Eishockey / Interview

Joe Gibbs: „Huskies brauchen auch 2021 weiter Unterstützung“

Eishockey, DEL2 - Joseph „Joe“ Gibbs, Geschäftsführer der Kassel Huskies; Porträt Portrait
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Joseph „Joe“ Gibbs, Geschäftsführer der Kassel Huskies

„Halbzeit“ in der DEL2 – und die Huskies führen die Tabelle klar an. Sportlich ist also alles klar, aber wie sieht es wirtschaftlich aus, wie sind die Perspektiven? Wir ziehen Zwischenbilanz mit Joe Gibbs. Das Fazit im Interview: Kassels Eishockey-Zweitligist lebt zwischen Hoffen und Bangen.

Herr Gibbs, wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Positiv. Wir können trotz Corona tatsächlich Eishockey spielen, das steht über allem.

Ebenso wie die Huskies in der DEL2-Tabelle ...

Gut, oder!? Als Spitzenreiter können wir sehr zufrieden sein. Die Mannschaft, die Trainer und das große Team ums Team leisten trotz widriger Umstände großartige Arbeit. Das zahlt sich zum Glück im Erfolg aus.

2020 bekam die Formkurve nach der Halbzeit einen Knick. Haben Sie Sorge, dass sich das wiederholt?

Nein. Natürlich kann ein Tief immer kommen. Entscheidend ist, dass man gut und rasch wieder heraus kommt. Und der super Charakter der Jungs lässt mich hoffen. Wir sind gut aufgestellt.

Was war positiv, was trübt die Bilanz?

Der Zusammenhalt im gesamten Huskies-Gefüge ist großartig, auf allen Ebenen. Der Stress ist für alle groß angesichts der Pandemie mit ihre vielfältigen Herausforderungen und Zwängen. Aber bisher haben wir alle Hürden gemeinsam gut genommen, auch weil das Hygienekonzept trägt. Für die Mannschaft ist es gut gelaufen, viele Spieler entwickeln sich prima weiter. Und es sind nur zwei Spiele ausgefallen, das Team bleibt bisher besser im Rhythmus als andere.

Alles prima also?

Nein, leider nicht. Es ist so schade, dass wir diese erfolgreiche Saison nicht gemeinsam mit vielen Fans erleben und genießen können. Was wäre in der Halle losgewesen beim 7:0 gegen Frankfurt und im fantastischen zweiten Drittel gegen Freiburg!?

Halten denn die Huskies finanziell durch bis zum Saisonende ohne Fans?

Das hoffen wir, dafür geben wir alles mit unseren sehr treuen Sponsoren und den Fans. Aber die Ungewissheit ist groß, nachdem die staatlichen Hilfen zunächst nur bis zum 31. Dezember gelaufen sind. Wir brauchen zum Überleben auch jetzt 2021 weitere Unterstützung von Staat, Land und Stadt – und möglichst schnell Klarheit, genau wie andere Vereine und Firmen auch. Aber: Ich bleibe Optimist, dass wir das hinbekommen und auch noch vor Fans spielen werden. Allerdings werden wir diese Öffnung nicht einfordern, denn die Gesundheitsbehörden haben es schwer genug und tun, was sie können.

Die DEL2 meldet, dass der Pay-TV-Sender Sprade die Zuschauerzahlen verdoppelt hat und die Klubs cirka acht Euro pro Tageskarte erhalten. Wie wirkt sich das für die Huskies aus?

Gut, klar. Jeder einzelne Zuschauer hilft uns, und Sprade.TV hilft jedem Fan, an uns und dem Eishockey dranzubleiben. Aber über Zahlen spreche ich auch jetzt nicht.

Bleibt der Blick nach vorn. War die überraschende Spielplan-Änderung der DEL2 nötig?

Ja. Wir wollen uns damit absichern und weitere Terminalternativen bekommen, falls die Pandemie sich örtlich doch schlechter entwickeln sollte als erhofft und mehr Spiele verlegt werden müssen. Die Änderung ist eine Konsequenz aus der Entwicklung der letzten Wochen, langsam gereift und somit keine spontane Sache.

Was bedeutet sie für die Huskies?

Zunächst nichts Negatives, sie gibt mehr Sicherheit und nur wenig Änderungen, falls wir und unsere Gegner von Corona verschont bleiben.

Wie also plant der Zweitliga-Spitzenreiter jetzt den Aufstieg in die DEL?

Vorsichtig. Noch vorsichtiger als in einer normalen Saison, weil es jetzt von Woche zu Woche noch viel mehr Ungewissheit gibt. Aber wir sind dran. Und die Signale unserer Sponsoren und Fans sind sehr ermutigend, dass die DEL 2021/22 in Kassel machbar sein kann. Allerdings sind Unterschriften mehr wert als Signale. Und: Vor allem steht der sportliche Erfolg. Gerald Schaumburg

Zur Person

Joseph „Joe“ Gibbs, *19.3.1960, kam 1979 aus seiner Heimat Toronto (Kanada) nach Braunlage. Dort spielte der Eishockey-Mittelstürmer 1980 - 82, danach in Geretsried (82/83), Zweibrücken (83/84) und Rödermark (84 - 86). Nach einem Studium der Immobilienwirtschaft war er 95/96 Manager des ESV Kaufbeuren, Geschäftsführer der Kassel Huskies (1999 - 2005), und in Nürnberg (2006/07). 2008 gründete er eine Agentur für Sportmarketing, die zwischenzeitlich auch den KSV Hessen Kassel betreute. Seit 2014 ist er wieder Huskies-Geschäftsführer, seit 2017 alleiniger Eigentümer und Inhaber der Eissporthalle. Seit 1991 ist Gibbs verheiratet mit Katherine, er ist Vater einer Tochter und zweifacher Großvater. Das Paar lebt in Kaufungen.  (sam)

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