibt und haben auch Spott für die Frankfurter parat, skandieren „Löwen in den Zoo“. Hilft leider nichts. Kurz vor dem Ende treffen die ins verwaiste Kasseler Tor und besiegeln die 2:4 (2:3, 0:0, 0:1)-Niederlage.

Gegen Bad Nauheim

Sonntagmittag, auf den Rängen ist noch mehr los als am Vortag, auch sportlich läuft’s besser: 5:4 (2:1, 2:1, 1:2) heißt es gegen Bad Nauheim. 42 Sekunden vor dem Ende avanciert der Kapitän zum Derbyhelden. Mit erhobenen Armen jubelt Lasse Bödefeld. „Das war der Ausgleich für gestern“, sagt er. Und auch Trainer Mokros ist zufrieden. „Der Eishockeygott stand am Ende auf unserer Seite. Sportlich war es ein Wochenende mit Tiefen und Höhen. Wie das so ist bei jungen Menschen: Wenn sie sich aufs Spiel konzentrieren, können sie schönes Eishockey spielen.“

Mokros, der schon so viele Kasseler Teams trainiert hat, ergänzt grinsend: „Es ist die gleiche Arbeit wie mit Erwachsenen, aber die Erwachsenen sind gerade nicht in der Pubertät.“ Aber Derbysiege, die feiern Kleine und Große besonders gern.

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