Sie verbesserte den Deutschen Rekord deutlich

Kasseler Sportwissenschaftler über Konstanze Klosterhalfen: „Doping schließe ich völlig aus“

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Läuft zu ihrem Sieg: Konstanze Klosterhalfen im 5000-Meter-Finale bei den Deutschen Meisterschaften im Berliner Olympiastadion. Sie gewann mit Abstand und verbesserte den deutschen Rekord um 16 Sekunden. 

Kassel. Konstanze Klosterhalfen ist bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin über 5000 Meter allen davon gelaufen. Wir sprachen mit Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott über den Leistungssprung und ungewöhnliche Trainingsmethoden.

Herr Hottenrott, ist dieser Leistungssprung von Konstanze Klosterhalfen normal?

Auf ihrem hohen Leistungsniveau sind solche Steigerungen etwas Außergewöhnliches, aber möglich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Klosterhalfen im vergangenen Jahr mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte und nun seit über einem Jahr unter hervorragenden Bedingungen trainieren kann, ist eine Leistungssteigerung wie die jetzige realistisch.

Wieso ist Konstanze Klosterhalfen plötzlich so stark?

Klosterhalfen ist außergewöhnlich fürs Laufen talentiert. Sie ist groß und hat sehr lange Beine, insbesondere lange Oberschenkel und damit optimale Voraussetzungen, schnell zu laufen. Seit der Jugend überrascht Klosterhalfen mit hohen Leistungsfortschritten.

Vor Kurzem wechselte sie in die USA und trainiert dort unter anderen Bedingungen. Der entscheidende Faktor für den jetzigen Erfolg?

Ja. Der Ortswechsel in die USA nach Portland verbessert die Möglichkeiten mit alternativen Trainingsmitteln wie auf einem Unterwasser- und Gravitationslaufband zu trainieren. Damit können Kraft- und Schnelligkeit hervorragend trainiert werden. Außerdem lebt Klosterhalfen in einem Höhenhaus mit Bedingungen wie auf einem 3500 Meter hohen Berg.

Erklären Sie die Methode mit dem Höhenhaus mal genauer.

In solch ein Höhenhaus wird mehr Stickstoff hineingepumpt, und dadurch verringert sich der Sauerstoffanteil in der Luft. Das kann dann so reguliert werden, dass eine Höhe von 3500 Metern simuliert wird.

Ist das eine normale Trainingsmethode?

Die wird von Sportlern genutzt, aber, dass sie darin leben, wie es Klosterhalfen tut, ist durchaus besonders. Auf dem Niveau, wie das im Oregon Project in den USA durchgeführt wird, gibt es das in der Leichtathletik sonst nicht.

Wie profitiert Klosterhalfen davon?

Durch den Höheneinfluss verändern sich die roten Blutkörperchen. Das was andere mit Doping machen, macht sie so auf natürlichem Weg. Der Sauerstofftransport verbessert sich und die Muskulatur wird optimal mit Sauerstoff versorgt.

Stichwort Doping: Gegen den Trainer, Alberto Salazar, gibt es Dopingvorwürfe. Wie beobachten Sie das?

Diese Vorwürfe gibt es seit vielen Jahren und sind in Bezug auf Konstanze nichts Neues. Fakt ist, dass die Nutzung unerlaubter Mittel und Methoden bisher nicht nachgewiesen werden konnten.

Halten Sie es für möglich, dass ihr unerlaubte Substanzen zu diesem Rekord verholfen haben?

So wie ich Konstanze kennengelernt habe, schließe ich Doping völlig aus. Sie ist seit Jahren im Anti-Doping

Administration & Management System der Welt-Anti-Doping-Agentur angemeldet und kann täglich an jedem Ort der Welt kontrolliert werden. Auch nach dem Fabellauf in Berlin wurde eine Dopingkontrolle durchgeführt, wie es heute bei jedem Rekordlauf verpflichtend ist.

Sie steht auch immer wieder wegen ihres Gewichts im Fokus, wiegt bei 1,74 Metern nur 48 Kilogramm. Ist das noch gesund und leistungsfördernd?

Konstanze hat ein geringes Körpergewicht, aber ohne ausreichende Zufuhr von Mineralien, Vitaminen und Eiweißen wären diese Leistungen nicht möglich. Sie ist Leistungssportlerin und versucht, sich optimal zu ernähren. Einer Gesundheitssportlerin würde ich nicht zu so einem niedrigen Gewicht raten. Wenn man sich Läufer oder Radfahrer anschaut, die 1,83 Meter groß sind und 55 Kilo wiegen, dann stellt man das Gleiche fest. Man kann das kritisch sehen, aber es liegt in der Verantwortung der Sportler. Die meisten wissen, wie weit sie mit ihrem Gewicht runtergehen können. Da wird versucht, das Optimum zu finden.

Muskelkraft muss ja aber vorhanden sein.

Die hat Klosterhalfen. Das sieht man an ihren Leistungen. Der Körperfettanteil ist stark reduziert, aber sie hat eine hohe Muskelmasse.

Kuno Hottenrott (60) wurde 1959 in Heiligenstadt in Thüringen geboren und wohnt mit seiner Familie in Kassel. Seit 2003 ist er Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Bereich Trainingswissenschaften und Sportmedizin. Von 1987 bis 1993 war er Nachwuchstrainer der Deutschen Triathlon Union. Seine Tochter Laura Hottenrott ist Langstreckenläuferin und mit Klosterhalfen befreundet. 

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