Kleine Bayern 60 Minuten groß

Schnellcheck: München verspielt in Turin 2:0-Vorsprung – am Ende 2:2

Den Ball immer im Blick: Münchens Thomas Müller (unten) im Zweikampf mit Turins Paul Pogba. Foto: dpa

Kassel. Fußball-Bundesligist FC Bayern München hat im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Juventus Turin ein 2:2 erreicht. Allerdings gaben sie einen 2:0-Vorsprung aus der Hand. Der Schnellcheck:

Wie groß waren die kleinen Bayern?

Was war im Vorfeld nicht diskutiert worden über die körperlich zu kleinen Abwehrspieler der Bayern: Ob sie eine Chance haben gegen die viel größeren Turiner? Nun ja, auf dem Platz waren die kleinen Bayern zunächst ganz groß. Sie gingen nach dem Motto vor: Wenn wir schon ein Abwehrproblem haben, dann spielen wir so, dass wir die Abwehr gar nicht brauchen. So bildeten die Münchner ein Überfallkommando. Sie drängten die Italiener so sehr in deren Hälfte, dass es den Anschein hatte, die Bayern hätten es mit Darmstadt 98 zu tun. Dass nicht auch noch Manuel Neuer im gegnerischen Strafraum auftauchte, war alles. Allerdings: Aus seiner deutlichen Überlegenheit machte das Team von Trainer Pep Guardiola zunächst zu wenig. So verstolperte Thomas Müller in der 13. Minute einen nicht ganz perfekten Pass von Robert Lewandowski fünf Meter vor dem Tor. Überhaupt fehlte es am Ende eines jeden Spielzuges an Präzision. Und Turin war bei den wenigen Kontern durchaus gefährlich.

Kurz vor der Halbzeit dann belohnten sich die Bayern aber für ihre Leistung: Müller nutzte einen Querschläger der Turiner aus und schoss trocken aus elf Metern ein. Und sie legten kurz nach dem Wechsel nach: Arjen Robben zog im Strafraum von der rechten Seite nach innen und erzielte mit links das 2:0 – als ob sie in Italien noch nie etwas gehört hätten von diesem Robben.

War es das? Nein!

Plötzlich drehte sich das Spiel – und die Bayern zeigten, dass sie verwundbar sind, wenn der Gegner mal Druck macht. Vor allem der junge Innenverteidiger Joshua Kimmich machte nun Fehler. Paulo Dybala traf so zum 1:2 (63.), Stefano Sturado machte das 2:2 (76.) – dahin war der schöne Vorsprung der Münchner. Was bleibt, ist eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 16. März in München.

Was machte Philipp Lahm während seines Jubiläums?

Der 32-Jährige absolvierte seine 100. Partie in der Champions League – Rekord für einen deutschen Feldspieler. Philipp Lahm war einmal mehr Philipp Lahm und spielte ohne Fehl und Tadel. Außerdem steht der Münchner Kapitän nun für eine Weltneuheit: Als Außenverteidiger hielt er sich vornehmlich kurz vor dem Turiner Strafraum auf – Tendenz: in der Mitte. Lahm war also eine außenverteidigendende halbe Neun oder so ähnlich.

Hat Sami Khedira bei Juventus Turin auch mitgespielt?

Moment, wir schauen noch einmal nach: ja. Aber aufgefallen ist der Nationalspieler nicht. Khedira wurde Mitte der zweiten Halbzeit schließlich ausgewechselt.

Gab es einen Aufreger?

Nun ja, die Turiner durften sich schon ein bisschen aufregen, dass Schiedsrichter Martin Atkinson aus England Mitte der ersten Halbzeit keinen Elfmeter für sie gab, als Arturo Vidal den Ball im Strafraum an die Hand bekam. Sagen wir mal so: Rudi Völler hätte ihn gepfiffen. Ansonsten bekamen sich noch Ex-Bayer Mario Mandzukic und Robert Lewandowski, dessen Nachfolger als Stürmer Nummer eins bei den Bayern, in die Wolle. Kopf an Kopf, keiner fiel – alles noch im Rahmen.

Und was hat der aus Kassel stammende André Schubert mit diesem Spiel zu tun?

Der Trainer von Borussia Mönchengladbach saß im Studio des Bezahlsenders Sky als Experte neben Franz Beckenbauer – quasi als Kaiserchen. Schubert gab die Devise der Bayern aus: „Du musst nicht jedes Kopfballduell gewinnen, aber du darfst keins verlieren.“ So geschah es – zumindest eine Stunde lang, als die Bayern Riesen waren.

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