Er hat in drei Jahren fast alles erlebt

Abschied von Ingmar Merle: Turbulent, aber schön

Verabschiedet sich vom KSV Hessen Kassel: Ingmar Merle. Foto: Hedler

Die Nachricht ging beim KSV Hessen ein wenig unter im Trubel über den Gewinn des Hessenpokals: Mit Ingmar Merle wird nach Enrico Gaede den Verein ein weiterer Spieler verlassen, der eine Art Identifikationsfigur war.

Nordhesse durch und durch, Kämpfernatur auf dem Platz, aussagekräftig neben dem Platz. Inge, wie ihn die Fans nennen, wechselt in die Hessenliga zu Aufsteiger Borussia Fulda.

Er begründet den Schritt mit einer Grundsatzentscheidung – weg vom professionelleren Fußball hin zur Absicherung seiner Zukunft. „Ich habe mir immer zum Ziel gesetzt, mit 30 meine Ausbildung abgeschlossen zu haben, wenn es bei mir mit dem Fußball nicht noch weiter nach oben geht.“ Merle ist jetzt 25, er arbeitet in der Personalabteilung bei VW und will nun an der Universität Kassel das Studium der Wirtschaftswissenschaften beginnen. Da passt die Hessenliga besser in den Zeitplan als die Regionalliga.

So gehen für den Ziegenhainer Merle am Ende der Saison drei Jahre bei den Löwen zu Ende, die er zum einen als „schöne Zeit“ bezeichnet, zum anderen aber auch als turbulent. Merle hat dabei mehr erlebt als manch einer in seiner ganzen Karriere.

Der heute 25-Jährige ist in seinem ersten Jahr unter Trainer Uwe Wolf Meister geworden und hat dann doch den Aufstieg in die Dritte Liga verpasst. „Wir sind von einem kompletten Hoch in ein komplettes Tief gefallen“, sagt er, der damals als Offensivkraft ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft war. Trainer Wolf traute ihm zu, in absehbarer Zeit noch höherklassiger zu spielen.

Beim 2:1 in Alzenau traf Merle in jener Saison aus 60 Metern, in Mannheim kurz vor der Winterpause erzielte er den Siegtreffer, der wegweisend war für eine furiose Restrückrunde. Merle führt beide Treffer auf, wenn er über die positiven KSV-Erlebnisse berichtet.

In der Saison danach verließ Merle das Pech nicht mehr: Er war verletzt – und wenn er gerade auf dem Weg der Besserung war, ereilte ihn ein Rückschlag. Seine persönliche Bilanz in einer für den KSV insgesamt sehr unbefriedigenden Saison: ein einziger Einsatz in der Regionalliga. Merle aber kam zurück – auf einer anderen Position, aber mit derselben Wucht, die seinen Stil prägt.

Trainer Matthias Mink setzte ihn vornehmlich als Außenverteidiger ein, Merle schaffte es so erneut zur Stammkraft, die nach einer für den Klub letztlich durchwachsenen Saison am Ende noch einmal feiern durfte: den Sieg im Hessenpokal. Der Erfolg löste in ihm zweierlei aus: „Der Abschied fällt nach der Feier noch mal schwerer“, sagt er. „Andererseits: So kann man sich verabschieden.“

In Fulda will Merle wieder vermehrt in der Offensive spielen und Tore schießen. In dieser Saison ist ihm noch kein Treffer gelungen. Letzte Chance: am Samstag gegen Offenbach – bei seinem Abschied.

Lesen Sie auch:

- KSV Hessen: Welker kommt, Merle geht

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.