Ehrung am Freitag

Kassels Eishockey-Idol Herbert Heinrich: "Ein Ehrenbanner zu bekommen, macht mich stolz"

Ein besonderer Moment: Bei der „Night of Legends“ am 28. Dezember 2011 gingen die drei Heinrichs gemeinsam mit der Nummer fünf aufs Eis. Links: Alex, Herbert und Stefan. Archivfoto: Fischer

Kassel. Die Trikot-Nummern 2, 3, 5 und 14 werden bei den Kassel Huskies nicht mehr vergeben. Sie gehören Milan Mokros, Shane Tarves, Herbert Heinrich und Matthias Kolodziejczak.

Ihre Trikots hingen lange unterm Dach der Eissporthalle. Am Freitag vor dem Heimspiel der Huskies gegen die Ravensburg Towerstars werden nun vier Ehrenbanner über der Anzeigentafel platziert. Im Interview spricht Herbert Heinrich über die Ehrung, das erste Trikot unterm Hallendach und seine Liebe zum Eishockey:

Herr Heinrich, wird es Freitag ein besonderer Moment? 

Herbert Heinrich: Ja. Es haben viele Spieler hier gespielt. Jetzt einer von denen zu sein, die ein Ehrenbanner bekommen, macht mich schon stolz. Ich habe ja nie viele Tore geschossen. Ich war eher ein fleißiger Arbeiter und habe mich reingehängt. Ich habe immer gespielt, auch wenn es mir schlecht ging. Verletzt war ich nie - bis auf eine Kieferoperation. Ich habe zwar nicht alle Spiele gut gespielt, aber immer alles gegeben. Dafür habe ich dann die Anerkennung bekommen.

Mit 342 Einsätzen gehören Sie zu den Top 10 im Kasseler Eishockey. Was waren Ihre schönsten Spiele? 

Heinrich: Da gab es einige. Einmal sind wir Oberliga-Meister geworden, 1983 war das. Gegen Berlin haben wir eine verrückte Aufholjagd gestartet. Dann sind wir mit zwölf Mann fast in die erste Liga aufgestiegen. Dave O’Brien war damals dabei. Und 1990, als ich aufgehört habe, sind wir mit einem 4:0 gegen Bad Nauheim aufgestiegen. Das war mein letztes Spiel.

Treffen der Oldies um die Jahrtausendwende: (von links) Herbert Heinrich, Peter Roedger, Matthias Kolodziejczak und Shane Tarves. Archivfoto: Thienemann /nh

Und dieses Trikot kam dann unters Hallendach? 

Heinrich: Nein, das war aus einem Benefizspiel.

Was wurde aus dem Trikot Ihres letzten Spiels? 

Heinrich: Das hat die Gaby, meine Frau, behalten. Sie hat einen ganzen Schrank voller Trikots - von den Jungs und mir.

Wie haben Sie denn beim ersten Mal erfahren, das Ihr Trikot unters Hallendach kommt? 

Heinrich: Wir sind überrascht worden. Shane und ich sind gleichzeitig unters Dach gekommen. Es war nach dem ersten ausverkauften Benefizspiel. Ich wusste nichts davon. Dann hieß es plötzlich, zack, zieh mal dein Trikot aus. Und das landete dann unterm Hallendach.

Welche Erinnerungen haben Sie daran? 

Heinrich: Ich hatte schon eine Träne in den Augen. In solchen Momenten läuft dir ein Schauer über den Rücken. Es gab ja noch viele andere Spieler - wie Peter Roedger zum Beispiel. Aber das dann ausgerechnet mein Trikot nach oben kam, war schon etwas ganz Besonderes. Die Leute haben uns natürlich gefeiert. Ich war wirklich sehr stolz. Und stolz bin ich immer noch, dass man sich so an mich erinnert. Schließlich habe ich ja schon 1990 aufgehört. Aber vielleicht ist es auch so, weil Alex noch spielt und ich so im Gespräch bleibe.

Oder aber, weil Sie so gut wie kein Heimspiel in der Eissporthalle verpassen. 

Heinrich: Ja, Eishockey war und ist mein Leben. In Garmisch gab’s früher nur Skifahren, Skispringen und Eishockey. Ich hätte Skifahrer werden können wie Neureuther. Um von einer Schanze zu springen, war ich zu feige. Also blieb nur Eishockey.

Und wie kamen Sie zu Ihrer Rückennummer?

Heinrich: Bei mir war das ganz einfach: Sie war immer frei. Ich hatte sie schon vom Nachwuchs an. Ich habe neulich ein Bild aus meinen Anfangszeiten beim SC Riessersee gesehen, selbst da hatte ich sie schon. Die drei Jahre in Deggendorf war sie zu haben, ebenso in Kassel. Man muss aber auch dazu sagen: Als wir begonnen haben zu spielen, gab es nur die Nummern von 1 bis 22. Meistens hatte der Torwart die 1 und dann ging’s so weiter. Heute gibt es mehr Spieler und mehr Nummern.

Die Nummer fünf zieht sich durch Ihr Leben. Im Hause Heinrich sind sie auch zu fünft. Mit Gaby haben Sie Stefan, Alex und Timo. Alex und Stefan sind im Eishockey bestens bekannt. Wie viel vom Spieler Herbert steckt in den Söhnen? 

Heinrich: Stefan ist so wie ich. Robust, kämpferisch, ein Typ, der gern aufräumt, der auch eher mal ein bisschen aufgeregter ist. Alex kommt mehr nach meinen Bruder Robert, der in Düsseldorf gespielt hat. Er konnte ein Spiel so lesen, wie Alex das kann. Robert wusste schon, was er mit dem Puck machen wollte, bevor er angespielt wurde. So wie Alex. Er ist ruhiger, hat mehr Übersicht.

Alex trägt die 78. Würden Sie sich wünschen, dass sich die 78 mit einem eigenen Ehrenbanner zu Ihrer 5 gesellt? 

Heinrich: Ach, in zehn Jahren - wenn er so lange durchhält wie Sven Valenti - wäre das schon toll. Die Kasseler Jungs gehören alle dahin.

Erst mal hängt jetzt Ihre Nummer wieder in der Halle. Auf was freuen Sie sich am meisten? 

Heinrich: Darauf, dass wir alle vier hochkommen. Wir kennen uns ja schon ewig. Und wir haben alle etwas fürs Kasseler Eishockey geleistet.

Und werden Sie auch wieder eine Träne verdrücken?

Heinrich: Da ich jemand bin, der auch mal vor dem Ferseher weinen kann, würde ich das nicht ausschließen. Klar, das wird emotional. Kann schon sein, dass ich wieder feuchte Augen bekomme.

Das Programm am Freitag in der Eishalle

Anlässlich der Ehrung der vier Idole öffnet die Eissporthalle am Freitag bereits um 17 Uhr. Für die Fans gibt’s im Rahmen eines After-Work-Events in der Champions Bar alle Getränke zum Happy-Hour-Preis. Weiterhin stehen ab diesem Zeitpunkt die Ehrenspieler für eine Autogrammstunde an gleicher Stelle parat. Die offizielle Ehrung beginnt um 19.20 Uhr mit Gästen, Ansprchen und einem Rückblick auf die Karrieren des Quartetts.

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