"Wir haben einfach kein Glück"

Analyse zur Situation des KSV Hessen: Draufhauen bringt nichts

Das 3:0 gegen den TSV Steinbach mit Ex-Trainer Matthias Mink war der Höhepunkt eines fast schon sensationellen Saisonstarts in der Fußball-Regionalliga mit Erfolgen gegen Mannheim, Schott Mainz, Hoffenheim und eben den hessischen Rivalen.

Kaum jemand hatte das der jungen und günstigen Mannschaft von Trainer Tobias Cramer zugetraut. Die Folge: Die neun Minuspunkte waren schnell getilgt, die Euphorie groß. Eine Woche nach dem Steinbach-Sieg gab es ein 1:1 in Ulm, dann war spielfrei. Zeit zum Nachdenken, zum Reflektieren, zum Durchatmen.

Kein guter Zeitpunkt wie sich jetzt zeigt. Denn lief in den ersten acht Spielen alles nach Plan, ja sogar besser - nach der Pause gab es kein Erfolgserlebnis mehr. Die nackten Zahlen: zehn Gegentore in den ersten acht, 18 in den zweiten acht Partien; 14 Punkte bis zur Pause, dann nur noch vier Zähler. Ein ganz offensichtlicher Einbruch - und zwei Monate, die überhaupt keinen Spaß gemacht haben. Was jetzt? Draufhauen, damit es besser wird?

„Das bringt nichts“, sagt Cramer. Er sah sein Team auch bei der Niederlage gegen Walldorf verbessert, gleichwertig. „Wir haben derzeit einfach kein Glück. Der Elfmeter zum 1:0 für Walldorf war eine klare Fehlentscheidung. Der Schiedsrichter hat sich hinterher bei uns entschuldigt. Das hilft uns aber auch nicht weiter“, sagt der Trainer.

Tatsächlich stehen natürlich neun Spiele ohne Sieg auf dem Papier, fünf Unentschieden, vier Niederlagen. Wirklich chancenlos waren die Löwen aber nur bei den 1:4-Niederlagen gegen Elversberg und Frankfurt. In den anderen Partien fehlte eben das Glück.

Das allein wäre als Erklärung aber zu einfach. Klar ist, der KSV hat seine Heimstärke verloren, die ihn zu Beginn der Saison ausgezeichnet hatte, die defensive Stabilität war zwischendurch weg. Ersichtlich ist aber auch, dass die Spiele gegen die vermeintlich schwächeren Mannschaften schwerer fallen. Bis auf den Sieg gegen Schott Mainz holten die Löwen die Dreier gegen Gegner aus der oberen Tabellenhälfte.

„Die anderen Teams machen nicht das Spiel, stellen sich tiefer hinten rein. Wenn wir das Spiel machen müssen, ist das schon besser als in der vergangenen Saison. Aber natürlich fällt das Saarbrücken mit dem vierfachen Etat von uns und diesen Spielern leichter“, sagt Cramer. Der Etat lässt eben nicht viel zu. Und so kann der Coach in engen Situationen von der Bank kaum Erfahrung bringen. „Sicher, es ist schwierig, wenn junge Spieler dann eingewechselt werden und vielleicht die falschen Entscheidungen treffen. Da geraten sie schnell in eine Negativspirale“, sagt der Trainer.

In dieser befindet sich derzeit aber eben das ganze Team. Nach dem tollen Start ist auch der Druckabfall eine Erklärung für Cramer: „Wenn Sportler meinen, es geht von selbst, dann läuft es nicht mehr.“ Klar ist: Der KSV braucht die Wende, und zwar jetzt - am Sonntag beim Heimspiel gegen Koblenz (14 Uhr). Auch die gestandenen Spieler müssten das intuitive Gefühl wiederfinden, was die richtige Entscheidung ist, bilanziert der Trainer. Ansonsten ist das Päckchen der Löwen irgendwann zu groß.

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