Vor Start des Kassel Marathon: Doping und Laufmanager im Fokus

Verbotene Substanzen: Neben Tabletten werden etliche Dopingmittel wie Epo per Spritze verabreicht. Foto: dpa

Kassel. Fahnder ließen am 18. September 2016 in Kassel dem Kenianer Edwin Kosgei Zeit für verhaltenen Jubel - blieben dann aber an seiner Seite, bis er eine Dopingprobe abgab.

Plötzlich standen die drei Fahnder der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland (Nada) damals an der Ziellinie im Kasseler Auestadion.

„Sie war negativ“, sagte vor Kurzem Winfried Aufenanger, der Veranstalter des EAM Kassel Marathon, der am Sonntag das elfte Mal stattfindet. Die Richtigkeit dieser Aussage bestätigte vor wenigen Tagen Eva Bunthoff, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Nada.

Aussagen über einen erneuten Einsatz beim Kassel Marathon aber wollte sie nicht machen: „Unser Kontrollsystem muss unberechenbar bleiben. Es dürfen keine vorhersagbaren Muster entstehen“, sagt Bunthoff über die Arbeit der Nada, die im vergangenen Jahr insgesamt neun deutsche Marathonveranstaltungen kontrolliert hat.

„Wir kontrollieren nicht nur im Wettkampf, sondern auch außerhalb der Rennen, zum Beispiel im Training oder zu Hause. Bei den verbotenen Substanzen und Methoden wird unterschieden in Substanzen und Methoden, die jederzeit verboten sind und Wirkstoffe, die zusätzlich im Wettkampf verboten sind. Die Verbotsliste umfasst rund 200 Stoffe“, sagt Bunthoff weiter.

Kölner Dopingforscher: Prof. Dr. Mario Thevis.

Dass alle in Kassel gesammelten Proben negativ waren, kann durchaus als positives Zeichen gewertet werden. Allerdings ist Doping in den Ausdauersportarten wie dem Marathon keineswegs eine Seltenheit: „Epo ist dabei nach wie vor eines der Präparate mit den mutmaßlich größten Einflüssen auf die Ausdauerleistungsfähigkeit. Leistungssteigerungen bis zu zehn Prozent sind geschätzt worden“, sagt Prof. Dr. Mario Thevis, Dopingforscher an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Laut Thevis arbeiten die Dopingfahnder inzwischen mit Pharmafirmen sowie Zoll- und Kriminalämtern zusammen, um Testverfahren für Mittel zu etablieren, die offiziell noch gar nicht am Markt sind. „Inzwischen gibt es Produkte in Tablettenform, die dem Körper eine Sauerstoffschuld vortäuschen, woraufhin dieser die körpereigene Epo-Produktion erhöht“, weiß Thevis über das Doping beim Marathon, wo allerdings auch andere verbotene Mittel zum Einsatz kommen: „Anabolika und Testosteron können zur Verbesserung der Regenerationsfähigkeit eingesetzt werden, um umfangreicher zu trainieren“, sagt der 44-Jährige.

Gehälter nicht gezahlt?

Obwohl Doping in Kassel bisher offensichtlich kein Thema für die Top-Athleten war, tauchten in diesem Sommer andere Vorwürfe auf. So wurden in einer ARD-Reportage schwere Vorwürfe gegen den südhessischen Athletenbetreuer Alexander Hempel erhoben.

Hempel, zu dessen Aktiven auch der im vergangenen Jahr siegreiche Edwin Kosgei zählt, wird vorgeworfen, die Sportler menschenunwürdig unterzubringen und ihnen Antrittsgeld und Siegprämien vorenthalten zu haben. Der 45-Jährige, dessen Athleten bereits mehrfach in Kassel starteten, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der von ihm betreute Vorjahressieger Edwin Kosgei soll allerdings am Sonntag in Kassel laufen, was auf Kritik stößt: „Ich sehe es generell kritisch, dass bei kleineren Veranstaltungen wie dem Kasseler Marathon afrikanische Läufer an den Start gehen“, sagt der Kasseler Sportwissenschaftler Prof. Dr. Kuno Hottenrott. In Kassel sei die Zahl der Marathonläufer zuletzt gesunken. „Ich glaube nicht, dass sich die Strahlkraft der Veranstaltung dadurch erhöht, dass afrikanische Läufer starten“, sagt Hottenrott.

Im Laufsport engagiert: Prof. Dr. Kuno Hottenrott aus Kassel.

Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Kenianer und Äthiopier mit Laufmanagern konfrontiert werden, die nur auf ihre eigenen Einnahmen achten: „Darauf sollte künftig auch von Veranstalterseite genau geschaut werden“, fordert Hottenrott.

Nada und das Kölner Dopinglabor

• Die Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschland (Nada) ist eine selbständige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die am 15. Juli 2002 in Bonn gegründet und zum 1. Januar 2003 rechtskräftig tätig wurde. Ihr Ziel ist die Bekämpfung des Dopings durch Trainings- und Wettkampfkontrollen.

• Die von der Nada genommenen Urin- und Blutproben werden in den beiden deutschen Laboren in Köln und Kreischa analysiert. Beide Institute sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Kontrollsystems.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.