Kassel heute in Freiburg

Jerry Kuhn steht bei 103 Huskies-Spielen: „Wir sind hier keine Ausländer“

Torwart Jerry Kuhn hat inzwischen mehr als 100 Spiele für die Kassel Huskies gemacht.
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Torwart Jerry Kuhn hat inzwischen mehr als 100 Spiele für die Kassel Huskies gemacht.

Er ist der Torwart mit den fünftmeisten Einsätzen in der Geschichte des Klubs: Jerry Kuhn hat vor Kurzem sein 100. Spiel für die Kassel Huskies gemacht. Darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Kassel – Vier Siege in Folge – die Kassel Huskies haben mit dem 5:2 (2:0, 1:0, 2:2) am Sonntag gegen Landshut die Erfolgsserie in der DEL 2 ausgebaut. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht, erst am Ende ein bisschen locker gelassen nach der Drei-Tore-Führung. Das hätten wir konsequenter spielen können, insgesamt war es aber eine gute Teamleistung“, sagte Tim Lucca Krüger, der in der Schlussminute den Endstand erzielte. Schon heute geht es für die Kasseler Eishockey-Profis in Freiburg weiter (19.30 Uhr).

Einer, der dann die Punkte festhalten soll, ist Torhüter Jerry Kuhn. Vor drei Wochen machte er in Weißwasser sein 100. Spiel für die Huskies. „Jerrys größte Fähigkeit ist seine mentale Stärke. Er ist ein Anführer, von großem Wert für die Huskies und für mich“, sagt Trainer Tim Kehler. Heute folgt Kuhns Spiel Nummer 104, damit ist er der Torwart mit den fünftmeisten Partien für Kassel. Wir haben mit ihm gesprochen. Das sagt Kuhn über ...

... seine Anfänge:

„Schon mein Vater und dessen Stiefvater waren Goalies. Es war also von Anfang an in meinem Blut. Ich fing als Stürmer an, war aber schon damals bei uns im Keller Torwart, wenn meine Brüder geschossen haben. Es ist das, was ich immer machen wollte. Auch mein Sohn Brix geht jetzt schon gerne ins Tor. Meine Tochter Andi hingegen liebt es, zum Turnen zu gehen, und macht Zuhause immer Kopfstände.“

... seine Vorbilder Mike Richter und Tim Thomas:

„Sie sind zwei der besten Goalies, die in Amerika geboren wurden. Beide waren – genau wie ich – nicht die größten, sie haben aber umso mehr gekämpft und gezeigt: Es ist egal, wie der Schuss gehalten wird – Hauptsache, er wird gehalten. Das versuche ich auch. Dass ich eher ein kleiner Torwart bin, hat schon in meiner Jugend eine Rolle gespielt. Ich bin in Michigan aufgewachsen, im Alter von 14 oder 15 wird man da für die Top-Juniorenligen gedraftet. Alle sagten: Jerry ist sehr gut, aber zu klein. Ich hatte schon immer die Aufgabe auf den Schultern, mich den Leuten um mich herum erst mal beweisen zu müssen.“

... seinen Wechsel im Februar 2019 von Wolfsburg nach Kassel:

„Das war ein Neustart. Ich hatte in Wolfsburg ein hartes Jahr, wollte mit meiner Familie wieder in eine Umgebung, die uns glücklich macht. Ich wusste aus meiner Bremerhavener Zeit, dass Kassel ein Traditionsverein mit leidenschaftlichen Fans ist.“

Ein Bild von 2019: Damals kam Kuhn aus Wolfsburg nach Kassel.

... seine Zeit in Kassel:

„Ich wusste nicht viel über die Stadt, aber wir als Familie haben uns direkt in Kassel verliebt. Wir sind hier keine Ausländer, wir sind Teil der Gemeinschaft. Und wir versuchen, auch einen Beitrag zu leisten, um uns zu integrieren. Es ist unser Zuhause, Kassel hat viel zu bieten. Es gibt super Restaurants, Nachtleben, Parks, viel Natur. Die Leute sind sehr nett.“

... das Zusammenleben im Haus von Huskies-Urgestein Michi Christ:

„Als wir nach Kassel kamen, wandelte er sich gerade vom Party-Guy zu einem Familienmenschen. Er ist ein sehr guter Freund, versteht sich auch mit den Kindern. Er gehört zu unserer Familie. Wenn wir beide Zeit haben, sitzen wir gerne bei einem Bier zusammen.“

... sein 100. Spiel:

„Ich wusste das nicht. Meine Frau hat ein Auge auf solche Dinge, sie hat mich danach darauf aufmerksam gemacht. 100 Spiele für diesen Klub zu machen, ist speziell für mich, auch wenn ich kein Zahlenmensch bin. Es hätten ja auch viel mehr sein können. Goalies in anderen Vereinen spielen 45 bis 50 Spiele pro Saison. Das ist für mich aber nicht das Wichtigste. Mir wird hier die Verantwortung gegeben, junge Torhüter wie Leon Hungerecker und Jonas Neffin weiterzuentwickeln. Die beiden haben eine große Zukunft. Es ist wichtig, dass sie Spielzeit bekommen. In Kassel kriegen sie das Vertrauen.“

... die Zukunft:

„Ich möchte weiter spielen und solange ich einer der Besten der Liga bin, mache ich weiter. Gern würde ich bis zum Karriereende bei den Huskies bleiben. Eishockey ist aber auch ein Geschäft, man kennt die Zukunft nicht. Das Einzige, was ich machen kann, ist gute Leistungen zu zeigen.“

... das Spiel in Freiburg:

„Das wird eine schwere Partie. Sie spielen inzwischen viel besser. Es wurde von ihnen – wie von uns – erwartet, ein Top-Vier-Team zu sein. Solche Erwartungen können einen auch behindern.“

Die Rekordtorhüter der Huskies

Das sind die Torhüter der Kassel Huskies mit den meisten Einsätzen:

1. Chris Rogles (1998 bis 2001), 175 Spiele

2. Joaquin Gage (2003 bis 2006), 145 Spiele

3. Markus Keller (2015 bis 2018), 138 Spiele

4. Pavel Cagas (1995 bis 1998), 117 Spiele

5. Jerry Kuhn (2018 bis heute), 103 Spiele

Von Björn Friedrichs

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