Die Eiskunstlauf-Legende war der Star der DDR

Katarina Witt hat Geburtstag: Das schönste Gesicht des Sozialismus ist 50

Ein legendärer Auftritt: Katarina Witt als „Carmen“ beim Olympiasieg 1988 in Calgary. Archivfoto:  dpa

Hamburg. Sie ist immer in Bewegung, nur nicht mehr auf dem Eis. „Einfach in die Halle fahren und laufen, das mache ich nicht. Ich habe immer zu einer Choreographie eine Geschichte erzählt.

Eine schöne Erinnerung“, sagt Katarina Witt, „aber diese Zeit ist vorbei.“ 50 Jahre alt wird die deutsche Eiskunstlauf-Ikone heute, 40 davon hat die Sächsin auf Schlittschuhen verbracht und dabei Erfolge über Erfolge gefeiert. Zweimal Olympiasiegerin, viermal Weltmeisterin, sechsmal Europameisterin, achtmal DDR-Meisterin – in den Achtzigerjahren war Witt definitiv die beste Läuferin der Welt. Und der Star des DDR-Sports, mit vielen Verehrern auch in Westdeutschland.

Was das „schönste Gesicht des Sozialismus“ nicht so wirklich mitbekam, denn: „Ich habe mich eindeutig als DDR-Bürgerin gefühlt und das nie angezweifelt. Eine deutsche Einheit habe ich mir als damals sehr junger Mensch nicht vorstellen können.“

Zumal die ostdeutsche Obrigkeit ihr populäres Aushängeschild mit Privilegien wie Privat-PKW, Datsche und Reisemöglichkeiten bei Laune zu halten versuchte, dafür aber auch Gegenleistungen verlangte. Dazu gehörten die eine oder andere Ergebenheitsadresse an Honecker und Co. und einzelne Auftritte im FDJ-Blauhemd, die ihr dann zu Wendezeiten aber Beschimpfungen als „Stasi-Ziege“ eintrugen.

Dennoch griff auch die notorisch misstrauische Staatssicherheit mit ihren Krakenarmen nach Witt und spionierte intimsten Details ihres Privatlebens nach, wie sie selbst in ihrer Autobiographie „Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür“ dokumentiert. Insgesamt sind es 3103 Seiten in 27 Bänden. Vom Mauerfall 1989 erfuhr sie während der Dreharbeiten zum Film „Carmen on Ice“ in Sevilla. „Ich war beim Mauerfall wohl die einzige DDR-Bürgerin in Spanien“, erinnert sich die Chemnitzerin, die nach Jahren in den USA nun schon lange in Berlin lebt.

In den Neunzigerjahren genoss der Kufenstar die neuen Freiheiten, Aktfotos im Playboy inklusive. In Windeseile war das Männermagazin ausverkauft – 1998 und 2001 noch einmal. Revuetourneen in Nordamerika, TV-Shows in Deutschland - rastlos jettete Witt umher, „wie ein Rockstar“ fühlte sie sich manchmal.

Auch mit 50 gefragt und attraktiv: Katarina Witt am 6. November in der NDR-Talkshow. Foto:  dpa

Seit 2005 kümmert sich die Katarina-Witt-Stiftung um behinderte Kinder. Auch Witt selbst, die keine eigenen Kinder hat, wirbt immer wieder für Spendengelder. Mit einer Ausdauer, die ihrer sportlichen Vergangenheit geschuldet ist: „Der Leistungssport ist eine unglaubliche Schule. Mit Rückschlägen komme ich besser zurecht, weil ich sie aus dem täglichen Training kenne.“ Eine Härte, an der auch ihre unerbittliche Trainerin Jutta Müller einen großen Anteil hat.

Von offiziellen Ämtern, zum Beispiel in der Deutschen Eislauf-Union (DEU), hat sich die Witt ferngehalten, zu sehr hat der Eiskunstlauf in Deutschland – auch nach ihrem Abgang – an Popularität und Ausstrahlungskraft verloren. Repräsentanzen für Disney on Ice oder BMW sind glamouröser - und auch weit lukrativer.

Schwer getroffen hat Witt das Scheitern der Olympiabewerbung Münchens für 2018. „Das sportpolitische Parkett ist glatter als eine frisch gewischte Eisbahn“, erkannte sie als weltweite Botschafterin. Dass das technische Niveau der aktuellen Eiskunstläufer höher ist als das ihre vor 30 Jahren, räumt „Kati“ offen ein, aber auch mit Bedauern: „Früher konnte man mal 20 Sekunden posen und mit dem Publikum flirten, dafür gibt’s heute nicht mal mehr Blech.“ (sid)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.