Neue Aufgaben nach dem Karriereende

Michi Christ und Derek Dinger im Interview: „Kassel Huskies sind kein kleiner Verein“

Michi Christ und Derek Dinger tauschen das Spielertrikot der Kassel Huskies gegen neue Aufgaben.
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Michi Christ und Derek Dinger tauschen das Spielertrikot der Kassel Huskies gegen neue Aufgaben.

Zwei langjährige Spieler der Kassel Huskies haben ihr Karriereende erklärt. Im Interview sprechen Michi Christ und Derek Dinger über Höhepunkte sowie neue Aufgaben.

Kassel – „Hört sich gestresst an, der Mann. Willkommen in der Arbeitswelt.“ Das sagt Michi Christ (32), kurz nachdem er mit Derek Dinger (34) telefoniert hat. Dinger verspätet sich leicht für das Interview, das wir mit den beiden Kasseler Eishockey-Profis zu ihrem Karriereende und den neuen Aufgaben bei den Kassel Huskies führen.

Am Samstag (10.07.2021) können sich auch die Fans in Kassel mit ihren beiden Idolen austauschen: Zwischen 13 und 16 Uhr sind Dinger und Christ beim Stuhlverkauf an der Eishalle vor Ort.

Langjährige Spieler der Kassel Huskies beenden Karriere: Christ und Dinger im Interview

Kurz nach Bekanntgabe des Karriereendes: Wie fielen die Reaktionen aus?
Christ: Mich hat die Menge an Resonanz überrascht. Es haben sich viele Leute gemeldet – auch von früher, zu denen man nicht mehr so viel Kontakt hat. Es war sehr positiv, alle haben gratuliert. Da war ich schon stolz drauf, auch wenn der Entschluss ja schon eine Weile zurückliegt. Ein schönes Gefühl.
Dinger: Das kann ich unterschreiben. Ich war froh, dass keiner geschrieben hat: „Endlich, das kommt zwei Jahre zu spät“. Wir sind ja beide auch schon voll drin im neuen Job bei unserem Heimatverein, deshalb spielt Wehmut kaum eine Rolle.
Christ: Dass es mit der Stelle jetzt so schnell ging, hat mich überrascht. Eigentlich wollte ich meinen Pool mit meinem Bruder fertigbauen und dann in den Urlaub. Dann ging es quasi von Null auf Hundert weiter.
Habt ihr euch schon an den Arbeitsalltag gewöhnt?
Dinger: Wir lagen ja als Spieler nicht bis mittags im Bett, waren morgens spätestens um 9 Uhr zum Training in der Halle. Deshalb ist das frühe Aufstehen kein Problem. Ungewohnt ist noch diese Nine-to-five-Mentalität.
Christ: Es gibt Tage, da muss ich um 7 Uhr auf der Matte stehen. Aber ich hab die Einstellung: Es gibt Aufgaben, die müssen erfüllt werden. Wenn der Wecker um 6 Uhr geht, dann ist das halt so.
Dinger: Da hat uns auch der Sport geholfen – mit der Disziplin, die wir seit Kindheitstagen beigebracht bekommen haben.
Christ: Schon im Internat wurde das vorgelebt. Es ist schon interessant, wie diese Tugenden auch in der Arbeitswelt gelebt werden ...
Dinger: ...hast du ja vorhin gesehen, ich kam erstmal mit Verspätung. (lacht)
Christ: Wir fangen beide nicht bei Null an. Wir haben uns mit der Karriere eine Position erarbeitet, man hat eine viel höhere Anerkennung. Das macht es einfacher.
Dinger: Wir machen ja keinen XY-Job, sondern sind immer noch hier und arbeiten im Sport. Das hilft mir sehr. Wenn wir morgens beim Kaffee sitzen, erzählen wir uns immer noch den gleichen Quatsch wie vorher und gehen dann ans Arbeiten.
Christ: In einer Bank könnt’ ich wohl nicht arbeiten. (lacht)
Beschreibt doch mal die Karriere des anderen.
Dinger: Wenige Worte reichen nicht aus, um Michis Karriere und Bedeutung für das Kasseler Eishockey auszudrücken.
Christ: Derek ist zwei Jahre älter als ich. Als ich groß geworden bin, hieß es immer, sein 87er-Jahrgang sei unglaublich stark. Die besten jungen Verteidiger waren René Kramer und Derek Dinger, zu denen haben alle hochgeguckt.
Dinger: ...und dann ging’s bergab. (lacht)
Christ: Quatsch. Derek wurde Deutscher Meister mit Ingolstadt, das schaffen nicht viele. Dazu hat er mehr als 500 DEL-Spiele. Ich hatte die Ehre, immer für meine Heimatstadt zu spielen, aber wenn man auf die Erfolge schaut, hat Derek mehr erreicht.
Dinger: Das finde ich überhaupt nicht. Ich ziehe den Hut vor Michi. Damals wie heute verbrennen viele Talente vor der Sonne – durch irgendwelche Regelungen oder weil Trainer nicht auf sie setzen. Das gilt auch für viele Jungs aus Kassel. Das sehe ich kritisch. Ich hätte gern einen Hans Zach als Trainer gehabt, der auf junge Deutsche gesetzt hat.
Michi Christ im Gespräch.

Langjährige Spieler der Kassel Huskies im Interview: Das ist wichtig für den Verein und die Fans

Der Huskies-Weg war immer, auf eigene Talente zu setzen.
Dinger: Es gibt wohl kaum einen Verein, der so viele Spieler aus der eigenen Stadt auf der Platte hatte. Dieser Weg ist sehr wichtig – für die Region, die Fans, den Verein.
Christ: Das war immer das Besondere – auch wenn unsere Ausbildung wegen wenig Eiszeit größtenteils nicht hier stattgefunden hat mit Ausnahme von Manu Klinge. Wir sind kein kleiner Verein, aber in der Hinsicht schon.
Dinger: In den letzten Jahren sind einige Kasseler aus unserer Generation weggefallen. Ich hoffe, dass Neue nachrücken – wie zum Beispiel Paul Kranz. Ich hoffe, dass er seine nächsten Schritte macht und zur festen Größe wird.
Was für Erinnerungen an früher verbinden euch?
Christ: Ich habe mit Derek noch in der Jugend zusammengespielt, ehe wir beide in die Internate gegangen sind.
Dinger: Da haben wir dann gegeneinander gespielt.
Christ: Da gab’s doch auch eine Massenschlägerei gegeneinander! (lacht) Im Berliner Wellblechpalast, ich mit Mannheim, du mit Ber
Derek Dinger im Gespräch.

Das machen die beiden Spieler der Kassel Huskies nach dem Karriereende

Wie war der Kontakt in der Zeit, als ihr nicht zusammengespielt habt?
Dinger: 2016 kam ich nach Kassel und die Huskies wurden Meister. Da haben wir uns auf der Straße getroffen.
Christ: ...mit drei Promille. (lacht)
Dinger: Daran kann ich mich noch gut erinnern. Michi sagte: „Wird Zeit, dass du zurückkommst.“ Zwei Jahre später war es dann so weit. Die Zeit, in der wir zusammengespielt haben, war richtig schön.
So erfolgreich war das anfangs 2009/10 in der DEL ja noch nicht...
Dinger: Moment mal, wir haben am ersten Spieltag den Meister Berlin mit 8:3 abgefertigt. Da waren wir Erster!
Christ: Da dachten wir, wir wären die Stars. (lacht)
Dinger: Wir waren bis zur Deutschland-Cup-Pause auf einem Playoff-Platz, ehe es bergab ging.
Wie sehen eure Aufgaben bei den Huskies nun aus?
Christ: Ich bin Ansprechpartner hier auf der Baustelle als Zwischenstelle zwischen Architekt und Firmen. In Zukunft werde ich mich um das Personal am Spieltag kümmern und um die Eisbelegung von Profis und Jugend. Mein Aufgabenfeld umschließt alles rund um die Halle.
Dinger: Ich verstärke die Marketing- und Presseabteilung. Da arbeite ich mit Jason Schade zusammen, der als Pressesprecher im letzten Jahr schon viel zu schultern hatte. Ich werde ihm Arbeit abnehmen und kann zugleich auf seine Expertise vertrauen. Wir ergänzen uns sehr gut.
Welche Eigenschaften könnt ihr vom Eis in den neuen Job mitnehmen?
Dinger: Disziplin, Durchhaltevermögen, dazu als Beispiel Michis Arbeitsauffassung, nichts schleifen zu lassen. Ich denke, wir unterscheiden uns da nicht sehr.
Christ: Wenn der Trainer im Sport sagt, heute werden Linienläufe gemacht, hat man da auch keinen Bock drauf, aber man muss es machen.
Dinger: Man kann auch sagen, ich komm nicht mehr, aber dann hat man halt keinen Job mehr. (lacht)
Christ: Was man im Profisport lernt, hilft einem im späteren Job weiter. Davon bin ich überzeugt. Für mich ist es aktuell ein bisschen so, als würde ich in den Teich springen und dann schwimmen lernen. Es gab noch keinen Hallenmanager oder eine Übergangsphase, aber ich mach mir keinen Stress, weil wir uns gegenseitig helfen.

Dank an die medizinische Abteilung

Dinger und Christ heben die medizinische Abteilung der Huskies hervor. „Wir haben hier mit Dr. Hans Schafdecker, Dr. Sven Dallmann und Nicole Ellermann super Leute. Dazu kommt mit Markus Endert ein klasse Physiotherapeut. Ihn kann man immer anrufen, er hat dich vom einen auf den anderen Tag fit gekriegt. Wir können ihnen nicht genug danken für all das, was sie für uns getan haben“, erzählt Dinger. Auch beim langjährigen Betreuer Frank Schönewolf bedanken sie sich.

Björn Friedrichs und Pascal Spindler

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