Vorbereitung in einem Laufcamp in Detmold

Kenianische Marathonläufer: Mit der Hoffnung an den Start

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Sie lachen, aber das Laufen ist für die drei Kenianer oft genug eine richtig ernste Sache: Luke Kibet, Eunice Lelei und Felix Kiprotich (von links) auf dem Gelände des Detmolder Laufcamps von Volker Wagner.

Detmold. Das Lachen für das Foto fällt ihr schwer. Eunice Lelei ist zum ersten Mal in Deutschland. Sie ist zu Gast an den Ausläufern des Teutoburger Waldes.

Die nächsten Städte heißen Detmold und Lemgo, aber die sieht die 31-jährige Marathonläuferin nur selten. Besser bekannt ist Eunice mit den Hügeln und Waldwegen des Lipper Landes, die direkt vor ihrer Haustür beginnen.

Sie ist zu Gast bei Volker Wagner, einem der bekanntesten deutschen Laufmanager. Der 64-jährige Detmolder war in seinem früheren Leben Sport- und Mathematiklehrer, bevor er vor 27 Jahren damit begann, afrikanische Läufer für die großen Marathons dieser Welt zu verpflichten.

Seine Erfolgsstatistik liest sich wie das Guinnessbuch der Rekorde für Marathonfans: Sechs Siege haben seine Läufer in Berlin davongetragen, vier in New York und drei in London. Dazu kommen mehrere Erfolge in Wien, Hamburg, Rotterdam, Chicago sowie in Tokio, Boston und Kassel. Wenn es nach Eunice Lelei geht, soll das am Sonntag wieder der Fall sein: „Ich brauche das Geld“, sagt die junge Frau, die zusammen mit ihren kenianischen Landsmännern Luke Kibet (32) und Felix Kiprotich (27) bei Volker Wagner ein Haus in einem ehemaligen Feriencamp bewohnt.

„Ich vermisse meine sechsjährige Tochter Shirly.“  Eunice Lelei

Ob sie sich ausgebeutet fühlt von deutschen Managern oder Veranstaltern? Lelei kann oder will nicht darüber sprechen. Fakt ist, dass ihr Manager Volker Wagner Auslagen für Visum, Flug und Verpflichtungserklärungen hat, die pro Läufer schnell bei 2000 Euro liegen.

Bei der Arbeit: Laufmanager Volker Wagner unterhält von Detmold aus zahlreiche Kontakte nach Afrika.

Bei Läufen von der Größenordnung des Kasseler Marathons können die Sieger unter Umständen 5000 Euro kassieren. Die Differenz abzüglich Auslagen und Provision an Volker Wagner könnte Lelei reichen, um daheim in der Provinz Eldoret die Armut hinter sich zu lassen. An wen sie hier vor allem denkt, wird schnell deutlich: „Ich vermisse meine sechsjährige Tochter Shirly, die bei meiner Schwester geblieben ist. Für sie laufe ich hier in Deutschland um das Preisgeld“, erzählt Lelei, die wie Kibet und Kiprotich zum Volk der Kalenjin gehört. Während die beiden Männer voraussichtlich nicht in Kassel an den Start gehen werden, setzt Lelei voll auf Kassel. Dabei könnte es mit ihrer Bestzeit von 2:41 Stunden knapp werden. Der Streckenrekord liegt bei 2:35 Stunden.

Wagner unterstützt die 31-Jährige, ohne ihr zu viele Hoffnungen zu machen: „Marathon ist schwer berechenbar, und zu viele Läufer drängen nach Deutschland.“ Der Manager selbst bezieht übrigens ab dem kommenden Jahr seine Pension und erwägt einen Rückzug aus dem Laufgeschäft: „Die bürokratischen Hürden sind in Deutschland inzwischen zu hoch. Immer mehr Läufer gehen beispielsweise zu niederländischen Managern.“

Warum das so ist? Wohl, weil sich auch schon Läufer innerhalb Europas abgesetzt haben und nicht nach Kenia zurückgekehrt sind. Wagner selbst ist das in 27 Jahren nur einmal passiert, und auch Eunice Lelei will nicht in Deutschland bleiben: „Ich mag es, zu Hause zu leben. Für mich bleibt Kenia meine Heimat.“

Von Martin Scholz

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