Erstmals gewinnt Läufer aus Afrika

Halbmarathon: Jens Nerkamp war für viele der heimliche Sieger

+
Jens Nerkamp war der heimliche Sieger.

Kassel. Es war ein bisschen verkehrte Welt: Da gewinnt nicht nur erstmals ein deutscher Läufer über 42,195 Kilometern, sondern auch erstmals ein Läufer aus Afrika den Halbmarathon.

Zum Marathon-Spezial | Alle Fotos | Alle Videos

Das aber geriet angesichts der starken Auftritte der heimischen Asse über 21 Kilometer fast zur Nebensache.

Der Sieger 

Vor einer Woche wurde Chalachew Tiruneh (27) beim Marathon in Berlin 15. über die klassische Distanz. 2:10 Stunden sollten es werden, 2:15:05 Stunden wurden es. Und sie sprechen für sich. Weil der Äthiopier kurzfristig noch einen Lauf in Deutschland mitnehmen wollte, kam er nach Kassel. Ab Kilometer 15 zog er das Tempo an und verbesserte den Streckenrekord quasi im Vorbeigehen um fast fünf Minuten von 1:11:30 – aufgestellt von Markus Jahn 2012 – auf 1:06:43 Stunden.

Chalachew Tiruneh lief beim Halbmarathon als Erster durchs Ziel.

Der starke Zweite 

Wäre Tiruneh nicht gestartet, die Bestmarke wäre in Händen des PSV Grün-Weiß Kassel geblieben. Denn auch Jens Nerkamp drehte mächtig auf. Der 28-Jährige wusste nach einer Verletzungspause nicht, wozu er in der Lage sein würde – und kam in einer Zeit ins Ziel, die ebenfalls deutlich zum Streckenrekord gereicht hätte: 1:07:50 Stunden. „Das ist super, damit hätte nicht gerechnet“, sagte er. Als Knackpunkt erwies sich für ihn der Anstieg rund um Kilometer 13. „Da ist Tiruneh abgezogen. Ich muss neidlos anerkennen, dass er den Berg besser hochgekommen ist als ich.“ Die verpasste Bestmarke nimmt Nerkamp als Ansporn. „Ich kann ja nächstes Jahr wiederkommen und mir den Rekord schnappen. Eine 1:06 kann ich auch laufen“, kündigte er an. Vorerst aber überwog die Freude über das Erreichte. „Ich bin unglaublich zufrieden. Ich habe damit gerechnet, knapp unter 1:10 zu laufen. Das lässt hoffen auf die neue Saison im kommenden Jahr.“ Übrigens: Auch die Zeit von PSV-Kollege Tom Ring auf Rang vier lang unter dem alten Streckenrekord (1:10:05).

Der Dreifach-Triumph 

Was die Männer können, können wir auch – scheinen sich die PSV-Läuferinnen beim Kassel Marathon gesagt zu haben. Sie hüllten das Siegerpodest in Grün und Weiß. Souverän auf Rang eins: Melat Yisak Kejeta. Die Äthiopierin ist im bundesweiten Vergleich derzeit die stabilste Frau über 21 Kilometer, allerdings wird sie als anerkannte Asylbewerberin in den deutschen Bestenlisten nicht geführt. Ihre 1:11:38 Stunden bedeuteten was? Logisch, ein souveräner Streckenrekord. Die alte Bestzeit von Silke Optekamp datierte aus dem Jahr 2013 (1:17:59). „Ich bin hier zum ersten Mal gelaufen. Es war sehr schön. Ich hatte zwar mit Magenproblemen zu kämpfen, aber die Stimmung an der Strecke war toll. Ich danke Gott, meinem Trainer Winfried Aufenanger und meinen Freunden für die Unterstützung“, sagte sie. Ebenso glücklich war Anna Starostzik auf Rang zwei (1:18:40). „Es hat so viel Spaß gemacht. Ich habe mich super gefühlt. Die ersten Kilometer waren sehr ruhig, ab Kilometer 14 wurde es dann voll an der Strecke. Da habe ich noch einmal alles mobilisiert. Und ich sage nur: Bestzeit.“ Eine knappe Minute später kam auch Sandra Morchner ins Ziel, die Dritte im grün-weißen Bunde. 

Die Bilanz der Sylterin mit einem leichten Augenzwinkern: „Es war anstrengend, es waren wahnsinnig viele Hügel. Das bin ich nicht gewohnt. Aber ich bin noch nie unter 1:20 gelaufen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.