Eishockey

DEL2-Start zwischen Mut und Verzweiflung

Eishockey, DEL, Sportforum Berlin-Hohenschönhausen, ein Puck, zwei Schläger: Am Freitag gibt es die ersten Bullys: Die DEL2 startet in die neue Eishockey-Saison.  
Archivfoto: Marco Kohlmeyer/DPA/picture alliance
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Am Freitag gibt es die ersten Bullys: Die DEL2 startet in die neue Eishockey-Saison. Archivfoto: Marco Kohlmeyer/DPA/picture alliance

So schwer war der Start noch nie: Die zweite Deutsche Eishockey-Liga geht mit vielen Fragezeichen in die Saison. Am Freitag starten auch die Kassel Huskies - mit einem Derby in Frankfurt.

Kassel/Köln – Seit 2014 ist René Rudorisch schon Geschäftsführer der DEL2. „Viel Arbeit gibt es immer, und immer auch bis auf den letzten Drücker. Aber so schwierig wie jetzt war der Saisonstart noch nie“, gesteht der 42-Jährige. Schließlich gibt es vor dem ersten Spieltag im deutschen Eishockey-Unterhaus, das am Freitag auch mit dem Hessenderby Frankfurt - Kassel (19.30 Uhr) loslegen will, wegen der Coronapandemie und ihrer Folgen „so viele Fragezeichen und Unwägbarkeiten wie nie zuvor“. Denn: „Wir kämpfen gegen einen unberechenbaren Gegner, ohne selbst etwas in der Hand zu haben gegen ihn.“

 Die Hoffnung

Angesichts dieser Perspektiven ist es für die 14 DEL2- Klubs, angesichts des Abbruchs im Frühjahr sind es die selben wie 2019/20, ein Start zwischen Mut und Verzweiflung. „Ein Aussetzen der Saison würde einen weitaus größeren Schaden verursachen als es zu versuchen und mit Mut und Hoffnung anzupacken“, sagt Rudorisch, der in Leipzig Sportwissenschaft studiert hat. Das sei keinesfalls schlecht kalkulierter Aktionismus, sondern ein Arrangieren mit der Situation, ein realistisches Einschätzen mit allen Klubs, „dass wir es gemeinsam stemmen können“.

Mit Mut und Hoffnung: DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch.

Die Basis

Fakt ist, dass zumindest bis zum 31. Dezember das wirtschaftliche Überleben der DEL2 möglich scheint. So lange jedenfalls sichert das staatliche Hilfspaket den 14 Standorten 80 Prozent aller Einnahmen, die sie zur selben Zeit im Vorjahr aus dem Verkauf von Eintrittskarten erwirtschaftet haben. „Nach meinem Wissen haben alle 14 Klubs entsprechende Förderungsanträge gestellt, sie sind alle dazu berechtigt, und die ersten Vereine haben auch bereits positive Bescheide erhalten“, berichtet Rudorisch. Jetzt, so der Ligachef, hoffen wir, dass die Mittel möglichst rasch ankommen.“

Die Etatlücke

Knackpunkt sei es nun, so Rudorisch, die 20-Prozent-Lücke in den Etats bestmöglich zu stopfen. Durch Einsparungen bei Gehältern und Ausgaben, natürlich, vor allem aber auch durch das Engagement von Sponsoren und Fans. „Es kann nur gelingen, wenn sie als wichtigste Partner der Klubs voll mitziehen.“ Durch den Besuch in den Hallen, so weit aufgrund der Hygienekonzepte möglich, aber auch durch das Nutzen der Livestreams – als Zuseher ebenso wie als Werbefläche. So fließen von den 9,90 Euro, die SpradeTV pro Partie einfordert, rund 80 Prozent an die Klubs. „Ein wesentlicher Faktor“, meint Rudorisch.

Die Risiken

Was aber geschieht im neuen Jahr? „Mit dem Wissen von heute ist die Chance groß, dass die staatlichen Hilfen auch 2021 fortgesetzt werden. Zumal vielleicht von den für 2020 zugesagten 200 Millionen für den Profisport auch etwas übrig bleiben könnte“, erklärt Rudorisch. Aber: „Das alles ist noch nicht fix, auch wenn die Gespräche Hoffnung machen.“

Der zweite Risikofaktor bleibt das Virus. Der Knackpunkt: Schaffen es die Teams, gesund zu bleiben? „Wir wollen die Hauptrunde mit 52 Spieltagen bis zum 11. April durchziehen. Aber das kann nur klappen, wenn möglichst wenige Spieler und Mannschaften wegen Quarantänemaßnahmen Auszeiten benötigen“, betont der Geschäftsführer. Ziel sei es, ausgefallene Spiele möglichst kurzfristig nachzuholen, dafür seien Dienstagtermine freigehalten. Werde absehbar, dass der 11. April nicht zu halten sei, dann soll bis Mitte Februar über das weitere Vorgehen gemeinsam entschieden werden. Ein Verzicht auf Playoffs könnte mehr Zeit in das Frühjahr hinein ermöglichen.

Der Sport

Steht derzeit definitiv im Hintergrund. „Wir wollen in erster Linie spielen“, sagt René Rudorisch. Kassel, Frankfurt und Bietigheim möchten in die DEL aufsteigen, einer kann es schaffen. Wichtiger aber sei das Überleben aller Klubs und somit der DEL2.

Von Gerald Schaumburg

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