Bei der 11. Etappe

Kittel holt fünften Etappensieg bei Tour de France

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Marcel Kittel hat sich in Pau einen weiteren Etappensieg geholt.

Die Tour de Kittel geht weiter. Der deutsche Radstar feiert auf der elften Etappe seinen fünften Sieg. Die Konkurrenz ist im Massenspurt chancenlos. Für die Tourfavoriten um Chris Froome wird es ab Donnerstag in den Pyrenäen ernst.

Pau - Marcel Kittel streckte schon einige Meter vor dem Zielstrich fünf Finger in die Höhe, dann verschnaufte er für einige Momente auf dem Asphalt. Der deutsche Supersprinter bewegt sich auf den Spuren von „Kannibale“ Eddy Merckx und bringt die Uralt-Rekorde der Tour de France ins Wanken.

Kittel holte sich am Mittwoch mit einer weiteren Sprint-Gala in Pau bereits seinen fünften Etappensieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt, womit er die deutsche Bestmarke von Didi Thurau einstellte. „Im Moment kommt alles zusammen, ich habe super Beine, ich habe meine Linie gefunden im Sprint und konnte allen aus dem Weg gehen. Es ist ein geiles Gefühl“, sagte er in der ARD.

Kittel siegte einen Tag vor dem Einstieg in die Pyrenäen auf der elften Etappe nach 203,5 Kilometern von Eymet nach Pau souverän vor Dylan Groenewegen und dem Norweger Edvald Boasson Hagen. Damit sind die Hochrechnungen längst im Gange: Wieviele Etappensiege holt der 29-jährige Erfurter noch? Bis zum Tour-Rekord fehlen nur noch drei Tagessiege. Die beiden Belgier Eddy Merckx und Freddy Maertens sowie der Franzose Charles Pelissier (1930) schafften das Kunststück, acht Etappen in einem Jahr zu gewinnen. Im günstigsten Fall ist das auch für Kittel möglich.

Kittel: „Bis Paris ist es noch weit“

Er träumt schon vom Sprint-Sieg auf dem Chaussee Elysee beim Finale am Sonntag in einer Woche: „Natürlich ist das ein großer Traum, ich denke auch dran. Aber wir sind erst bei Etappe elf. Es klingt banal, aber bis Paris ist es noch weit.“

In Pau konnte der Quick-Step-Profi bereits deutlich vor dem Ziel den Sprint ausrollen lassen, der Vorsprung reichte allemal. Überlegen war er auch am Vortag in Bergerac, als er zum alleinigen deutschen Rekordsieger aufgestiegen war. Sein Vorgänger Erik Zabel (12 Etappensiege) ist jedenfalls schwer begeistert. „Es ist eine Freude, ihm zuzusehen, mit welcher Leichtigkeit und Eleganz er seine Siege einfährt. Seine Einstellung muss überragend sein, nicht verbissen und verkrampft. Für mich ist er der neue Cipollini - nur schneller und hübscher“, sagte Zabel dem Internet-Portal Radsport-News.

Kittel hat auch beste Chancen als erster Deutscher seit Zabel das Grüne Trikot in Paris zu holen. Mit 335 Punkten liegt er bereits 133 Zähler vor dem Australier Michael Matthews. Dritter ist André Greipel (171), der in Pau Platz sieben belegt hatte.

Am Donnerstag wird die Kittel-Siegesserie aber vorerst gestoppt, wenn es in die Pyrenäen geht. So nutzten die Topstars die Flachetappe, um ihre Kräfte zu schonen. Froome trug auf dem Weg nach Pau, das bereits zum 69. Mal bei der Tour angesteuert wurde, zum insgesamt 50. Mal das Gelbe Trikot. 18 Sekunden beträgt sein Vorsprung auf den Italiener Fabio Aru, dahinter lässt der Vorjahreszweite Romain Bardet die Gastgeber bei einem Rückstand von 51 Sekunden auf den ersten französischen Toursieg seit 1985 hoffen.

Drei Ausreißer bestimmen lange Zeit das Geschehen

Die elfte Etappe nahm am Mittwoch einen fast altbekannten Verlauf. Drei Ausreißer, darunter der Pole Maciej Bodnar vom deutschen Bora-hansgrohe-Team, bestimmten lange Zeit das Geschehen. Das Feld gönnte der kleinen Gruppe aber nur wenige Minuten Vorsprung, so dass es zum Ende hin zum Zusammenschluss kam.

Für Aufregung sorgte 93 Kilometer vor dem Ziel ein Sturz im Feld, dabei war auch John Degenkolb wieder betroffen. Der Etappenzweite von Bergerac konnte aber ohne größere Verletzungen die Fahrt fortsetzen. Dagegen kam für Arus Helfer Dario Cataldo mit einer Handverletzung das Tour-Aus. Im weiteren Verlauf stürzte auch Ex-Sieger Alberto Contador.

Nach den Pyrenäen-Etappen muss sich Kittel wohl bis Dienstag gedulden, ehe er wieder um einen Etappensieg sprinten kann. Aber bereits jetzt hat er seinen Marktwert auf schätzungsweise zwei Millionen Euro nach oben geschraubt. Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevere hat bereits gescherzt, dass er ihn kaum mehr bezahlen könne. Als möglicher neuer Arbeitgeber wird indes das russische Katusha-Alpecin-Team gehandelt.

dpa

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