Interview mit Dr. Peter Kentsch

Läuferprobleme: Operationen sind laut Arzt die Ausnahme

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Arm in Arm: Dr. Peter Kentsch kennt die Knochen des menschlichen Skeletts und vor allem die kleinen und großen Ärgernisse, die damit einhergehen können.

Baunatal. Läufer leiden öfter mal an dem einen oder anderen Zipperlein oder plagen sich gar mit richtig ernsten und langwierigen Verletzungen.

Einer, der damit recht oft zu tun hat, ist Dr. Peter Kentsch von der Orthopädischen Praxisklinik in Baunatal. Kentsch, der zudem beratender Arzt beim Eon Kassel Marathon ist, leitet zusammen mit seinem Kollegen Dr. Christian Gröll das sportmedizinische Symposium, das seit mehreren Jahren dem Kasseler Marathon vorgeschaltet ist. Wir sprachen mit ihm über Läufersorgen und Behandlungsmethoden.

Laufen Sie eigentlich wieder selbst in Kassel? 

Kentsch: Am liebsten möchte ich mit meiner Praxis an der Staffel teilnehmen. Wenn das nicht funktioniert, laufe ich den Halbmarathon.

Selbst schon mal Beschwerden gehabt? 

Kentsch: Wade, Ferse, Schulter - ist schon alles vorgekommen.

Und welche Beschwerden kommen bei Ihren Patienten vor so einem Laufereignis besonders oft vor? 

Kentsch: Schmerzen in den Beinen, den Knie- und den Sprunggelenken, Muskelfaserrisse und Verhärtungen sind bei vielen Menschen an der Tagesordnung. Gar nicht mal selten sind auch Rückenschmerzen.

Während des Symposiums wird ja auch über Eingriffe gesprochen. Wie oft muss eigentlich bei Läufern operiert werden?

Kentsch: Extrem selten. Von 100 Patienten vielleicht ein oder zwei. Die meisten Beschwerden resultieren aus Überlastungen. Schonung ist hier die beste Medizin.

Wo liegt der Schwerpunkt des Symposiums? 

Kentsch: Wir sind breit aufgestellt. Meniskus und Achillessehne sind genauso Thema wie Laufschuhe...

... die immer teurer werden und laut Laufindustrie das Wichtigste beim Laufen sind. Stimmt das eigentlich? 

Kentsch: Nein. Den Beweis für diese Behauptung liefert die Laufindustrie selbst. Mal ist mehr Dämpfung angesagt, mal weniger. Mal sind die Schäfte höher und mal niedriger, und inzwischen wird zudem der Zehenschuh beworben. Das beweist aus meiner Sicht, dass es die optimale Standardversion bei Laufschuhen nicht gibt.

Was ist aus medizinischer Sicht im Moment als Trend erkennbar? 

Kentsch: Elektrobehandlungen bei chronischen Muskelfaserverletzungen zählen dazu. Auch Kinesiotapes werden mehr. Statistische Untersuchungen haben allerdings keinen Nutzen nachgewiesen. Ich selbst habe sie genutzt, und der Schmerz war wie ausgeschaltet. Deshalb bin ich ein Verfechter dieser Behandlungsmethode.

Einlagen sind bei Läufern auch mächtig angesagt. Man hat fast den Eindruck, ohne sie geht es nicht. Stimmt das?

Kentsch: Tatsächlich gibt es auch hier Trends, denen man nicht unbedingt hinterherlaufen muss. Natürlich gibt es eindeutige Indikationen wie bestimmte nachteilige Bewegungsabläufe, Zehenstellungen oder Senk- und Spreizfüße, die mit Einlagen positiv beeinflusst werden können. Auch wird die Fußbettung in den Schuhen seitens der Hersteller immer ausgefeilter. Da sind Einlagen oftmals nichts anderes als die Quadratur des Kreises.

Dr. Peter Kentsch (45), Sportmediziner an der Orthopädischen Praxisklinik in Baunatal, engagiert sich seit 2007 als beratender Mediziner beim Eon Kassel Marathon. Kentsch ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat in Halle studiert und lebt in Lohfelden. Kentsch selbst läuft, fährt Fahrrad und betreibt Kraftsport. 

Fachkundiges Publikum zu Gast

Das fachkundige Publikum ist willkommen: Das Sportmedizinische Symposium ist fester Bestandteil im Programm des Eon Kassel Marathons. Die Fachveranstaltung für Ärzte, Physiotherapeuten und orthopädische Schuhmacher findet bereits zum sechsten Mal statt. Am Samstag, 9. Mai, (8 bis 14 Uhr) treffen sich die Teilnehmer wieder im Medizinischen Versorgungs-Zentrum Baunatal (MVZ, Stettiner Straße 5, Baunatal).

Anmeldungen für das Symposium über www.mvz-baunatal.de - die Kosten belaufen sich auf 20 Euro.

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