Schon 73,5 Kilometer am Stück gelaufen

332 Marathons in acht Jahren - und Sylke Kuhn (47) hat immer noch nicht genug 

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Eine kleine Auswahl ihrer Erfolge: Medaillen und Pokale hat Sylke Kuhn zuhauf. Denn mit 332 gelaufenen Marathons gehört sie zu den Top 100 der Weltrangliste.

Sylke Kuhn hat schon 332 Marathons absolviert. Und sie denkt lange nicht ans Aufhören. Für sie ist ein Marathon Spaß und das, obwohl bei diesem Sport der Kampf gegen sich selbst entscheidend ist. 

Es klingt verrückt: 332 Marathons in acht Jahren. „Ein bisschen größenwahnsinnig“ sei das vielleicht schon, sagt Sylke Kuhn am Tisch in ihrem Wohnzimmer. Die 47-jährige Marathonläuferin, Bankerin und Diplom-Ökonomin lacht verschmitzt.

Die verheiratete Mutter zweier Kinder ist viele harte Rennen gelaufen. Ziemlich viele, wie sie zugibt. An alle kann sie sich nicht erinnern. Aber Highlights gab es schon. Zum Beispiel der Mährische Ultramarathon in Tschechien, bei dem sie jeweils 43 Kilometer an sieben aufeinander folgenden Tagen gelaufen ist. Manchmal absolvierte sie sogar drei Marathons an einem Tag. Sie lief auch einen Ultramarathon mit 73,5 Kilometern am Stück, einen Marathon auf Gran Canaria und einen in San Francisco. Für das kommende Jahr plant sie, beim Funchal-Marathon auf Madeira mitzulaufen.

Sie hat es auf die Top 100 der Weltrangliste geschafft 

Die Frau, die früher bei der Sparda-Bank in Kassel gearbeitet hat, hat sich auf die Top 100 der Weltrangliste mit den meisten Marathons gerannt. Die Liste wird angeführt von Christian Hottas, eine Lauflegende aus Hamburg, der mehr als 2500 Marathons erfolgreich abschloss. Gefolgt von Sigrid Eichner aus Berlin mit 2100. Die 78-Jährige ist ihr Vorbild.

Geht so etwas allein durch körperliche und mentale Voraussetzungen? „Nicht nur. Auch meine Ernährung spielt eine große Rolle, da ich mich vegan verpflege“, sagt Kuhn. Das kommt ihr beim Training zugute, wie sie sagt. Für sie ist ein Marathon auch eher Spaß – ganz ohne Leistungsdruck.

Denn jede Marathonläuferin hat ihre eigene Art, mit der Erschöpfung, dem nagenden Zweifel und den physischen Qualen auf den letzten Kilometern umzugehen. Aber es gibt kein wirkliches Rezept. Die Qual ist eine unvermeidliche Tatsache, sie zu ertragen oder nicht, bleibt jedoch dem Läufer überlassen.

Durchhalten, dranbleiben, daran glauben 

Man muss nicht einmal ein übermenschlicher Sportler dafür sein. Viel schwieriger ist es beispielsweise, einen Marathon unter 3:30 Stunden zu schaffen. Durchhalten, dranbleiben, daran glauben, das hilft häufig. Ihre Bestzeit lief sie beim Frankfurt Marathon in diesem Jahr. 3:21:24 Stunden. Kuhn ist zudem Mitglied beim 100-Marathon-Club, in dem man, wie der Name schon verrät, nur Mitglied werden kann, wenn man über 100 Marathons gelaufen ist. 

Ihr heimischer Verein ist die Laufgemeinschaft Vellmar. 2006 hat sie mit dem Laufen angefangen. „Das waren aber nur fünf Kilometer Volksläufe“, sagt Kuhn. Heute läuft sie 5000 Kilometer und verschleißt vier Laufschuhe in einem Jahr.

Ausgleich und Regeneration durch Schwimmen 

Wer will, findet an fast jedem Tag einen Lauf, meistens sogar über die volle Distanz von 42,195 Kilometern. Darunter Veranstaltungen wie der Speck-Weg-Marathon in Berlin, den 25. Running Paule Marathon in Bad Münder oder den 2. Kasseler Silvester-Marahon in Kassel am letzten Tag des Jahres. Kuhn holt sich ihren Ausgleich und die Regeneration durch Schwimmen. An zwei Tagen pro Woche, jeweils einen Kilometer. „Außerdem habe ich viel Rückhalt und Unterstützung von meiner Familie“, sagt Kuhn. Denn die sind auch alle Läufer.

Ein Kampf gegen sich selbst 

Es ist ihre mentale Stärke, die sie beim Laufen hält. Entscheidend ist bei diesem Sport keine Teamleistung wie beim Fußball, keine Technik wie in der Formel 1, sondern allein die Fähigkeit des Einzelnen, Kraft und Ausdauer für sein angestrebtes Ziel zu erlangen. Es ist kein Kampf gegen eine andere Mannschaft. Es ist ein Kampf des Einzelnen gegen sich selbst.

Kuhn hat diese Energie und wird wieder starten. Und wieder. Sie ist glücklich, will verletzungsfrei bleiben und ihre Freude beim Laufen behalten.

Von Henry Valentin

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