Im Begleitfahrzeug durch die Stadt: Auch der Herkules sieht zu

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Keine Zeit für das Weltkulturerbe: Der Kenianer Kiprotich Kirui vor der Kulisse des Herkules auf seinem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung.

Kassel. Der Fahrer heißt Helge Fritz. Und der kennt sich aus in Kassel. Muss er auch, denn hinten im Wagen („ist ein Q7 vom Autohaus Glinicke“) sitzt Winfried Aufenanger.

Der Marathon-Organisator hat zwar mit Christine Kumpert eine freundliche Mitarbeiterin dabei, die ihm das Telefonieren abnimmt, aber das reicht ihm meistens nicht. In seinem früheren Leben war Aufenanger leitender Polizeibeamter und hat so seine eigenen Vorstellungen von einer Fahrt durch Kassel. Vor allem, wenn der 68-Jährige die Spitzengruppe des Kasseler Marathons begleitet. Und das passiert so während der gut zweistündigen Fahrt durch Kassel:

Kilometer 1 - 5: Von der Damaschkestraße geht es nach Waldau. Bereits nach einem Kilometer steht fest: Das Uhrenfahrzeug zeigt die falsche Zeit. Das geht so nicht.

Kilometer 6 - 10: Zwei Polizisten auf Fahrrädern begleiten die vierköpfige Spitzengruppe um den Titelverteidiger Kiprotich Kirui aus Kenia. 300 Meter dahinter läuft ein anderes Quartett. Das sind Marcel Bräutigam, bester Deutscher 2014 und Ybekal Daniel Berye vom PSV Grün-Weiß Kassel. „Sieht gut aus“, sagt Aufenanger.

Kilometer 11 - 15: Die Temperaturen liegen noch bei 11 Grad. Lohfelden kommt bis auf ein paar ordentliche, von Bürgermeister Michael Reuter organisierte Jubelnester eher trist daher. Auch im Forstfeld und auf der Leipziger Straße will nicht so recht Stimmung aufkommen. In Bettenhausen sieht das dann wieder ganz anders aus. Bei den Frauen läuft Edinah Kwambai ein einsames Rennen. Im Auto fragt man sich, ob das wohl gutgeht.

Kilometer 16 - 20: Marcel Bräutigam muss aus dem Autofenster heraus beruhigt werden, weil sein Tempomacher nicht so läuft, wie der Thüringer will. Dazu zwingen den 27-Jährigen auch noch Magenkrämpfe ins Gebüsch. Das kostet Zeit und Nerven. Winfried Aufenanger beruhigt: „Marcel, du liegst gut in der Zeit.“

Kilometer 21 - 25: Im Stadtteil Wolfsanger tobt am Staffel- Wechselpunkt der Bär. Gegrillt wird da auch schon. Erste Passanten werden um 10.15 Uhr bereits mit Bierflaschen gesichtet. Die Läufer versuchen das zu ignorieren.

Kilometer 26 - 30: Schnell die Abkürzung durch die Eisenschmiede. Und dann der Beinahe-GAU. Irgendein Monster-SUV versucht sich auf der Laufstrecke einzufädeln, zieht aber dank wachsamer Polizisten den Kürzeren.

Kilometer 31 - 35: Der Titelverteidiger Kiprotich Kirui setzt sich im Vorderen Westen vor der Kulisse des Herkules ab. Auch Simret Restle-Apel kommt auf.

Kilometer 36 - Auestadion: Aufenanger tut das, was aus seiner Sicht notwendig ist und verteilt Getränke an die Läufer. Die geben Gas. Fahrer Helge Fritz auch. Das Stadion taucht auf, Aufenanger springt aus dem Auto. Sieger und Siegerin kommen ins Stadion. Es ist Zeit für Glückwünsche.

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