„Keinen Leitwolf im Team“ - Cheftrainer Alexander Stöckl über seine Arbeit in Norwegen

Er ist derzeit der beste Springer aus dem Team von Chefcoach Alexander Stöckl: der Norweger Kenneth Gangnes. Der 26-Jährige rangiert im Gesamtweltcup auf Rang drei. Foto: dpa

Willingen. Die Norweger sind die Überraschung der Saison: 2015 erklärten die Top-Springer Anders Jacobsen und Anders Bardal ihren Rücktritt, doch Chefcoach Alexander Stöckl zauberte direkt die nächsten starken Athleten aus dem Hut. Wie das geklappt hat? „Wir haben die Freiheit, alles zu probieren und auch Fehler zu machen“, sagt der 42-jährige Österreicher. Fürs heutige Teamspringen (17.50 Uhr, ARD) gehören sie auf jeden Fall zu den Favoriten.

Herr Stöckl, zwei Topspringer hören auf und die nächsten starken Sportler kommen sofort nach. Wie machen Sie das? 

Alexander Stöckl: Das ist nicht so leicht zu erklären. Dass die zwei älteren Springer wegfalllen, hat ein wenig Raum geschaffen für eine andere Teamkultur. Die Alten hatten mehr oder weniger das Sagen, weil sie eben die meiste Erfahrung hatten. Jeder hat ihnen nachgeeifert, und die älteren Springer waren eher ruhiger. Die jungen sind wilder und wir haben im Team keinen Leitwolf, alle sind gleichwertig. Dadurch haben wir eine ganz interessante Energie aufgebaut. Und wir haben die Freiheit, alles zu probieren und auch Fehler zu machen. Ich glaube, dass es das ist, was das Team so stark macht.

Trotzdem hat Sie Ihr Team überrascht, oder? 

Stöckl: Ja, gerade weil es eine so junge und eben auch unerfahrene Mannschaft ist. Das sind alles Athleten, die das erste Mal seit Beginn dieser Saison im Weltcup dabei sind. Da ist es schon verwundernd, dass sie so konstant springen. Wir brauchen aber schon noch etwas Zeit, um einen oder zwei Spitzenathleten vorne drin zu haben. Wir arbeiten dran und werden es auf jeden Fall spannend machen.

Mit den Jungs haben Sie quasi bei Null angefangen, als Sie 2011 das Amt als Norwegens Coach übernommen haben. 

Stöckl: Das kann man so sagen. Das System in Norwegen ist zwar relativ gut gewesen, die Philosophie, wie die Athleten zum Spitzensport hingeführt werden, war aber zu spezialisiert. Es hat sich alles nur auf das Skispringen konzentriert. Das haben wir umgestellt. Auch wenn es in Norwegen immer Athleten gegeben hat, die sehr schnell sehr gut waren, aber die haben sich nie oben halten können. Wir haben versucht, über einen ganzheitlichen Aufbau den Athleten einfach bessere Grundlagen zu geben, um langfristig erfolgreich zu sein.

Bisher läuft’s doch ganz gut: Von Ihren sieben Weltcup-Springern schaffen es meistens drei unter die Top Ten. 

Stöckl: Die Athleten springen sehr gut, sind technisch sehr ausgereift, und die meisten Springer sind gute Flieger. Die Konstellation ist ganz gut, und auch das Material passt. Die Jungs sind sehr aggressiv in ihrer Sprungweise, speziell die jungen, sie holen im Flug viel raus.

Aber bei der Anzugskontrolle gab’s hin und wieder Probleme – und Disqualifikationen. 

Stöckl: Das ist richtig. Wir haben ein paar Schwierigkeiten gehabt, der Tiefpunkt war in Lillehammer, wo vier Athleten von der nationalen Gruppe disqualifiziert worden sind. Ich verstehe, dass die Leute dann spekulieren, dass wir über die Grenzen gehen. Es ist aber nicht unser Ziel, dass die halbe Mannschaft aus dem Wettbewerb fällt.

Ihr Tipp, wie geht der heutige Teamwettkampf aus? 

Stöckl: Es sind drei, vier Teams, die ums Podium kämpfen werden. Dazu gehören Deutschland, Slowenien Österreich und eben wir.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.