Kommentar von Florian Hagemann

Warum es richtig ist, dass die Nationalelf zum Länderspiel antritt

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Nach den Anschlägen während des Länderspiels gegen Frankreich steht die Nationalelf bald wieder auf dem Rasen. Eine richtige Entscheidung, findet Sportredakteur Florian Hagemann.

Fußball wird immer wieder als schönste Nebensache der Welt bezeichnet – und für viele ist er das auch: eine schöne Sache, aber eben eine Nebensache.  Insofern mutet es merkwürdig an, dass sich die deutsche Fußball-Nationalelf drei Tage nach dem Horror in Paris mit einer Nacht voller Schrecken und Ängste wieder trifft und am Dienstag in Hannover ein Länderspiel gegen die Niederlande bestreitet. Wie selten zuvor ist uns schließlich am Freitagabend vor Augen geführt worden, dass es Wichtigeres gibt als diesen Fußball, der zur Fußnote eines unfassbaren Ereignisses wurde.

Und trotzdem ist es richtig und wichtig, dass sich die Verantwortlichen dafür entschieden haben, die Partie am Dienstag nicht abzusagen. Denn Fußball war und ist auch stets ein starkes Symbol. Ein Symbol der Unbekümmertheit. Ein Symbol der Freude. Ein Symbol der Freiheit für ein paar Minuten. Er verbindet die Menschen weltweit und funktioniert immer und überall: auf der Straße, auf dem kleinsten Fleckchen Erde, selbst in Diktaturen kann der Fußball für ein wenig Ablenkung im trostlosen Alltag sorgen.

Wenn der Fußball sich nun also zurückziehen würde, wäre das ein Signal in die falsche Richtung. Es käme einer Kapitulation gleich; die Täter von Paris hätten erreicht, was sie wollten: dass die Gesellschaft so eingeschüchtert ist, dass sie sich die kleinen Freuden nehmen lässt und in der Konsequenz die große Freiheit. Genau das darf nicht passieren.

Gut möglich, dass die deutsche Mannschaft morgen mit den Gedanken noch ganz woanders ist, dass sie schlecht spielt, dass sie verliert. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt einzig und allein darauf an, dass sie sich zeigt – dass sich der Fußball zeigt und ein Zeichen setzt: mit einer Geste der Geschlossenheit und des Zusammenhalts. In Deutschland. Überall.

Fußball kann insofern selbst als Nebensache auch in Zeiten des allgemeinen Entsetzens viel bewirken. Wenn beim Länderspiel der Franzosen in England zum Beispiel die englischen Fans die Nationalhymne Frankreichs singen, wenn in Hannover das gesamte deutsche Kabinett auf der Tribüne sitzen wird, dann werden dies eindrucksvolle Demonstrationen einer Haltung sein, die jedem Angriff auf unsere Werte entschlossen entgegentritt.

In diesem Zusammenhang muss es auch das Ziel sein, die Fußball-Europameisterschaft 2016 auf alle Fälle in Frankreich auszutragen und sie zu einem großen und friedlichen Fest werden zu lassen. Das wird eine große Herausforderung, aber jede Alternative dazu wäre ein Sieg für die Attentäter von Paris. Und das wäre fatal. Also: Spielt! Morgen und an jedem weiteren Tag.

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