Drei Starter mit besonderen Geschichten

Kassel-Marathon: Von Weltrekordlern und Wiedergefundenen

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Auf dem Weg zum Weltrekord: Jan Kaschura aus Holzminden kürt sich beim Hannnover-Marathon zum schnellsten Koch der Welt.

Wenn am Sonntag wieder tausende Läufer beim Kassel-Marathon an den Start gehen werden, sind drei unter ihnen, die ganz besondere Geschichten im Gepäck haben. Wir stellen das Trio vor.

Kassel-Marathon: Der Weltrekord-Koch

Köche gibt es viele. Läufer ebenso. Doch keinen, der in voller Montur mit Mütze, Kochjacke, Schürze, Hose und einem 3,2 Kilogramm schweren, gusseisernen Topf die Marathon-Distanz so schnell bewältigt hat wie Jan Kaschura im April in Hannover. 2:57 Stunden benötigte der 34 Jahre alte Sous-Chef aus Holzminden für die magischen 42,195 Kilometer – und ist seitdem der schnellste Koch der Welt. Amtlich verbrieft im Guinnessbuch der Rekorde. 

Als er ein Bild von einem laufenden Koch gesehen hatte, war die Idee geboren. Schließlich ist er Läufer aus Leidenschaft, hatte vor Hannover schon 18 Marathons bewältigt und bekocht in einem Internat 200 Schüler. Auf der Strecke begleiteten den laufenden Koch viele Anfeuerungsrufe. „Jeder Dritte wusste, was ich vorhabe. Allerdings wurde ich häufiger angekündigt mit den Worten: „Der Bäcker kommt.“

Den Topf trug er dabei abwechselnd in beiden Händen. „Mein Nacken tat schon weh. Bei Kilometer 27 hat meine linke Schulter zugemacht“, blickt er heute zurück. Auch ein Grund, weshalb er in Kassel inkognito starten wird. Kaschura verzichtet am Sonntag auf das Koch-Outfit. Denn seinen eigenen Weltrekord will er nicht verbessern, wohl aber seine persönliche Bestzeit von 2:30:42 Stunden. „2:29 Stunden sind das Ziel“, sagt er. Und das ist eben ohne Kochtopf in der Hand besser zu erreichen. Zur Belohnung gibt’s dann wahrscheinlich einen Burger. Und der muss nicht mal selbst zubereitet sein.

Kassel-Marathon: Die Wiedergefundenen

Eine besondere Geschichte verbindet auch Ferenc Zsoldos, der in Kassel lebt, und seinen Bruder Dezsoe Lammersdorf. Denn beide haben sich nach Jahrzehnten der Trennung wiedergefunden und laufen nun ihren ersten gemeinsamen Marathon. Ihre für deutsche Ohren eher kompliziert klingenden Vornamen verdanken sie übrigens ihrem aus Ungarn stammenden Vater.

Nach der Scheidung ihrer Eltern wuchsen die damals fünf und zwei Jahre alten Brüder bei unterschiedlichen Pflegeeltern auf. So verloren sie den Kontakt. Nach Jahren der erfolglosen Suche – Grund war Dezsoes geänderter Nachname – hatte Zsoldos die Hoffnung, seinen Bruder wiederzusehen, schon fast aufgegeben. Was Zsoldos nicht wusste: Auch Lammersdorf suchte nach ihm – letztendlich mit Erfolg. 2017 fanden die Brüder sich über das soziale Netzwerk Facebook. Seither besuchen sie sich immer wieder gegenseitig.

Laufen erstmals gemeinsam Marathon: Dezsoe Lammersdorf (links) und Ferenc Zsoldos. 

„Mein Bruder hat dann erst mit dem Laufen angefangen“, sagt Zsoldos, der schon im Alter von 15 Jahren den Laufsport für sich entdeckte. Obwohl der Marathon in Kassel für ihn bereits sein 49. ist, ist er eine Premiere – denn es ist der erste mit seinem Bruder. Für Lammersdorf, der aus Stadtlohn in Nordrhein-Westfalen anreist, ist es der erste Lauf über 42 Kilometer.

Fast täglich trainiert Zsoldos. Dabei spult der 49-Jährige 80 bis 120 Kilometer jede Woche ab.

Das Tempo am Sonntag darf jedoch sein drei Jahre jüngerer Bruder vorgeben. „Als Zielzeit haben wir 3:45 Stunden angepeilt“, sagt Zsoldos. Angefeuert werden die Brüder bei ihrem ersten gemeinsamen Marathon von ihren Lebensgefährtinnen.

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