Nach Huskies-Spiel: „Das ist ein Sonderfall“

Wirbel um Löwen-Stadionsprecher und seine Erotik-Anspielungen

Ihm drohen Konsequenzen: Frankfurts Stadionsprecher Rüdiger Storch.

Kassel. Die Äußerungen des Frankfurter Stadionsprechers vor dem Dienstagsspiel schlagen weiter hohe Wellen. Er hatte den Huskies-Keeper in Zusammenhang mit Erotik-Filmen gebracht.

Aktualisiert um 7.37 Uhr: Es gibt Tage, an denen wird der Sport zur Nebensache. Eigentlich bietet die Playoff-Halbfinal-Serie zwischen den Kassel Huskies und den Löwen Frankfurt jede Menge besonderer Eishockey-Geschichten. Doch überlagert wird das Sportliche am Tag nach dem dritten Sieg der Löwen von einem einzigen Satz: Nämlich dem, mit dem Frankfurts Hallensprecher Rüdiger Storch Huskies-Torhüter Markus Keller am Dienstagabend vorstellte. „Der Torwart der Kassel Huskies – präsentiert von unserem Partner Orion – Markus Keller.“

Storch, der dafür bekannt ist mit grenzwertigen Aussagen dem Gegner gegenüber zu provozieren, tat das in Anspielung auf ein Erotikfilmchen des Keepers, das zeitweise im Internet kursierte. Orion ist ein Vertreiber von Erotik-Artikeln und pikanterweise auch noch Werbepartner der Löwen.

Es war eine Ansage mit Nachspiel. Huskies-Trainer Rico Rossi ergriff als Erster Partei. Er schickte nach dem Ende des ersten Drittels klare Worte in Richtung Storch. Bei der anschließenden Pressekonferenz schließlich wurde der Coach noch deutlicher: „Es ist unglaublich, was der Sprecher gesagt hat. So eine Aussage hat nichts mit Sport zu tun. Das war peinlich, unsportlich und unmenschlich. Ich erwarte eine Reaktion von der DEL2 und den Löwen. So eine Aktion dürfen wir im Sport und im Leben nicht tolerieren.“

Paul Gardner, Trainer der Löwen, reagierte prompt: „Unsere aufrichtige Entschuldigung im Namen von Rich Chernomaz, der Mannschaft und mir. Wir wussten davon nichts. Das gehört sich nicht.“ Außerdem kündigte der Klub an, den Vorfall intern aufzuarbeiten.

Im Fokus des Interesses: Kassels Torhüter Markus Keller Fotos: Storch

Die Liga wurde noch am Dienstagabend eingeschaltet. Geschäftsführer Rene Rudorisch erklärt: „Wir haben Ermittlungsverfahren gegen den Stadionsprecher und Rico Rossi eingeleitet. Das ist ein normaler Vorgang, wenn Zusatzmeldungen an den Spielbericht gehängt werden. Wir sind verpflichtet, dem nachzugehen.“ Solche Zusatzmeldungen können sowohl die Klubs also auch die Schiedsrichter einreichen. Gegen Storch wird wegen seiner Äußerungen ermittelt, gegen Rossi wegen Beschimpfung des Kampfgerichtes. Zu diesem gehört auch Rüdiger Storch als Stadionsprecher. Alltäglich sei dieser Vorfall allerdings nicht, räumt Rudorisch ein. „Das ist schon ein Sonderfall.“ Bis Donnerstagmittag haben die Betroffenen Zeit, Stellungnahmen einzureichen. Spätestens Freitagvormittag sei mit einem Urteil der Liga zu rechnen, kündigt Rudorisch an.

Bei der Auslegung des Regelwerks sei entscheidend, welche Tragkraft das Ganze habe. „Es ist schade, wenn sich die Presselandschaft so darstellt, wie am Tag nach dieser Serie, die eigentlich tolle Werbung für unseren Sport bietet. Das ist schon ligaschädigendes Verhalten.“

Und wie verhält sich der, der im Mittelpunkt all dessen steht? Keller sagt: „Herr Storch hat eine Linie überschritten, was er sich als Offizieller nicht erlauben kann. Das war selbst den Frankfurter Spielern und dem Trainer unangenehm. Sie haben sich persönlich bei mir entschuldigt. Ich werde rechtliche Schritte gegen ihn einleiten.“

Storch übrigens wird am Freitag in Kassel nicht dabei sein. Er hat Stadionverbot.

Stellungnahme der Huskies

Am Mittwochnachmittag haben auch die Huskies noch einmal offiziell Stellung bezogen. Hier ist ihre Stellungnahme:

"Mit größter Schärfe verurteilen die Kassel Huskies die Aussage von Rüdiger Storch, Stadionsprecher der Löwen Frankfurt, am gestrigen Dienstag. Aus Sicht der Kassel Huskies hat Rüdiger Storch mit dieser unprofessionellen Aussage die Grenzen des guten Geschmacks und des Fair Plays im Sport deutlich überschritten und eine Privatsache bewusst und mit voller Absicht zur öffentlichen Angelegenheit gemacht. Die Aussage von Rüdiger Storch ist eine Provokation, die in ihrer medialen Ausbreitung ein schlechtes Licht auf die Kassel Huskies, viel mehr aber noch auf die DEL2 wirft und an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Da dies nicht der erste Zwischenfall mit dem Stadionsprecher der Löwen Frankfurt ist – bereits in der vergangenen Saison reichten die Huskies eine Zusatzmeldung ein, als

Storch die Huskies-Spieler mit weiblichen Vornamen vorstellte – erwarten die Huskies eine dementsprechende Reaktion der Löwen Frankfurt sowie der Liga. Neben einem bis auf Weiteres gültigem Stadionverbot gegen Rüdiger Storch lassen die Kassel Huskies sowie Markus Keller rechtliche Schritte gegen den Frankfurter Stadionsprecher prüfen." 

Er polarisiert nicht zum ersten Mal

Frankfurts Hallensprecher Rüdiger Storch sorgt nicht zum ersten Mal für Wirbel. Ein Überblick:

April 2008: Wegen des klaren Verstoßes gegen das Neutralitätsgebot sperrt die DEL den Stadionsprecher für die ersten zwei Heimspiele der Saison 2008/09. Vor dem ersten Bully kam es allerdings zu einem Eklat: Stadionsprecher Rüdiger Storch forderte über das Mikrofon von den Schiedsrichtern des dritten Spiels, Rick Looker und Richard Schütz, wegen ihrer schlechten Leistung eine Entschuldigung ein, meldete die Rheinische Post. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sprach von „einer vollkommen überflüssigen Aktion“ und erklärte: „Eine gewisse Emotion beim Stadionsprecher ist in Ordnung, aber es muss die Sachlichkeit gewahrt werden.“

Januar 2013: Die Oberliga West spricht Storch frei. Die Roten Teufel Bad Nauheim hatten ihn angezeigt, weil er auf eine Aussage des Bad Nauheimer Trainers Frank Carnevale reagiert hatte. Man werde die Löwen schon zum Weinen bringen, hatte der getönt, berichtete die Frankfurter Rundschau. „Also tue ich ihm den Gefallen“, antwortete Storch, imitierte einen Heulkrampf und warf sich auf das Eis.

13. März 2016: Die Huskies reichen eine Zusatzmeldung bei der Liga ein. Storch hat die Huskies-Spieler mit weiblichen Vornamen vorgestellt. Korrektur durch die Löwen Frankfurt: Rüdiger Storch hat diese Aussage nicht getätigt. Die Kasseler Spieler wurden überhaupt nicht von Rüdiger Storch dargestellt, sondern von unserem zweiten Stadionsprecher. Kassel hat dies in der Stellungnahme falsch dargestellt.

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