HNA Kommentar

Empörung um Hartings Auftritt geht zu weit: Die Kirche im Dorf lassen

Die Empörung über Christoph Hartings seltsamen Auftritt in Rio geht zu weit - findet Sportredakteur Frank Ziemke.

Am Sonntag also hat Christoph Harting sich entschuldigt für seinen Auftritt nach dem sensationellen Gewinn der Goldmedaille. Man darf annehmen, dass dies auch auf sanften Druck hin geschah, nachdem der deutsche Chef de Mission, Michael Vesper, zuvor verkündigt hatte, der Athlet werde sicher einsehen, dass seine Vorstellung misslungen gewesen sei.

Sportredakteur Frank Ziemke über Hartings Auftritt.

Misslungen war das, was Hartingseinem fantastischen Wurf zum Diskus-Gold abgezogen hat, in der Tat. Ebenso befremdlich war allerdings, welche Lawine danach losbrach. In den Nachrichten-Agenturen ist von „Empörung“ die Rede, die in Deutschland herrsche. In den sozialen Netzwerken wird geurteilt und sich fremdgeschämt. Selbst ein seriöses Nachrichtenmagazin schreibt auf seiner Online-Seite, Deutschland sei „entsetzt“.

Entsetzt? Weil ein Athlet seiner Freude nicht so Ausdruck verleiht, wie das allgemein erwartet wird? Hallo, möchte man da sagen, geht es vielleicht auch ein, zwei Nummern kleiner? Harting hat nach seinem Wurf auf ziemlich seltsame Weise gefeiert – und es uns so schwer gemacht, sich mit ihm zu freuen. Er hat einem TV-Sender ein Interview verweigert – was sein gutes Recht ist. Er hat bei der Nationalhymne rumgehampelt – was er wirklich absolut nicht tun sollte.

Und das war es dann auch. Nichts, was das Wort Skandal verdient. Was entsetzt. Oder empört. Also lassen wir doch die Kirche im Dorf. Da war ein junger Mann mit der Situation offensichtlich überfordert. Er hat die Chance vertan, sich jede Menge Sympathien zu erwerben. Warum, das kann niemand wirklich beurteilen. Wir können darüber den Kopf schütteln. Wir können es befremdlich oder sogar ein wenig traurig finden. Mehr aber auch nicht. Am Ende bleiben wir deshalb sportlich: Harting hat einen grandiosen Wettkampf geliefert.

Rubriklistenbild: © dpa

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