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Sven Valenti im Interview: „Wo wir sind, sind wir glücklich“

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Von: Frank Ziemke

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Hier noch im Trikot: Sven Valenti ist eine der Legenden der Kassel Huskies und nun als Nachwuchstrainer zurück. Das Foto zeigt ihn nach dem 2:1-Sieg gegen Landshut am 31. Oktober 2014, bei dem er traf.
Hier noch im Trikot: Sven Valenti ist eine der Legenden der Kassel Huskies und nun als Nachwuchstrainer zurück. Das Foto zeigt ihn nach dem 2:1-Sieg gegen Landshut am 31. Oktober 2014, bei dem er traf. © Andreas Fischer

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Sven Valenti nach Kassel zurückkehrt. Der ehemalige Eishockeyprofi wurde hier zur Vereinslegende. Nun wird er Nachwuchstrainer. Ein Interview.

Er stammt eigentlich aus Freiburg, ist aber in Kassel heimisch geworden: Mit Sven Valenti kehrt einer der wichtigsten Eishockeyspieler der Huskies in der jüngeren Vergangenheit zurück nach Nordhessen. Der 46-Jährige wird hauptamtlicher Trainer der Kasseler Eishockey-Jugend. Ein Gespräch über Vergangenheit, Zukunft – und Heimat.

Willkommen zurück, Sven Valenti. Mit welchem Gefühl landen Sie wieder in Kassel?

Mit einem sehr schönen Gefühl. Ich freue mich riesig, wieder daheim zu sein. Es ist schön zu sehen, was hier alles passiert ist in der Eissporthalle. Wie gesagt: Die Freude ist groß.

Sie sprechen von Heimat. Würden Sie sich selbst mittlerweile als Nordhessen bezeichnen?

Ich glaube schon, dass hier Heimat ist. Auch wenn meine Geburtsstadt Freiburg und auch Mannheim wichtige Rollen spielen. Meine Frau wollte nie weg aus Kassel. Ich denke, wir können sagen: Wo wir sind, sind wir glücklich!

Wollen wir dann erst zurückblicken auf Ihre Karriere in Kassel? Oder nach vorn auf die neue Aufgabe in der Heimat?

Die Reihenfolge ist egal. Ich rede über beides gern.

Okay, dann der Blick nach vorn. Sie verlassen in Mannheim eines der führenden Nachwuchszentren im deutschen Eishockey und wechseln eine Klasse tiefer. Warum?

Es ist einerseits die stark familiär geprägte Entscheidung, die Nähe zur Heimat. Aber: Es ist auch das Gefühl, dass sich in Kassel etwas bewegt. Den Kontakt habe ich ohnehin immer gehalten, auch zur Eishockey-Jugend und zu Milan Mokros.

Welche Pläne und Ziele verbinden Sie denn mit dem Gefühl, dass sich etwas bewegt?

Man sieht an dem tollen Aufstieg der U 20 in die zweithöchste Klasse, was hier geht. Da würde ich mit der U 17 gerne bald nachziehen. Insgesamt hat die Eishockey-Jugend einen guten Zulauf an Kindern. Die Basis ist da. Wenn wir es schaffen, auf diesem Weg talentierte Spieler lange in Kassel zu halten, dann hätten wir sehr viel erreicht. Die Huskies haben diesen Weg in der Vergangenheit ja stets gelebt. Es ist erstaunlich, wie viele gute Spieler hier aus der Jugend gekommen sind und auch in Kassel etwas erreicht haben.

Wie helfen da die Erfahrungen aus der Arbeit bei den Jungadlern?

Das waren sehr lehrreiche Jahre. Ich habe über die U 14 zur U 17 und schließlich der U 20 alles trainiert bei den Jungadlern. Ich habe so viele gute Nachwuchstrainer kennengelernt, mir einen großen Wissensschatz aneignen können. Für mich war das der absolut richtige Weg.

Und nun treffen Sie wieder auf Weggefährten wie Manuel Klinge und Michi Christ? War auch das ein Grund für die Rückkehr?

Absolut. Der Kontakt zu den Jungs ist ja nie abgerissen.

Damit wären wir dann beim Rückblick?

Gerne.

2016 haben Sie ihre Laufbahn in Kassel als frischgebackener Meister der DEL 2 beendet. Überwog Stolz? Oder Wehmut?

Da war nur Stolz. Ich habe nie beim Blick zurück Zweifel gespürt, nie gedacht: Hätte ich weitermachen sollen. Ich war absolut mit mir im Reinen, hatte nie Zeit für Wehmut. Das Ende war perfekt so, wie es war.

Sie haben insgesamt elf Jahre und über 600 Spiele für die Huskies absolviert. Was ist Ihnen neben dem Titel 2016 besonders in Erinnerung geblieben?

Es war vor allem dieser innere Kern, der die Zeit so besonders gemacht hat. Also der Zusammenhalt mit Manu Klinge. Mit Michi Christ. Mit Alex Heinrich. Wir haben so viel zusammen erlebt. Auch viele extreme Situationen.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel die Insolvenz. Oder dieses Spiel gegen Duisburg 2014. Es durfte einfach nicht schiefgehen. Wir wären sonst in der Eishockey-Steinzeit gelandet.

Sie dürfen ruhig erwähnen, wer dann kurz vor Spielende den 1:1-Ausgleich erzielt hat, der die Teilnahme an der Aufstiegsrunde sicherte.

(lacht) Jedenfalls hätte ich nie gedacht, dass ein Tor in der Oberliga einmal mein emotionalstes und wichtigstes sein würde.

2018 gab es noch einmal ein Comeback. Ein kurzes, aber erneut emotionales.

Mein offizieller Abschied. Das war eine schöne Sache und eine coole Aktion der Huskies. Auch wenn es nur wenige Sekunden waren, aber ich stand gemeinsam mit meinem Sohn Yannik auf dem Eis. Dazu hieß der Gegner noch Freiburg. Das war dann doppelt Heimat. Neben dem Tor gegen Duisburg war auch das für mich tatsächlich ein ganz großer Moment.

Wo wir bei Yannik sind: Derzeit wird spekuliert, dass auch er zurückkehren könnte. Die Familienzusammenführung wäre dann perfekt.

Das kann man so sehen. Aber mal davon ab, dass er noch einen Vertrag in Straubing hat: Der Junge ist erwachsen. Er trifft seine eigenen Entscheidungen.

Zur Person

Sven Valenti (46) wurde in Freiburg geboren. 2001 bis 2007 spielte er erstmals für die Kassel Huskies, 2011 bis 2016 erlebte er dann den Aufstieg von der Oberliga bis hin zum DEL-2-Meister mit. Valenti war der erste Spieler mit über 600 Spielen für die Huskies. 2016 beendete er seine Karriere, 2018 gab er ein Kurz-Comeback. Er ist mit Christine verheiratet, die beiden haben zwei Kinder: Sohn Yannik und Tochter Lena.

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