Tour de France startet am Samstag

Die Kraft aus dem Motor: E-Doping im Radsport

Der Kanadier Ryder Hesjdal sorgte bei der Spanien-Rundfahrt 2014 für Aufsehen, als sein Vorderrad nach einem Sturz unnatürlich weiterrollte – vielleicht wegen eines versteckten Motors? Fotos: dpa/nh

Nach drei Jahren Pause überträgt die ARD ab Samstag wieder die Tour de France. Angeblich ist der Radsport sauberer geworden. Derweil rätseln Fachleute über E-Doping.

Ab Samstag ist in der Radsportwelt fast alles wie früher. Die ARD überträgt nach drei Jahren Pause wieder die Tour de France. Für die schnellen deutschen Fahrer wie John Degenkolb und Tony Martin würde man sogar fast die Hand ins Feuer legen, dass sie anders als ihre Vorbilder wie Jan Ullrich sauber sind. Und trotzdem fährt der Doping-Verdacht beim wichtigsten Radrennen der Welt weiter mit. Nun soll die unerlaubte Kraft sogar aus der Steckdose kommen.

Hersteller wie Vivax bieten auch Rennräder als E-Bikes an,

Beim Giro d’Italia vor wenigen Wochen kontrollierte der Internationale Radsportverband (UCI) Rennräder auf versteckte Elektromotoren. Fachleute rätseln, ob E-Doping auf dem Weg ist, unerlaubte Substanzen wie Epo und Wachstumshormone zu ersetzen. Bereits 2010 wurde über „le dopage mecanique“ diskutiert. Da kursierte bei Youtube ein Video, das den Schweizer Profi Fabian Cancellara bei verdächtigen Handbewegungen zeigte, mit dem er einen in der Sattelstütze eingebauten Motor eingeschaltet haben könnte. So habe er damals die Frühjahrsklassiker Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix gewonnen.

Ganz abwegig ist es nicht, dass Profis mit einer elektronischen Anschubhilfe der Konkurrenz davonfahren. E-Bikes boomen seit Jahren, unterstützende Motoren gibt es mittlerweile auch in Mountainbikes und Rennmaschinen. Der dänische Fahrer Marc Reef vom deutschen Rennstall Giant Alpecin sagt: „Es gab in der Vergangenheit immer wieder Geschichten. Keiner weiß, ob sie wahr sind. Jetzt gibt es immer mehr Doping-Kontrollen. Da schauen die Leute nach anderen Wegen zu betrügen.“

Anschubhilfe: Der Australier Cadel Evans brauchte bei der Tour de France 2011 die Unterstützung eines Helfers.

Der Kanadier Ryder Hesjdal geriet im Vorjahr bei der Spanien-Rundfahrt unter Verdacht, als er stürzte und sich sein Vorderrad unnatürlich weiterdrehte. Wochenlang wurde im Internet debattiert, ob das überhaupt möglich sei - inklusive Selbstversuchen.

Der Kasseler Radhändler und Triathlet Jürgen Rademacher (Bike Facts) hält E-Doping für „Unfug“. Ein Rad mit Motor und Akku sei viel schwerer: „Betrüger kann man auf der Waage überführen.“ Erschwerend kommt hinzu, dass der Motor geräuschlos sein muss.

Trotzdem hat die UCI schon vor einigen Jahren einen angeblich 52.000 Euro teuren Scanner angeschafft, mit dem die Rahmen durchleuchtet werden. Und seit Anfang 2015 gibt es einen eigenen Verbandsparagrafen zu „technologischem Betrug“. Der Schweizer Cancellara sagte nach den Vorwürfen 2010: „Le motor, c’est moi.“ Der Motor sei er selbst. Das Schlimme ist, dass man den Radfahrern nach all den dopingverseuchten Jahren zutraut, ihren Motor mit allen Mitteln zu tunen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.