Turnier

Zwischenbilanz zur Eishockey-WM: Wer redet noch vom Klassenerhalt?

+
Deutsches Toptalent: Verteidiger Moritz Seider, hier rechts gegen den Slowaken Robert Lantosi.

Vier Spiele, vier Siege - die Nationalmannschaft ist auf dem Weg zum Eishockey-Märchen 2.0. Talente, Torhüter und Tempo - wir sammeln Auffälligkeiten, nicht nur ums deutsche Team.

Die Nationalmannschaft hat schon nach dem vierten WM-Spiel den Klassenerhalt sicher, das Viertelfinale ist greifbar nahe – und die Qualifikation für Olympia 2022 in Peking ist auch schon geschafft. Was auf dem Weg zum deutschen Eishockey-Märchen 2.0 nun beinahe untergeht, wäre noch vor wenigen Jahren dicke Schlagzeilen wert gewesen. Inzwischen aber sind die Puckjäger in der Weltspitze etabliert, in Kosice wird nach dem besten WM-Start seit 89 Jahren nicht nur von der ersten Medaille seit 1953 geträumt, sondern gar von einer Wiederholung des Erfolgs von 1930. Damals wurden die Deutschen nach ebenfalls vier Auftaktsiegen sogar Vizeweltmeister. Wir sammeln Auffälligkeiten, nicht nur ums deutsche Team:

Tempo und Athletik: Die Entwicklung ist rasant – die Jagd nach dem Puck wird immer schneller, immer spektakulärer. Nahezu jedes WM-Spiel zeigt, welche enorme Physis und Athletik nun aufs Eis gezaubert wird. Der Höhepunkt: Kanadas Last-Minute-6:5 gegen die Slowaken, die 2:0 und 4:2 geführt hatten. Atemberaubend, das Spiel.

Tolle Talente: Natürlich genießen die Fans die Auftritte der etablierten Stars wie Alexander Owetschkin (33) und Ewgeni Malkin (32). Doch ihre Nachfolger stürmen schon ins Rampenlicht. US-Boy Jack Hughes, seit Dienstag 18, noch langsam, mit Vollgas dagegen Kaapo Kakko (18) und Moritz Seider (18), der Zweitjüngste im Turnier. Der Finne ist mit fünf Treffern Dritter der Torjäger-Rangliste, der Deutsche die große Entdeckung in der Abwehr. Geboren in Zell an der Mosel, ausgebildet in Erfurt und Mannheim, legt der 1,92-m-Mann ein Jahr vor dem Abitur seine sportliche Reifeprüfung ab. Bei den Adlern gab er sein DEL-Debüt mit 16, mit 17 war er Stammspieler und Kapitän des U-19-Nationalteams. Vor fünf Wochen, am 18. Geburtstag, durfte er das Schutzgitter vom Helm abnehmen. Rechtzeitig, damit alle NHL-Scouts sich sein Gesicht merken können. Beim Draft am 21. Juni wird der Deutsche weit vorn erwartet.

Zumal seine Gesichtsverletzung vom Slowakei-Spiel (3:2) nach einem Bandencheck offenbar keine schwerwiegenden Folgen hat. Schon am Samstag gegen Kanada (16.15 Uhr) kann Seider wohl wieder spielen, danach auch gegen die USA (Sonntag, 16.15) und am Dienstag gegen Finnland (12.15 - alle Sport1).

Zweiklassengesellschaft: Fünf der 16 Teams sind noch immer ohne Sieg. Die Aufsteiger Großbritannien und Italien (mit den DEL2-Spielern Alex Lambacher und Jan Pavlu aus Heilbronn) kassieren Gegentore ohne Ende und werden kaum die Klasse halten können. Weitaus spannender geht’s zu im Kampf um die vierten Viertelfinal-Plätze in beiden Gruppen.

Tolle Torhüter: Auch wenn NHL-Star Philipp Grubauer zumindest pausieren musste, sind die deutschen Torhüter famos. Sie stellen mit 95,69 Prozent Fangquote das drittbeste Trio der WM und haben erst fünf Gegentore kassiert. Gegen Frankreich sprang Niklas Treutle für den ausgewechselten Grubauer in die Bresche, gegen die Slowaken beeindruckte der Düsseldorfer Matthias Niederberger.

Familiäre Bande: Niederbergers Vater Andi (56) hat einst 713 Erstliga-Spiele in Mannheim und Düsseldorf bestritten, war 1996 Meister mit der DEG. Vater und Sohn in einem Team gibt’s bei den Franzosen. Tim Bozon (25) ist Stürmer, Papa Philippe (52) der Trainer. Der Stürmer war 1997 mit Mannheim Deutscher Meister– gegen Kassel.

Service: Eishockey-WM 2019: Der Spielplan für alle Termine und Ergebnisse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.