Samstag in Hanau 

Analyse zur Situation des KSV Hessen: Was ist mit den Löwen los?

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Hat schon früh in der Saison viel Druck: KSV-Trainer Dietmar Hirsch. 

„Wir sind nicht überfordert“, sagt Allrounder Ingmar Merle. Mit dem KSV Hessen erlebte er gegen Weidenhausen einen herben Rückschlag.

Beim 1:4 (1:3) des KSV Hessen Kassel am Mittwochabend im Fußball-Hessenpokal in Weidenhausen lief der 29-Jährige mal wieder in der Innenverteidigung auf, erzielte das 1:0, konnte den Viererpack von Weidenhausens Kapitän Sören Gonnermann aber ebenso wenig verhindern wie seine Nebenleute. Das Problem: Dieser Rückschlag ist nicht der erste in der aktuellen Spielzeit.

Bislang haben zwei starke zweite Halbzeiten gegen Stadtallendorf zwei katastrophale erste etwas kaschiert. Ein starker Auftritt in Waldgirmes sorgte für ein wenig Ruhe. Aber selbst beim 4:2-Sieg gegen Friedberg wurde deutlich, was dem KSV fehlt: Konstanz und Sicherheit. Dass den Löwen in nur wenigen Wochen eines durchschnittlichen Sommers aber alle für einen Hessenligisten überdurchschnittlichen Qualitäten abhanden gekommen sind, ist schwer nachzuvollziehen. Was ist los?

Kritische Situation

Ein neuer Trainer, ein neues System, neue Spieler – dass das alles Zeit braucht, ist verständlich. Fraglich ist dagegen, ob eine eigentlich funktionierende Mannschaft so viele neue Impulse benötigt? Und ob so viel Neues gerade gesund ist? Die aktuelle Situation ist nicht aussichtslos, aber kritisch. Der Kreispokal ist kein Maßstab, der Hessenpokal für dieses Jahr beendet, das Ziel Aufstieg in die Regionalliga bei weiteren Misserfolgen früh ernsthaft in Gefahr. Die Antwort auf die eben gestellten Fragen lautet also: Nein!

Der KSV soll jetzt keine langen Bälle mehr schlagen, hinten raus spielen. Aber kann er das? Hat ein Torwart, der kurz vor dem Saisonstart zur eingeschränkten Nummer zwei degradiert wurde und nun doch spielt, das Selbstvertrauen dafür? Sollte ein Trainer mit aller Macht seine Philosophie umsetzen oder doch lieber seine Philosophie an das vorhandene Spielermaterial anpassen?

Die Löwen haben auch im vergangenen Jahr keinen attraktiven Fußball gespielt – aber erfolgreichen, der ohne den Punktabzug zumindest zur Aufstiegsrunde gereicht hätte. Das haben sie geschafft, weil sie eben genau das gemacht haben, was sie können. Und weil es eine Mannschaft war, die Spiel für Spiel an ihren Traum geglaubt hat. Von dieser Geschlossenheit ist derzeit nicht mehr viel zu sehen. Der KSV Hessen riskiert derzeit, viel von dem, was aufgebaut wurde, wieder einzureißen.

Qualität kanalisieren

Aber: Auch die Spieler tragen an der derzeitigen Situation Mitschuld. Denn bei aller Verunsicherung, ein Auftritt wie in Weidenhausen ist nicht zu erklären, nicht zu entschuldigen. Da trägt jeder die Verantwortung, der auf dem Feld stand.

Der KSV hat im Sommer einen Schritt unternommen, um in Zukunft professioneller zu werden. Ein Verein kann aber nur so professionell sein, wie es sein Fundament ist. Das sind die Spieler. Und die gehen zum Großteil nebenbei arbeiten, studieren oder machen ihr Abitur.

Morgen in Hanau (18 Uhr) muss endlich wieder eine Mannschaft auf dem Feld stehen, die füreinander da ist. Eine, die sich nicht gegenseitig kritisiert, sondern bei einem Ballverlust einen Weg für den Mitspieler macht. Die Qualität ist nicht auf einmal weg. Sie muss nur wieder kanalisiert werden.

Das Personal 

„Es war noch ein langer Abend“, sagte KSV-Trainer Dietmar Hirsch einen Tag nach dem 1:4 im Hessenpokal in Weidenhausen. „Wir haben das aufgearbeitet und keine Zeit, uns daran aufzuhalten. Wir haben uns intern die Meinung gesagt, das muss auch mal sein.“ Viel Zeit bleibt wirklich nicht, denn bereits morgen steht das nächste Ligaspiel in Hanau an. 

Dafür stehen dem Coach 17 Spieler zur Verfügung. Mahir Saglik fehlt weiter wegen Krankheit. Brian Schwechel hat noch Schmerzen an den Bändern, nachdem ihm gegen Stadtallendorf die Kniescheibe rausgesprungen war. Sergej Evljuskin ist aus privaten Gründen nicht dabei. Zudem fehlen Lukas Iksal, Marius Rohde und Marcel Fischer gesperrt.

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