Vor Ort in Lauterbach

Zwischen Qual und guter Laune: So lief der Trainingsauftakt bei den Kassel Huskies

Huskies-Neuzugänge (hinten v. links) Hans Detsch, Dieter Orendorz, Jamie MacQueen, Jake Weidner und (vorne) Timo Gams, Jonas Neffin sowie Tom Geischeimer
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Die Huskies legen los: Oben versammeln sich die Neuzugänge (hinten v. links) Hans Detsch, Dieter Orendorz, Jamie MacQueen, Jake Weidner und (vorne) Timo Gams, Jonas Neffin sowie Tom Geischeimer. Unten links erklärt Trainer Tim Kehler Jonas Neffin (links) und Jerry Kuhn die nächste Übung. Gute Laune hatte Brett Cameron (rechts).

Endlich stehen die Kassel Huskies wieder auf dem Eis. Die Freude bei den Spielern ist spürbar. Anstrengend wurde es aber auch.

Lauterbach – „Willkommen im schönen Lauterbach“, sagt Manuel Klinge und lächelt. Der Sportdirektor der Kassel Huskies sitzt auf einer Bank vor der etwas versteckt gelegenen Eishalle in der mittelhessischen Kreisstadt und nippt an seinem Kaffee. Hier ist der Eishockey-Zweitligist am Mittwoch in die Vorbereitung auf die DEL2-Saison gestartet. Wir waren vor Ort.

Die Anreise: Früh am Morgen ist es, als die Huskies aufbrechen, um den Trainingsauftakt in der Fremde zu bestreiten: Frühstück um 7 Uhr in Kassel, Abfahrt um 7.30 Uhr, Ankunft in Lauterbach um 9.15 Uhr. Dazwischen Baustellen, Stau und Berufsverkehr. Eine Woche lang pendeln die Huskies für das morgendliche Eis-Training in den Süden.

Angekommen in der Eishalle des kleinen Städtchens, wo das Kino noch Lichtspielhaus heißt und nebenan das Freizeitzentrum mit Minigolf, Freibad und Pizzeria auf Besucher wartet, läuft einem als erstes der Kanadier Brett Cameron über den Weg. „Hi, how is it going?“, fragt er und grinst. Dieses Grinsen sieht man bei allen Huskies – die Freude, dass es endlich wieder losgeht, ist spürbar. Sie scherzen miteinander, lockern, strecken und dehnen sich, um sich die Busfahrt aus den Knochen zu schütteln.

Das Training: Eine erste Einheit abseits des Eises hat die Mannschaft bereits am Dienstag bei Athletiktrainer Marinko Neimarevic absolviert. Nun geht es erstmals gemeinsam auf die gewohnte Spielfläche. Einer sorgt dabei gleich für Ordnung: Youngster Paul Kranz kommt aus Lauterbach, kennt die Halle also bestens und bohrt erst einmal Löcher für die Torverankerungen ins Eis. Dann kann es losgehen.

21 Spieler sind dabei, dazu mit Jerry Kuhn, Jonas Neffin und Jan-Ole Thomsen drei Torhüter. Und natürlich die Trainer Tim Kehler und Casey Fratkin – ebenfalls sichtlich gut gelaunt. Um 10 Uhr sind alle Akteure auf dem Eis, jeder macht sich warm. Um 10.12 Uhr ruft Kehler die Mannschaft zusammen, die ersten Übungen werden erklärt – los geht’s. Schießen, skaten, passen – das steht im Vordergrund der Einheit. „Man versucht, sich an die neuen Schlittschuhe und Handschuhe sowie an das Timing zu gewöhnen und in erster Linie alles sauber statt schnell auszuführen“, sagt Kapitän Denis Shevyrin.

Trainer Tim Kehler erklärt Jonas Neffin (links) und Jerry Kuhn die nächste Übung.

Kuhn (mit neuer Ausrüstung), Neffin und Thomsen fischen und parieren die ersten Schüsse. Dann schlenzt Neuzugang Hans Detsch den Puck aus spitzem Winkel ins obere Toreck – Applaus der Mitspieler, Gejohle, Abklatschen mit dem Neuling. Die Stimmung ist gelöst, aber nicht unkonzentriert. Kehler unterbricht auch mal, erklärt, wie die Übungen aussehen sollen und schickt dann auf Deutsch ein „Auf geht’s!“ hinterher.

Bis kurz nach 11 Uhr läuft der erste Abschnitt des Trainings, dann verschwinden die Huskies kurz in die Kabinen. Das Eis wird neu bereitet. Pause, Zeit zum Durchschnaufen.

Gute Laune hatte Brett Cameron (rechts).

Teil zwei beginnt um kurz nach 11. Fünf gegen fünf, viele Zweikämpfe. „Die Spielweise vom Huskies-Hockey ist offensiv“, erklärt Kehler den Neuen in einer Unterbrechung. Der Trainer, der im Sommer 50 Jahre alt geworden ist, zeigt, wo sie sich auf dem Eis anbieten sollen: „So können wir sofort Tempo machen und nach vorne spielen“, zeigt er auf. Zum Abschluss der ersten Einheit steht noch ein Vier-Minuten-Lauf auf dem Eis an. Das Grinsen vom Anfang weicht langsam aber sicher einem gequälten Gesichtsausdruck.

Die Abreise: Um Punkt 12 ist es geschafft. Ein kurzes Durchatmen, dann Aufstellen für ein Foto der Neuzugänge. „Ich bin doch gar kein Neuer“, sagt Rückkehrer Jamie MacQueen, kommt aber doch mit aufs Bild. Duschen, Mittagessen, Abfahrt nach Kassel. Dort steht am Nachmittag noch Krafttraining an. „Da war schon ein gutes Tempo drin, viele Zweikämpfe. Ich habe einen guten Eindruck“, sagt Dieter Orendorz, Neuzugang von DEL-Klub Iserlohn. Die Fahrerei sei länger bekannt gewesen, der Hallenumbau vielversprechend. „Das wird super“, sagt Orendorz. Angesprochen auf die bevorstehende Krafteinheit bei Neimarevic – bei Neuzugängen ebenso berühmt wie berüchtigt – sagt er: „Die war Dienstag schon ganz schön hart.“

Und nicht nur für die Spieler ist dies eine besondere Vorbereitung. Betreuer Fabian Körber hat am Morgen alles eingepackt und sagt: „Meine Tage fangen jetzt erst mal um 5 Uhr an.“ Eine Woche lang geht das Ganze jetzt immer von vorne los. Willkommen im schönen Lauterbach – täglich grüßt das Murmeltier.

Kassel Huskies testen Sonntag in Wolfsburg

Die Kassel Huskies bestreiten doch noch ein Testspiel gegen ein Team aus der Deutschen Eishockey-Liga. Der Zweitligist tritt am Sonntag ab 15 Uhr in der Eis-Arena bei Vizemeister Grizzlys Wolfsburg an. Das Spiel findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am vergangenen Wochenende fielen die Testspiele der Grizzlys coronabedingt aus, so wurde nun kurzfristig ein Gegner gesucht – und mit den Kassel Huskies gefunden.

(Björn Friedrichs)

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