Kolumne über die richtige Laufbekleidung

Mit Herbert Steffny auf dem "Laufenden": Finger weg von leichten Schlappen

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Herbert Steffny

Der ehemalige deutsche Meister und mehrfache Gewinner des Frankfurter Marathons, Herbert Steffny, begleitete uns 2009 mit einer Kolumne auf dem Weg zum Kasseler Marathon.

Das ist zwar ein paar Jahre her, seine Tipps sind aber noch heute aktuell. In dieser Kolumne gibt der Marathon-Experte Tipps zur richtigen Laufbekleidung

Der Laufschuh ist mit Abstand der wichtigste Ausrüstungsgegenstand. Der richtig gewählte Schuh hilft Verletzungen zu vermeiden. Er muss bei jedem Schritt je nach Tempo ein Mehrfaches des Körpergewichts auffangen. Er soll den Aufprall dämpfen, das Abrollen gut ermöglichen, die Bewegung stabil und kontrolliert führen und Fußfehlstellungen gegebenenfalls korrigieren. Diesen Anforderungen werden nur spezielle Laufschuhe gerecht. Modische Aspekte, Farbe oder Marke sind die unwichtigsten Auswahlkriterien. Im Fachgeschäft mit guter Beratung ist das Risiko für einen Fehlkauf geringer. Achten Sie auf eine optimale Passform bei Schuhgröße und -weite. Die Zehen brauchen etwas Spielraum. Kaufen Sie Schuhe morgens, denn am Abend ist Ihr Fuß eine halbe Nummer größer, und testen Sie den Schuh in Laufsocken. Für das Sohlenprofil ist wichtig: trainieren Sie auf Naturboden oder Asphalt?

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Übergewichtige sollten grundsätzlich die Hände von leichten Schläppchen lassen. Manche überehrgeizige Wettkampfläufer gehen auch mit der Waage ins Schuhgeschäft. Je leichter der Schuh, desto weniger Ballast trägt man beim Marathon, so die Denkweise. 30 000 Schritte mal 50 gesparter Gramm soll 1,5 Tonnen Gewichtsersparnis ergeben. Das ist natürlich eine Milchmädchen- Rechnung. Beim Gewicht wird nämlich an der Stabilität gespart. Wenn man spätestens auf der zweiten Hälfte im Marathon in diesen scheinbar dynamischen Schläppchen rumeiert, verliert man dadurch viel mehr Energie. Durch langes Laufen auf hartem Asphalt und nicht mehr korrigierte Fehlstellungen der Füße riskiert man im Wettkampf Krämpfe oder Schmerzen bis hin zur Aufgabe. Da nimmt man besser noch ein Pfund um die Hüfte ab – das bringt mehr.

Buchtipp

Mehr zum Laufen finden Sie auch bei Herbert Steffny als Buchautor: „Das große Laufbuch“, 368 S., Südwestverlag, München 2008 und unter www.herbertsteffny.de

Dass funktionelle und wasserableitende Funktionsbekleidung den Tragekomfort und die Effizienz beim Laufen erhöht, sollte sich eigentlich längst herumgesprochen haben. Leider sieht man oft statt modernen Synthetikfasern Shirts und Hosen aus Baumwolle, die aber bis zu 40 Prozent des Eigengewichts an Wasser speichern. Die Bekleidung sollte eher eng anliegen und die Bewegung nicht beeinträchtigen. Modische Flatterhosen und weite Jacken sind vielleicht zur Problemzonenverdeckung geeignet, aber weniger zum Laufen. Sie schlabbern um die Beine und behindern die Armarbeit. Viele ziehen sich zudem für das Training und vor allem für Wettkämpfe viel zu viel an. Da das Laufen selbst die Körpertemperatur erhöht, werden die Jacken bald um die Hüften gewickelt, was wiederum die Armarbeit und den Laufstil behindert. Unter zu viel Kleidung leidet im Wettkampf auch die angestrebte Leistung. Es kommt zu einem Wärmestau. Gute atmungsaktive Laufbekleidung erhalten Sie ebenfalls im Laufsportfachhandel.

Zur Person

Herbert Steffny (61), geboren am 5. September 1953 ist Diplom-Biologe und 16-facher Deutscher Meister in Langstreckendisziplinen. Seine Marathon-Bestzeit liegt bei 2:11,17 Stunden. 1986 gewann Steffny die Bronzemedaille bei der EM in Stuttgart. Er ist heute Lauftrainer, Seminarveranstalter und Bestseller-Laufbuchautor (Gesamtauflage 1 Million Bücher in fünf verschiedenen Sprachen) und lebt in Titisee-Neustadt im Südschwarzwald. Er hat zwei Kinder (24 und 22 Jahre).

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