Hochspringer holte 1964 in Tokio eine Medaille

Als Bronze nach Kassel ging: Klaus Lehnertz wurde Dritter bei den Olympischen Spielen

Klaus Lehnertz

Kassel. Nur zwei Medaillen haben nordhessische Sportler in der 118-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele gewonnen. Im Jahr 2000 in Sydney holte Marcel Hacker (Kasseler Frauen-Ruderverein) Bronze im Einer, und 1964 in Tokio sicherte sich Klaus Lehnertz (KSV Hessen) die Bronzemedaille im Stabhochsprung.

Wir blicken auf den 17. Oktober zurück, den Tag, an dem Lehnertz seinen größten sportlichen Erfolg feierte.

WETTKAMPFBEGINN 

Der Wettkampf beginnt um 13 Uhr, und niemand ahnt, dass die Medaillengewinner erst neun Stunden später feststehen werden. „Jeder Athlet durfte sich bei jedem Versuch soviel Zeit lassen wie er wollte, einige haben das weidlich ausgenutzt“, erinnert sich Lehnertz. Der Kasseler wählt zum Einstieg 4,40 m und überspringt diese Höhe im ersten Versuch. Später gelingt ihm dies auch mit 4,50 m, 4,60 m, 4,70 m, 4,80 m und 4,90 m. Damit stellt Klaus Lehnertz seine Bestleistung ein, die ihn auf Platz zwölf aller im olympischen Wettbewerb antretenden Stabhochspringer gebracht hatte.

FAVORITEN 

Der 26-Jährige hat sich vorgenommen, diese Platzierung zu bestätigen oder leicht zu verbessern. Von einer Medaille träumt er nicht, denn um die Plätze auf dem Siegerpodest - da sind sich die Experten einig - kämpfen Fred Hanson, John Pennel (beide USA), Gennady Bliznetzov (UdSSR), Rodolf Tomasek (CSSR), Wolfgang Reinhardt (Leverkusen) und Manfred Preußger (Leipzig). Weil 1964 eine gesamtdeutsche Mannschaft antritt, sind Reinhardt, Preußger und Lehnertz Teamkameraden.

FREUND AUS DEM OSTEN

Der Kasseler und der Leipziger verstehen sich bestens, geben sich gegenseitig Tipps, und Preußger filmt gar einige Sprünge seines Kontrahenten aus dem Westen. Später wird Lehnertz sagen, dass es ihm leid tut, ausgerechnet Manfred Preußger auf den vierten Platz verwiesen zu haben.

ENTSCHEIDENDE PHASE 

Geschafft: Klaus Lehnertz überspringt die Latte im Trikot des KSV Hessen. Foto: Schirner

Als die Latte fünf Meter hoch liegt sind noch sechs Athleten im Wettbewerb. Hanson, Reinhardt, Preußger und Lehnertz sind bereits im ersten Versuch erfolgreich, Bliznetzov reißt und verzichtet auf seine beiden weiteren Versuche, um sie sich für die nächste Höhe aufzubewahren. Tomasek ist zweimal erfolglos und verzichtet auf den dritten Versuch.

5,05 m schafft nur Reinhardt, da Hanson verzichtet und sowohl Preußger als auch Lehnertz dreimal scheitern. Bliznetsov nutzt seine beiden aufbewahrten Sprünge ebenso wenig wie Tomasek seinen einen noch verbliebenen Versuch.

Jetzt steht fest, dass Klaus Lehnertz die Bronzemedaille gewonnen hat, während Hanson und Reinhardt um Gold kämpfen. Den Olympiasieg holt sich schließlich der Amerikaner, der im Gegensatz zu Reinhardt im dritten Versuch 5,10 m überspringt.

NACH DEM WETTKAMPF 

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Wie fühlt sich ein Bronzemedaillengewinner, der nie und nimmer mit so einem großen Erfolg gerechnet hat? Klaus Lehnertz sagt, dass so ein Gefühl unbeschreiblich ist, weiß aber noch, dass er in der folgenden Nacht kein Auge zugemacht hat. Der Kasseler ist nicht der Typ, der sich das Trikot vom Leibe reißt und mehrere Ehrenrunden läuft, aber er genießt den Beifall der Zuschauer, die geduldig ausgeharrt haben und von einem faszinierenden Stabhochsprungwettbewerb belohnt worden sind.

EMPFANG IN KASSEL 

Empfang in Kassel: Klaus Lehnertz und seine Ehefrau Gisela werden vor dem Rathaus von mehreren tausend begeisterten Fans gefeiert. Foto: nh

Drei Wochen später ist aber auch Klaus Lehnertz gerührt. Am 6. November feiern mehrere tausend Kasseler ihren Bronzemedaillengewinner vor dem Rathaus. Der Stabhochspringer wendet sich seinen Fans zu und sagt zwei Sätze, die von Herzen kommen: „Ihre Begeisterung zeigt mir, dass Sie sich mit mir über meinen Erfolg gefreut haben. Dass Sie sich mit mir freuen, ist für mich die schönste Freude.“ 50 Jahre danach erinnert sich Lehnertz immer noch gern an den Stabhochsprungwettkampf von Tokio, aber der 76-Jährige genießt auch die Gegenwart. Golf, Ski alpin, Ski nordisch, Literatur, Musik: Auch der Ruhestand hat seine spannenden Tage.

Von Gerd Brehm

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